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Gewaltige Übernahme im Energiesektor und ihre Auswirkungen

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2. Februar 2016 16:59

Vergangenen Mittwoch stimmten die Shell-Aktionäre einer der größten Übernahmen im Energiesektor seit einem Jahrzehnt zu. Die Übernahme des Erdöl- und Erdgaskonzerns BG Group durch Royal Dutch Shell soll am 15. Februar 2016 erfolgen und wird Shell zum größten Flüssiggashändler weltweit machen sowie dem Konzern Zugang zu den bedeutenden Offshore-Ölreserven von BG in Brasilien verschaffen. Der Kauf der BG Group wird Shell ca. 52 Mrd. USD kosten und ist somit die größte Übernahme, welche jemals von Shell getätigt wurde. Angesichts des tiefsten Ölpreises seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist der Zeitpunkt dafür allerdings ausgesprochen schlecht. Dennoch stimmten über 83% der Aktionäre für die Übernahme, wodurch Shell sich bestätigt sah. Der starke Ölpreisverfall seit der Ankündigung der Übernahme im April 2015 sei nur ein weiteres Argument für den Kauf. Shell könne die schweren Marktturbulenzen gemeinsam mit BG besser überstehen. Shell-CEO Ben van Beurden verteidigte sich gegen die Vorwürfe, der Konzern zahle zu viel für BG. Der Cashflow werde sich dank der Übernahme verbessern und es Shell erleichtern, eine höhere Dividende zu zahlen. Zudem steige die Fördermenge von BG und könne damit die fallende Erdöl- und Erdgasförderung von Shell kompensieren.



Übernahme mit hohem Stellenabbau verbunden

Tudor, Pickering, Holt & Co., eine auf Erdöl spezialisierte Investmentbank aus Houston, sah die Übernahme positiv. Shell habe nach dem BG-Kauf größeres Wachstumspotential, werde von Synergieeffekten und Kostensenkungen profitieren, könne die derzeitige Ölpreiskrise besser überstehen und müsse die Dividende nicht kürzen. Asset Manager Old Mutual, Allianz Global Investors, Henderson und Aberdeen Asset Management, der Staatsfonds Qatar Investment Authority und der Versicherungskonzern AXA unterstützten die Übernahme ebenfalls. Allerdings hagelte es auch erhebliche Kritik an dieser „Elefantenhochzeit“. David Cumming, Head of Equities bei Standard Life Investments, erklärte offen, die Strategie sei angesichts des Preisverfalls von Rohöl „sinnlos“. Cumming forderte Shell-CEO van Beurden vergeblich dazu auf, die Konditionen neu zu verhandeln – oder die Übernahme überhaupt ganz abzublasen und lieber eine Vertragsstrafe von 750 Mio. USD in Kauf zu nehmen. Cumming hält den Kauf bei einem Ölpreis von unter 30 USD/Barrel für „wertzerstörend“! Shell gehe von zu optimistischen Annahmen bezüglich der Ölpreisentwicklung aus und unterschätze die Steuer- und Betriebsrisiken der brasilianischen Ölvorkommen von BG. Shell betonte, der wahre Wert der Übernahme werde sich erst im Laufe von Jahrzehnten (!) zeigen. Zunächst sollen jedoch über 10.300 Stellen gestrichen werden.

Keine Rücksichtnahme auf Umwelt und Sozialbedenken
Die Übernahme wurde im Frühjahr 2014 bei einem Ölpreis von über 115 USD/Barrel geplant, doch bereits bei der Ankündigung der Übernahme im April 2015 waren klare Warnzeichen an den Ölmärkten nicht mehr zu übersehen. Shell gibt zwar zu, dass erst ab einem Ölpreis von über 60 USD/Barrel die Gewinnzone erreicht werden könne, dennoch zieht der Konzern die Übernahme halsstarrig bei einem Ölpreis von unter 30 USD/Barrel durch. Viele institutionelle Investoren unterstützten den Kauf, weil sie sowohl Aktien von Shell als auch BG halten. Lediglich 16,72% der Aktionäre hatten den Mut, kritische Fragen zu äußern und mit Nein zu stimmen. Die Übernahme lässt bei kritischen Anlegern nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus ökologischen Gründen die Alarmglocken schrillen, weil Shells Strategie vergangenheits- und nicht zukunftsgerichtet ist. „Follow This“, eine Vereinigung umweltorientierter Shell-Aktionäre, warnt, dass der Konzern die Milliarden für die Übernahme von BG besser in erneuerbare Energien investieren hätte sollen, statt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nochmals zu vertiefen. Der Kauf von BG ist nur ein weiteres Warnbeispiel, dass viele Fondsgesellschaften die Interessen ihrer Anleger und Umwelt- und Sozialbedenken nicht mit dem nötigen Nachdruck vertreten, sondern für erhoffte Synergieeffekte stimmen, welche sich aber nach der Übernahme wie eine Fata Morgana in Luft auflösen.

Konsequenz für nachhaltig orientierte Investoren
Anleger und Berater, welche nach dem Weltklimagipfel mit dem Kampf gegen den Klimawandel ernst machen wollen, sollten deshalb ihre Depots durchforsten, welche Fonds oder Aktien in fossile Brennstoffe und Industriekonzerne mit hohen Treibhausgasemissionen investieren. Unsere Fondssuchmaschine EDA Let’s go! ermöglicht das bequeme Finden und gleichzeitig die Suche nach Alternativen, welche besser in den Performancechancen, im Risiko und Inhalt sind. Mit Hilfe des FER Fonds Ratings sind es wenige Klicks, einen passenden Fonds zu finden, bei welchem nicht nur Rendite und Risiko stimmen, sondern auch die Nachhaltigkeit nicht Opfer einer nicht mehr zeitgemäßen Übernahme wird. Das innovative Global Finance Service bietet Beratern und institutionellen Investoren ein Komplettpaket für Finanzdatenservice und Impact-Investment-Analysen (Ländern, Banken, Unternehmen).
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