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Panik ist keine Strategie - Immobilienunternehmen fallen als Profiteure der Niedrigzinsphase auf

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15. Februar 2016 10:59

company aus dem BE company

Wir könnten unseren Marktbericht diese Woche sehr kurz halten, ganz nach dem Motto unserer Großeltern: „Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, sag einfach gar nichts.“ Die Märkte befinden sich in der Tat weiterhin im Würgegriff der Bären: Der DAX gab vergangene Woche 3,4% nach, beim heimischen ATX steht sogar ein Minus von 4,5% zu Buche.

Die Investoren scheinen derzeit geradezu auf der Suche nach der nächsten Katastrophe zu sein. Diesmal kamen die europäischen Banken in den Fokus: In einer Bewegung, die erschreckende Ähnlichkeit mit dem Verfall der Minentitel im letzten Jahr hat, kam der gesamte Sektor unter Druck, insbesondere jedoch die Deutsche Bank. Genauso wie bei den Glencores dieser Welt kam der Angriff aber nicht primär von der Aktienseite. Zuallererst kamen die Anleihen der Bank durch Gerüchte unter Druck, dass das Unternehmen aufgrund von strengeren regulatorischen Vorschriften möglicherweise Zinszahlungen ausfallen lassen müsste. Die verschreckten Investoren versuchten ihre Wetten auf die Papiere der Deutschen Bank über Derivate abzusichern (die berühmten CDS, die uns bereits im Rahmen der Staatsschuldenkrise 2011 so einiges Kopfzerbrechen bereitet haben), woraufhin auch die Aktien, die ja in der „Hierarchie“ eine Stufe unter den Anleihen stehen, ihren Verfall fortsetzten. Kurzfristig notierte die Deutsche Bank sogar unter ihrem Tiefstkurs von 2009, als das Weltfinanzsystem aufgrund von Lehman & Co vor dem Kollaps stand!

Zeiten wie diese lassen manchmal Zweifel an der Funktionsweise der Märkte aufkommen. Vor allem Banken, deren Geschäftsmodell auf Vertrauen und der kontrollierten Aufnahme von Risiken basiert, sind oftmals gerne ein Ziel von „Bärenattacken“ wie dieser: Durch Gerüchte (am besten zu einem Zeitpunkt, wenn sich die Firma nicht wehren kann, wie bspw. in der Quiet Period kurz vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen) werden die bereits im Vorfeld verunsicherten Investoren zu Verkäufern. Andere Marktteilnehmer sehen dies, der Kursverlust setzt ein und immer mehr Aktionäre werfen ihre Papiere in Panik auf den Markt denn wenn das Gerücht nicht stimmen würde, würde die Aktie ja nicht fallen?!

Nicht nur aufgrund des Geschäftsmodells bieten sich Banken recht gut für solche „Spiele“ an. Aufgrund der laufenden regulatorischen Änderungen verlieren die meisten Investoren die Übersicht: Basel III CET1 (fully loaded), SREP-Ratio, LCR, NSFR, Leverage Ratio und eine Vielzahl anderer Kennzahlen hätten aus Sicht der Aufsicht die Transparenz erhöhen sollen, derzeit sorgen sie aber nur für Verwirrung bei den Investoren und immensen Kosten bei den Banken. Sehen wir uns das Thema mal in aller Ruhe an!

Das konkrete Gerücht war, dass die Deutsche Bank (immerhin eine der größten Banken der Welt mit einer Bilanzsumme von 2 Billionen Euro, was in etwa dem BIP von Italien entspricht) aufgrund erhöhter Anforderungen im SREP-Ratio, einer Kennzahl die den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital misst, keine Kupons auf eine bestimmte Kategorie von Anleihen bezahlen kann. In der Tat kann die Bankenaufsicht (im Fall einer Großbank wie der Deutschen Bank die EZB) einem Institut die Zahlung von Dividenden auf Aktien sowie bestimmte Anleihen, die in der Kapitalhierarchie den Aktien am nächsten stehen, verbieten. Dadurch kann sich das Unternehmen die Zinsen „sparen“ und eine höhere Eigenkapitalquote aufbauen.

Für die Käufer der Anleihen (im Normalfall Versicherungen, Hedgefonds und andere institutionelle Anleger) ist dies natürlich wenig erfreulich. Andererseits muss man festhalten, dass es sich dabei um eine temporäre Maßnahme handeln würde, um den Kapitalpolster der Bank wieder aufzustocken, ähnlich einer „Minikapitalerhöhung“. An keinem Punkt war hier die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Deutschen Bank in Frage gestellt, wie man angesichts der Berichterstattung möglicherweise vermuten würde. Insofern erscheint es doch als etwas übertrieben, dass diese doch sehr institutsspezifische Situation (niedriger Eigenkapitalpolster aufgrund von Strafzahlungen, der Übernahme der Postbank etc.) solche Panikreaktionen in den Aktien der anderen Banken auslöst (z.B. hat die Erste Group erst vor kurzem bekanntgegeben, die Kuponzahlungen für einige risikoreichere Anleihen wieder aufnehmen zu wollen).

Natürlich sind die Banken als solche in einem schwierigen Geschäftsumfeld (Negativzinsen, regulatorische Vorschriften, niedrige Kreditnachfrage etc.). Als Investoren müssen wir uns jedoch bei Rückgängen, wie wir sie derzeit sehen, die Frage stellen: Kann es zu einer echten systemischen Krise kommen à la 2008/2009, in der das Finanzsystem an sich vor dem Kollaps steht? Wenn die Antwort hier nein lautet, kann die Suche beginnen: Welche Firmen sind relativ isoliert von den aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen (oder können eventuell sogar davon profitieren)? Immobilienunternehmen fallen als Profiteure der Niedrigzinsphase auf, einige heimische Exemplare weisen zudem noch die erforderliche stabile Refinanzierungsstruktur und einen hohen Cashbestand auf. Defensive Titel mit attraktiver Dividendenrendite wie die Post oder Firmen mit einer positiven Entwicklung wie die Telekom Austria, die erst vergangene Woche starke Quartalszahlen veröffentlichte, können Teil einer sinnvollen langfristigen Strategie sein. Einfach in Panik alle Positionen glattzustellen und zehnjährige deutsche Staatsanleihen mit einer Rendite von knapp 0,2% zu kaufen (was bei einer Inflation von ca. 1% einer realen Geldminderung gleich kommt) wird dies hingegen wohl nicht sein.

Aktuelle Investmentstrategie. Wir lassen uns von der heftigen Marktkorrektur seit Jahresbeginn nicht erschüttern; da wir nicht von einer globalen Rezession ausgehen erachten wir die negative Kursentwicklung an den internationalen Aktienmärkten als übertrieben. Nach wie vor gefallen uns aus bewertungstechnischen Gründen Aktien prinzipiell besser als Anleihen, das aktuelle Kursniveau erscheint uns vergleichsweise attraktiv. Auf der Aktienseite sind wir – verglichen mit dem MSCI World – in Europa deutlich übergewichtet, in Nordamerika vergleichsweise weniger stark investiert. Japan erscheint uns nach wie vor spannend, in den Schwellenländern sind wir nur sehr selektiv investiert. Anleihenseitig gefallen uns am ehesten noch flexible „Total Return“-Produkte, die sich auf dynamische Art und Weise verschiedensten Marktgegebenheiten anpassen können, sowie Wandelanleihen, die auch von einem positiven Aktienumfeld profitieren können. In klassischen Staatsanleihen von Industrienationen sind wir hingegen deutlich untergewichtet, das Risk-/Returnprofil erscheint uns hier weiterhin nur bedingt attraktiv.






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