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„Energiewende“ in Großbritannien – oder Energiechaos?

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29. März 2016 15:09

Größtes Kohlekraftwerk stillgelegt
Am vergangenen Donnerstag wurde das größte Kohlekraftwerk Großbritanniens (Longannet in Schottland) nach 46 Jahren Betrieb stillgelegt. Kohle ermöglichte die industrielle Revolution und stellte über viele Jahrzehnte den größten Anteil an der Stromerzeugung Großbritanniens dar. Die Stilllegung von Longannet symbolisiert das Ende einer Ära. Amber Rudd, die Ministerin für Energie und Klimawandel, hatte im November 2015 Pläne angekündigt, bis 2025 alle britischen Kohlekraftwerke zu schließen, um die Treibhausgasemissionen Großbritanniens deutlich zu reduzieren. Rudd sprach von einem „Neubeginn“ der britischen Energiepolitik und bekräftigte im März 2016 erneut den Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kohle.

Keine ökologische Energiewende
Allerdings besteht kein Grund zum Feiern, denn es handelt sich nicht um eine ökologische Energiewende. Subventionen für Biomassekraftwerke fielen schon im Juli 2015 dem Rotstift zum Opfer. Im Januar 2016 kündigte die Regierung die starke Senkung der Einspeisevergütung für Photovoltaikkraftwerke an. Ende März 2016 werden die Subventionen für kleine Photovoltaikanlagen auf Hausdächern gestrichen. Die Streichungen bzw. Kürzungen von Subventionen belasten die erneuerbaren Energien bereits schwer, doch die wachsende politische Unsicherheit darüber, wie es mit der Energiepolitik weitergeht, schreckt potentielle Investoren ab. Der Ausstieg aus Kohlekraft erfolgt in erster Linie deshalb, weil die EU Emissionsgrenzwerte wesentlich verschärft hat und eine Nachrüstung der Kohlekraftwerke unrentabel wäre. Hohe Emissionsabgaben sorgen bereits heute für Verluste bei Betreibern von Kohlekraftwerken. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Gaspreise auf einem historischen Tief befinden und in den kommenden Jahren weiter fallen dürften. Falls Rudds Pläne umgesetzt werden könnten, würde der Anteil des Stroms aus Gaskraftwerken bis 2025 auf 55% des gesamten Energiemixes ansteigen und Kohlestrom auf unter 1% fallen. Die Regierung prognostiziert, dass die Kapazität von Gaskraftwerken 2016 um beachtliche 17% gegenüber dem Vorjahr steigen wird.

Bauvorschriften für Windkraft verschärft
Die Aussichten für den Bau neuer Windkraftanlagen auf dem britischen Festland verschlechtern sich stark, da die Regierung Subventionen mit der scheinheiligen Begründung gestrichen hat, dass Windkraft auf dem Festland die wettbewerbsfähigste erneuerbare Energie darstelle und deshalb ohne jegliche Subventionen auskommen müsse. Zusätzlich wurden Bauvorschriften für Windkraftanlagen so stark verschärft, dass der Bau großer und effizienter Windkraftanlagen unmöglich wird. De facto kommt dies einem Baustopp für Windkraftanlagen auf dem britischen Festland gleich. Der deutsche Energiekonzern RWE hat deshalb im Januar 2016 neun Bauvorhaben für Windkraftparks im Wert von 250 Mio. GBP gestrichen. Zwölf weitere Windkraftprojekte im Gesamtwert von 800 Mio. GBP liegen auf Eis. Offshore-Windkraftparks sind nicht von den Kürzungen betroffen. Über 20 GW Offshore-Windkraftparks befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Bauphasen.

Ausbau von Kernkraft vor Entscheidung
Die Regierung hofft, die Sicherheit der Stromversorgung mit dem Ausbau der Kernkraft gewährleisten zu können. Kernkraft würde – wie erneuerbare Energien – eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen ermöglichen. Die neuen Kernkraftwerke sollen in den 2020er Jahren ans Netz gehen. Doch die Inkonsistenz der britischen Energiepolitik verhindert auch den Bau neuer Kernkraftwerke. Der französische staatliche Energiekonzern EDF hat bereits vielfach die endgültige Entscheidung zum Bau eines neuen Kernkraftwerks in Hinkley Point, Grafschaft Somerset, verschoben. Der EDF-Finanzdirektor und der Projektmanager für das geplante Kernkraftwerk traten bereits aus Protest gegen die riesigen finanziellen und technischen Projektrisiken zurück. Österreich klagt gegen britische Subventionen für den Bau von Hinkley Point, da Kernkraft als ausgereifte Technologie keine staatlichen Beihilfen mehr erhalten dürfe. Die britische Regierung hat einen Abnahmepreis garantiert, der mehr als das Doppelte des aktuellen Großhandelsstrompreises beträgt. Dennoch zögern die Investoren mit der Bauentscheidung. Diese Probleme schrecken inzwischen auch Investoren für zwei unabhängige Kernkraftwerksprojekte in Wylfa und in Sellafield ab, welche erst abwarten wollen, ob Hinkley Point gebaut wird.

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