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Aufarbeitung der Energiebonanza

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30. März 2016 14:35

aus dem BE


Seit einigen Wochen wissen wir, dass etwa 120 Mrd. US$ an Krediten an US Öl- und Gasproduzenten noch offen sind. Seit letzter Woche wissen wir, dass bereits 50% dieser Forderungen als schwer oder kaum einbringlich gelten. Und warum das alles die Märkte beruhigt hat, versteht man erst auf den zweiten Blick.


Als erstes wirkt die Tatsache, dass die diesbezüglich größten Kreditgeber US-Banken sind. Die USA sind nach wie vor, man glaubt es kaum, ein Land in dem Banken, noch bevor sie auf den Bilanzbeton aufknallen, geholfen wird indem Bewertungsregeln kurzfristig gestreckt werden oder regionale Unterstützung für die betroffenen Kreditnehmer vereinbart werden. Das belässt die Forderungen zwar in gleicher Höhe (tut noch immer weh), aber es erleichtert deren Abwicklung. Europa behandelt seine Kreditgeber hier mittlerweile anders. Hier wird sofort nach erneuter Regulierung und wenn dann nichts hilft die EZB gerufen. Helfen tut dies den Banken dabei kaum. Es erschwert das Geschäft. Ein Grund warum der europäische Bankensektor mittlerweile zum schwankungsreichsten Sektor zu rechnen ist.

Ein weiteres Momentum ist, dass die relative Größe dieser „Energy Loans“ gegenüber den anderen Krediten relativ gering ist. Sie machen zwischen 2 und 4% der jeweiligen Kreditsummen innerhalb der Banken aus und gelten daher als leicht verkraftbar. Dies aber ebenso nur weil der US-Konjunktur nach wie vor nicht die Luft ausgeht, sondern diese, eben auch weil sie weiterhin kreditfinanziert wird, in beruhigend stabilem Zustand läuft. Wieder der wehmütige Blick auf unser Europa. Die Kreditnachfrage lässt sich nach wie vor nicht eindeutig als wachsend beschreiben.

Der dritte Faktor erscheint seltsam, aber derzeit reißen sich etliche Investoren um diese „faulen“ Kredite. Distressed-Spezialisten stehen Schlange um diese Kredite billig zu erwerben. Deren Kalkül ist klar: sie brauchen nur einen bestimmte Zeitperiode überbrücken und dann wird sich der Ölpreis wieder hochgearbeitet haben und die vormals unproduktiven Schieferöl-Ressourcen werden profitabel. Eigentlich easy, und deswegen findet in diesem Sektor bereits ein Hauen und Stechen um die besten Claims statt an dem sich keiner zu schade ist teilzunehmen. Auch die Großen mischen bereits mit.

Und der letzte Faktor, und der sollte uns Konsumenten zu denken geben, ist der, dass Schiefer-Öl und Schiefer-Gas keine langfristig ertragreichen Förderungen sind. Nach relativ kurzer Zeit lässt die Fördermenge im jeweiligen Bohrloch nach und es muss ein Neues gebohrt werden. Ein Grund für die ganze Malaise. Das ist nämlich teuer, und jedenfalls teurer als es der aktuelle Ölpreis finanzieren kann. Das bedeutet aber, dass der Preisdruck aus den verbliebenen Förderaktivitäten langsam aber doch nachlassen wird müssen. Dass sich der Markt auf diesen Moment vorbereitet, hatten wir die letzten Wochen eindeutig gemerkt, als trotz steigender Lagerbestände der Preis stark anstieg, weil die Lagebestände eben nicht mehr so stark wuchsen wie erwartet.

Man kann Vieles über die USA an Kritik anbringen und Etliches ist nach wie vor zum Glück bei uns nicht möglich, aber die Art und Weise wie sie mit Wirtschaftskrisen umgeht und welche Konsequenz und Kraft aus einer solchen Aufarbeitung entsteht sollte uns in Europa öfter mal als Beispiel dienen.





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