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Aderlass

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10. Februar 2016 12:29

company aus dem BE company


„So ziemlich alle Probleme und ­Begehrlichkeiten der Politik scheinen in diesen Tagen zu Problemen der Banken und damit in Folge deren ­Kunden gemacht zu werden.“


Die Ärzte des Mittelalters waren recht raue Gesellen. Krankheiten waren sehr oft mit Geschwüren und platzenden Wunden verbunden. Die Interpretation, dass da etwas raus will war naheliegend und man half den geschundenen Körpern indem man fleißig Adern öffnete und dem was raus will half raus zu kommen. Die geschwächten Körper überlebten diese Tortur zumeist nur zufällig, der Rest war „leider“ schon zu krank gewesen. Brutal und konsequent, aber so war das damals. Damals? Ich denke in etwas abgeleiteter Version passiert dies heutzutage in der Finanzwirtschaft genauso, nur in viel differenzierter Art und Weise.

Ich bin bei Gott kein kritikloser Freund der Banken, aber was sich in den letzten Tagen und Monaten auf dem Rücken dieser Branche abspielte, war schon von beispielloser Oberflächlichkeit. So ziemlich alle Probleme und Begehrlichkeiten der Politik scheinen nämlich in diesen Tagen zu Problemen der Banken und damit in Folge deren Kunden gemacht zu werden. So werden die regulatorischen Erfordernisse bei der Veranlagung des Eigenkapitals immer schwieriger umzusetzen, weil es eben, dank EZB-Käufen, kaum mehr positiv rentierende Staatsanleihen gibt, die noch keiner Unterlegungspflicht unterliegen und die Deponierung von Cash bei der jeweiligen Notenbank mit satten Minuszinsen vergolten wird. Gleichzeitig werden vielerorts rechtliche Auseinandersetzungen angedroht sollten die Banken ihren Kunden diesem Umstand folgend Minuszinsen für deren Veranlagung verrechnen. Wer ist da Opfer, wer Täter? Wir erinnern uns, es gab schon einmal eine Situation in Österreich, in der Minuszinsen instrumentalisiert wurden. Das war in der Zwischenkriegszeit in Wörgl. Als die lokale Wirtschaft beschloss, um der Inflation und Depression zu entgehen, Minuszinsen am Sparbuch einzuführen aber die Investition und Konsumation im Umland begünstigte. Wörgl war die daraufhin mit Abstand prosperierendste Region, bis die Notenbank aus Angst um ihr Monopol diese „Kunstwährung“ verbot. Aber die Situation heute ist absurd anders, denn die Banken kriegen die Minuszinsen verpasst ohne dafür einen Return erwarten zu dürfen. Und auch die Wirtschaft bekommt davon nichts ab, denn von Vergünstigungen oder Konsumerleichterungen keine Spur. Das ist, auf den Punkt gebracht, eine beginnende Enteignung der Banken. Warum sich die Branche das gefallen lässt ist ein weiteres Rätsel, denn genauso wie die Lebensversicherungen (noch?) ruhig sind wenn sie die Kundenprämien mit Negativrenditen veranlagen müssen, so sind die Banken lautlos im Akzeptieren beim langsamen Abschöpfen des Eigenkapitals.

Mittlerweile wird es noch kurioser. Europas Banken werden bereits auch für den schlechteren Zustand der globalen Wirtschaft immer öfter als Argument herangezogen. Zuletzt waren es die an die US-Energieunternehmen vergeben Anleihen und Kredite, die in Richtung Europa thematisiert wurden. In nahezu jeder Business-Talk-Show in USA werden mit sorgenvoller Miene Meinungen über europäische Banken ausgetauscht, absurde Szenarien gewälzt und unserem Kontinent pauschal Lösungskompetenz abgesprochen. Ablenkung in Perfektion. Sogar Kreditausfallsversicherungen, die berühmten CDS (wir kennen sie noch als toxisches Instrument gegenüber Griechenland, Ukraine, Portugal, etc.), auf Banken sind inzwischen enorm gestiegen. Einige Vorwürfe sind vielleicht berechtigt, aber der Umstand, dass Europa für die Übertreibungen im US-Schieferöl verantwortlich sei, ist kompletter Unsinn.

Gut so, dass einige europäische Großbanken bereits deutliche Worte in Richtung der Sicherheit und Qualität ihrer Anleihe-Emissionen gefunden haben. Es sind jene,






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