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Informationspolitik unserer AGs

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09. August 2007 07:07

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Ich hab ja volles Verständnis dafür, daß Firmen wie die Maschinenfabrik Heid AG oder die Stadlauer Malzfabrik AG, die nicht mehr operativ tätig sind, keine aktiven Investor Relations betreiben. Da bekommt man Auskünfte in der Art: "Wir dürfen Ihre Fragen leider nicht beantworten, weil zur Wahrung des gleichen Informationsstandes aller Aktionäre nur während der Hauptversammlung ein Fragerecht besteht." Auch wenn man nur simple Fragen stellt, wie "Was macht denn die Firma noch?" Das würde keinen anderen Aktionär übervorteilen, wenn der Otto weiß, daß sich die Malzfabrik mit der Verwaltung ihrer Minderheitsbeteiligung an einer anderen Firma beschäftigt.

Aber diese Firmen haben ja nicht mehr vor, je wieder an den Kapitalmarkt heranzutreten, sei es mit der Bitte um eine  Kapitalerhöhung oder mit der Bitte um die Zeichnung einer Anleihe. Sie leben auch ohne gute Beziehungen zu der verschwindend kleinen Zahl an verbliebenen Kleinaktionären recht gut. Den Kleinaktionären ist mittlerweile alles wurscht. Sie gehen abends schlafen und schlafen gut, weil die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, daß ihre Firma am nächsten Tag noch lebt. Die Malzfabrik schickt dem Otto sogar regelmäßig eine Dividende aufs Konto, da freut er sich und fragt nicht weiter nach, ob die Firma mittlerweile im IT-Business investiert oder grad am Schwarzen Meer eine Hotelanlage übernimmt. Wird wahrscheinlich eh nie passieren, aber dem Otto ist das alles eh schon egal. Hauptsache er bekommt seine Dividende. Weil Information würde er nie bekommen. Er steht zwar auf einem angeblich existierenden Verteiler für IR-News (damit er a Ruah gibt), kriegt aber nicht einmal eine Verständigung, daß die HV statt findet. Weil sonst bestünde ja die Gefahr, daß er dort seine Fragen in echt stellt, und bei der HV hätte er ja ein ganz legales Rederecht. Ganz zu schweigen davon, daß man extra für ihn vielleicht das Buffet größer planen müßt, eventuell.

Es gibt bei diesen altehrwürdigen Firmen also keine Kleinaktionäre mehr, die Informationsbedarf haben. Somit ist auch jede Form von Investor Relations entbehrlich. Sie haben es nur mit erfahrenen Anlegern zu tun, die schon draufgekommen sind, daß sie nichts zu fragen brauchen. Unerfahrene Anleger würden ohnehin kaum in Aktien ohne sichtbare Kursfantasie investieren wollen. Also tut man mit der Verweigerung von Beziehungen zu den Investoren niemandem weh.

Anders verhält es sich mit einer Firma wie Jowood. Hier gibt es tatsächlich viele Aktionäre, die seit langem unstillbaren Hunger nach Information haben. Und Jowood ist eine Firma, von der ich annehme, daß sie in den nächsten Jahren noch oft mit irgend welchen Bitten an den Kapitalmarkt herantreten wird. Schließlich zahlt man nicht ohne Grund 10% Zinsen für eine Anleihe, denke ich mir. Heute nennt man solche Anleihen beschönigend High Yield Bonds, zu meiner Zeit hat man Junk Bonds zu allen Anleihen gesagt, die aus gutem Grund weit höher rentieren als Bonds von anderen Emittenten mit ähnlicher Laufzeit. Daß Otto Normalinvestor an einen Junk Bond denkt, wenn er eine 10%-Anleihe sieht, das ist lediglich ein Urinstinkt des Anlegers: "Wo es hohe Zinsen gibt, da muß es einen Haken geben!" Kann eventuell mit der Realität gar nichts zu tun haben. Vielleicht wollte Jowood einfach was für die leidgeprüften Pensionisten tun, die wieder nur 0,125% auf dem Sparbüchel sehen und auf Knien bei Jowood angerutscht kommen und betteln: "Ich halt die Bankzinsen nicht mehr aus! Ihr seid doch eine der gefürchteten New Economy Firmen? Könntet´s nicht so einen hochrentablen Junk Bond herausbringen?" Wie hätte Jowood da anders reagieren sollen, wenn sie die Tränen in den Augen der Kapitalanleger sehen?

Was ich sagen will: Jowood braucht den Kapitalmarkt noch. Sie sollten eine aktive Kommunikation mit ihren Investoren pflegen. Nicht nur mit einigen Großinvestoren, sondern auch mit den Kleinanlegern. Kleinvieh macht auch Mist, und wenn die Großen einmal den Kapitalhahn zudrehen, dann sollte man froh sein, daß es kleine Privatinvestoren gibt, die aus Liebhaberei Jowood wieder mal Geld zuschießen. Obwohl sie annehmen können, daß  sich ihr Kapital nicht so gut verzinst wie bei anderen Geldanlagen. Aber Liebhaber sind für alles zu haben, das sollte eine Firma wie Jowood wissen.

Wieso kann gerade eine Firma der New Economy so eine Geheimhaltungspolitik betreiben wie ein hundertjähriger Familienbetrieb? Wieso erfahren die Anleger immer erst sehr spät oder überhaupt nie, wie es der Firma geht, wer die Firma gerade beherrscht, wer aus welchen Gründen welchen Aufsichtsrat haben will, und vieles mehr?

Wieso setzt man mitten im Sommer eine Außerordentliche Hauptversammlung an, wo man annehmen kann, daß die meisten Aktionäre auf Urlaub sind? Ist es wirklich so dringend, das neue Aufsichtsratsmitglied gerade jetzt zu nominieren, und nicht erst im September? Wenn sich noch dazu dieser Kandidat gerade selbst im Urlaub befindet? Hut ab vor den Jowood-Kleinaktionären, sie sind wie Kletten, sie waren nicht abzuschütteln: insgesamt 30 Aktionäre (mindestens einer davon aber nicht klein) sind gekommen, trotz Urlaubszeit, widriger Sommerhitze und schwer zu findender Location.

Wieso bezeichnet man den Kandidaten auf der Homepage bereits vor der Wahl als Mitglied des Aufsichtsrats?

Warum nennt man als Grund für den Antrag auf Erweiterung des Aufsichtsrats die bei Verhinderung eines Mitglieds nicht gegebene Beschlußfähigkeit, wenn es in Wirklichkeit darum geht, daß ein Großaktionär endlich im Aufsichtsrat vertreten ist?

Hätte man kommuniziert, daß Vengrowth 15% hat und ein Mitglied des Aufsichtsrats stellen will, hätte sich die Gegenkandidatin ihre Kandidatur ersparen können, und 29 unnötige Wähler hätten sich nicht einen Urlaubstag nehmen müssen. Denn daß Vengrowth sein eigenes Aufsichtsratsmitglied haben soll, das würden wir ja verstehen, und wenn ich das weiß, dann stimme ich auch nicht gegen diesen Kandidaten. Ich gönne ihnen ja, daß sie vertreten sind. Aber warum sagen sie das nicht vorher? Wozu diese Lichtscheu? Warum muß der Aufsichtsratsvorsitzende den wahren Grund verbergen und sagen, der Kandidat sei "vom Aufsichtsrat" nominiert worden, und es stünde kein Großaktionär hinter ihm?

Weil daß der Aufsichtsrat sich erweitern will und sich einen genehmen Kandidaten selbst aussucht, da bin ich dagegen. Es sollte schon einer kommen, der mit dem bestehenden Aufsichtsrat nichts zu tun hat, ein Unabhängiger.

Es durfte auch niemand erfahren, wegen eines angeblichen Datenschutzes, welche Aktionäre mit welcher Stimmenanzahl angemeldet sind. Wozu gibt es die Pflichtmeldungen bei direktem und indirektem Über- und Unterschreiten eines bestimmten Anteils an der Firma, wenn die Anleger nicht einmal erfahren sollen, wie die Kräfteverhältnisse auf der Hauptversammlung ausschauen? Die Gegenkandidatin hätte sich die Kandidatur sparen können, wenn sie gewußt hätte, daß eben Vengrowth seinen Kandidaten durchbringen will und keinen anderen. Daß nicht zählt, was man für die Firma Jowood tun kann, sondern für Vengrowth. Steht ihnen ja zu, ihren Kandidaten zu nominieren. Aber warum versteckt man ihn, warum steht man nicht von Anfang an zu ihm? Dann hätte sich Jowood auch das Geld für Ottos Brötchen erspart, denn ich hätte ja nichts dagegen gehabt, daß Vengrowth seinen Kandidaten reinbringt. Aber da soll man nicht den Anschein erwecken, als ob Kandidaten für das vierte Aufsichtsratsmandat gesucht werden.

Erst nach der Hauptversammlung erfährt man, daß er der Kandidat von Vengrowth war, und daß er "Feder führend den Übernahmedeal von Dreamcatcher mit begleitete". Wenn er so ein guter Verhandler war, daß ihn Vengrowth dafür sogar mit einem Aufsichtsratsitz belohnt, dann kann der Deal für die Kanadier nicht so schlecht gewesen sein. Man sieht ja, welche Spiele Jowood im Tausch für ein Aktienpaket und die stille Übernahme durch Vengrowth bekommt. Aber das ist eine bittere andere Geschichte. Aber ist eh schon egal, auch bei eigenen Spielen hatte Jowood in den letzten Jahren keine glückliche Hand.

Dann verstehe ich nicht, daß man nicht mehr änderbare Fakten mit peinlich-blumigen Worten schmücken muß: "wird uns damit helfen, das Vertrauen der Investoren in JoWooD zu stärken" Ich habe nicht wenige Kleinanleger gesehen, deren Vertrauen in JoWood durch die gestrige Alleinbestimmung eines AR-Mitglieds und die Ablehung eines anderen AR-Mitglieds nicht gestärkt worden ist. Schwächer konnte es ohnehin nicht mehr werden, aber man gibt die Hoffnung nicht auf, wir sind ja alle bereits Langzeitinvestoren, die nichts mehr erschüttern kann.

Und was bedeutet "pragmatische Reaktion auf die zuletzt geführte
Diskussion um einen endgültigen Ausstieg der Koch Media AG"? Der angebliche Knapp-10%-Investor Koch ist nicht zur HV gekommen und durfte daher auch nicht mitbestimmen. Und Jowood hat keinen Einfluß darauf, ob Koch nun die restlichen vielleicht 9,99% auch verscherbelt, und wann, und zu welchem Preis. Was hat Koch mit der Erweiterung des Aufsichtsrats zu tun? Da sollte man doch eher einen Platz freihalten für den neuen Investor, der dem Koch seine 9,99% abkauft und dann auch in den Aufsichtsrat will. Wenn einer aussteigen will, bedeutet das ja nicht, daß man als Reaktion den Aufsichtsrat vergrößern muß.

Informationspolitik wie in der Politik. Man läßt Informationen nur an die Öffentlichkeit, wenn es opportun erscheint, und wenn man tiefgehende Informationen verweigern will, redet man nichtssagend um den Brei herum. Der Anleger darf viele Worte und lange Sätze konsumieren und glaubt am Ende noch, dadurch Informationen gewonnen zu haben.

Ja, ganz wesentliches erfahren wir gleich in der Titelzeile der IR-News: "Im Zuge der heutigen, außerordentlichen Hauptversammlung verstärkt JoWooD mit RA Mag. Daniel Neubauer, als starkes Signal an Aktionäre und Investoren, den bereits prominent besetzten Aufsichtsrat."

Der Jowood-Aufsichtsrat ist nicht mehr und nicht weniger prominent als andere Aufsichtsräte auch. Alle Aufsichtsräte haben sich zu Biotopen für Akademiker und langgediente Funktionäre entwickelt, ich seh nichts, was bei Jowood prominenter sein sollte als anderswo. Ja, die steiermärkische Landesregierung sitzt vielleicht nicht in allen Aufsichtsräten, aber von prominent kann man da noch nicht sprechen. So prominent wie die Mitglieder des Jowood-Aufsichtsrats fühlen sich die Mitglieder anderer Aufsichtsräte normalerweise auch.

Ja, wenn man Jeannine Schiller, Richard Lugner, Paris Hilton und Hansi Hinterseer für den Aufsichtsrat gewinnen könnte, dann könnte man meiner Meinung nach großspurig verkünden, einen prominenten Aufsichtsrat zu haben.

So aber muß ich viele viele Floskeln lesen, um an brauchbare Infos zu kommen. Wir sind in der Wirtschaft, an der Börse, wir verstehen klare Informationen. Informationen sind ja nicht wie eine Schokolade, die man mit viel Liebe ganz ganz schön einpacken und ausschmücken muß, damit sie zur Bonbonniere wird. Verpackung ist für uns Anleger das Allerunwichtigste, wir wollen vor allem eines: Information.

Transparent, klar, umgehend. Und das Allerwichtigste: Keine irreführenden Informationen! Denn daß AR Nr.4 bereits vor der Abstimmung Aufsichtsratsmitglied war, das war einfach falsch. Und daß AR Nr.4 kein Kapital im Hintergrund hat, war auch einfach falsch. Die Entgegnung kam am selben Tag noch, bei den IR-News. So wurden die nicht anwesenden Aktionäre besser informiert als die anwesenden Aktionäre. Denn denen hat man nicht die einzig richtige Auskunft gegeben, trotz Nachfrage: Daß er von Vengrowth kommt.

Wie gesagt, ist ja keine Schande, von Vengrowth zu kommen. Warum aber sagt man es dann nicht?

 






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"Otto Normalinvestor" ist das Pseudonym eines BE-Lesers (Name der Redaktion bekannt)

 

 

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