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Kollateralschaden

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14. März 2016 12:45

company aus dem BE company


Die EZB hat es geschafft, mit einem Schlag gleich zwei wichtige Sektoren an die Grenze der Un-Investierbarkeit zu bringen.


Dieses Zitat aus Macbeth (in dem es eigentlich um den Sinn des Lebens geht) hätte diese Woche auch von so manchem Investor stammen können (zumindest den eher philosophisch angehauchten). Vor allem der Donnerstag hatte es in sich: Nach der EZB-Zinsentscheidung schossen die Märkte nach oben, angeführt von den Bankaktien, die innerhalb weniger Minuten (!) um über 6% zulegen konnten. Der ganze Zauber dauerte allerdings nicht wirklich lange und am Tagesende schlossen die meisten europäischen Indices mit deutlichen Verlusten. Was war passiert?

Grundsätzlich hat die EZB ihre Versprechen gehalten und sogar noch ein bisschen draufgelegt. Sämtliche Zinssätze (der Einlagenzinssatz, den Banken fürs „Geld parken“ bei der EZB zahlen und der Leitzinssatz, zu dem sie sich selbiges ausborgen können) wurden gesenkt, das Anleihenkaufprogramm wurde um 20 Mrd. Euro pro Monat erhöht und gleichzeitig auf Unternehmensanleihen im Investmentgrade-Bereich ausgeweitet. Die Algos, die am schnellsten auf diese Nachrichten reagieren, waren glücklich, Kauforders überfluteten die Märkte. Dass gerade die Banken nach oben schossen ist dabei etwas seltsam, immerhin leiden die Institute (gemeinsam mit den Versicherungen) am meisten unter den Auswirkungen der lockeren EZB-Politik. Natürlich könnte man versuchen Gründe dafür zu finden (die Aktien fielen bereits im Vorfeld stark, die Kreditvergabe könnte ausgeweitet werden, …), nach kurzer Reflexion zerfallen diese Begründungen jedoch relativ schnell.

Es waren jedoch nicht diese „rationalen“ Gründe, die die Investoren dazu bewogen haben, die erste Reaktion auf die EZB-Entscheidung zu überdenken. Es war eher eine Standardfloskel (oder auf gut österreichisch „Na-no-na-ned-Aussage“) im Rahmen der EZB Pressekonferenz, die den Investoren Angst einjagte: Sollte das Umfeld gleichbleiben, würde die EZB keine weiteren Maßnahmen setzen. Mit einem gewissen Abstand zu den Märkten und einer geistigen Anstrengung von ca. 1 Minute würde man vielleicht zu dem Schluss kommen: Natürlich setzt die EZB keine weiteren Maßnahmen, wenn sich nichts mehr verändert; Wenn es der Wirtschaft wirklich so schlecht geht, dass weitere Maßnahmen notwendig wären, hätte die EZB bereits jetzt eingreifen müssen…

In einer Welt, in der der Investmenthorizont der meisten Marktteilnehmer in Millisekunden gemessen wird, wurde die Aussage jedoch wie üblich überinterpretiert und ausgelegt als „Wir können aktuell nichts mehr tun“. Dementsprechend sprang der Euro gegenüber dem US-Dollar nach anfänglichen Verlusten wieder nach oben, was vor allem Druck auf die deutschen Autowerte auslöste. Dazu machte auch die Meldung die Runde, dass eine OPEC-Konferenz im März wohl am Widerstand des Iran scheitern würde (welch Überraschung!), was den Ölpreis nach den starken Zugewinnen der letzten Wochen einknicken ließ. Unsere aus Kupferkabeln und Mikroprozessoren bestehenden Freunde registrierten dies und nach dem Motto „Öl runter, Aktien runter“ wurden dieselben Titel, die eine Stunde vorher frenetisch gekauft wurden, nun mit gleicher Intensität wieder abgestoßen.

Wenn Ihnen dieses kurzfristige Tradingumfeld mehr als seltsam erscheint, laden wir Sie gerne ein, gemeinsam mit uns etwas Revolutionäres zu tun: Nehmen wir uns ein paar Minuten, um über die Implikationen von Nachrichten wirklich nachzudenken. Bei den Zinssenkungen sind diese relativ einfach: Sie sind schlecht für Banken, da diese gewisse Beträge bei der EZB parken müssen. Die Ausweitung des QE-Programms ist da schon etwas komplexer. Grundsätzlich sollten die Renditen für Staatsanleihen in der Peripherie weiter sinken, da die EZB den Markt geradezu „absaugt“ und die Anleihenpreise damit nach oben treibt. Selbiges dürfte auch für Unternehmensanleihen mit guter Bonität gelten (wobei gute Bonität relativ zu sehen ist, beispielsweise wären Anleihen der erst kürzlich in Schieflage geratenen Glencore auch auf der Kaufliste). Für die Banken bedeutet dies zwar, dass ihre aktuellen Bestände mehr wert werden, gleichzeitig sinkt jedoch bei Wiederveranlagung der Ertrag und damit die Zinsmarge. Dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die Kreditnachfrage, immerhin haben Großunternehmen nun eine mehr als attraktive Alternative zu teuren Bankkrediten in Form von EZB-gestützten Anleihen…

Die negativen Implikationen des QE-Programms gelten natürlich in gleichem, wenn nicht sogar höherem Ausmaß für Versicherungen, immerhin müssen die relativ hohen Garantiezinsen aus dem Altbestand irgendwie finanziert werden. Die EZB hat es also geschafft mit einem Schlag gleich zwei wichtige Sektoren an die Grenze der Un-Investierbarkeit zu bringen. Auf der anderen Seite wurden neben den Immobilienunternehmen (die ja von Haus aus einer der Hauptprofiteure der Niedrigzinsphase sind) auch einige Industrieunternehmen mit guter Bonität von der Notenbank zu den Siegern gekürt. Sie können durch die freundliche Unterstützung der EZB ihre Finanzierungskosten drücken und damit andere Unternehmen, die nicht das Glück haben in der EU ihren Sitz zu haben, aus dem Markt drängen oder gleich übernehmen. Da muten die Unterstützungen, die wichtige Industriezweige wie Stahl, Beton, Luftfahrt etc. in China bekommen ja gleich gar nicht mehr so schlimm an….

Aktuelle Investmentstrategie. Wir lassen uns von der heftigen Marktkorrektur seit Jahresbeginn nicht erschüttern; da wir nicht von einer globalen Rezession ausgehen erachten wir die negative Kursentwicklung an den internationalen Aktienmärkten als übertrieben. Nach wie vor gefallen uns aus bewertungstechnischen Gründen Aktien prinzipiell besser als Anleihen, das aktuelle Kursniveau erscheint uns vergleichsweise attraktiv. Auf der Aktienseite sind wir – verglichen mit dem MSCI World – in Europa deutlich übergewichtet, in Nordamerika vergleichsweise weniger stark investiert. Japan erscheint uns nach wie vor spannend, in den Schwellenländern sind wir nur sehr selektiv investiert. Anleihenseitig gefallen uns am ehesten noch flexible „Total Return“-Produkte, die sich auf dynamische Art und Weise verschiedensten Marktgegebenheiten anpassen können, sowie Wandelanleihen, die auch von einem positiven Aktienumfeld profitieren können. In klassischen Staatsanleihen von Industrienationen sind wir hingegen deutlich untergewichtet, das Risk-/Returnprofil erscheint uns hier weiterhin nur bedingt attraktiv.






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