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China hält die Börsen in Atem – Gratwanderung in der Geldpolitik

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13. Januar 2016 11:45



Nach einem schwierigen Anpassungsprozess sollte sich die Lage wieder entspannen


Der Jahresstart hat gezeigt, dass die Entwicklung in China an Bedeutung für die weltweiten Kapitalmärkte extrem zugenommen hat. Dabei verunsicherten wohl auch die Handelsaussetzungen an den chinesischen Börsen, vor allem aber etabliert sich jetzt eine gewisse Korrelation der Märkte zur Entwicklung des Yuan. Eine schwächere chinesische Währung zieht die weltweiten Börsen nach unten, während eine Stabilisierung wieder für Entspannung an den Märkten sorgt. Nachdem China den Meilenstein geschafft hat, den Yuan in den Bund der Reservewährungen zu heben, wechseln nun die chinesischen Paradigmen. Mögliche Nachteile in der Wettbewerbsfähigkeit durch einen zu starken Yuan erlangen mehr Gewicht, gleichzeitig soll der Yuan mehr Eigenständigkeit entwickeln und die Bindung an den US-Dollar nach und nach fallen. 

Chinas Exporteure brauchen einen schwachen Yuan
Die Zahlen aus der chinesischen Industrie, verdeutlicht durch Export-Daten, Industriegewinne und Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes zeigen die Schwierigkeiten, mit denen chinesische Unternehmen aktuell zu kämpfen haben. Die Regierung will den Firmen auf den Weltmärkten unter die Arme greifen, da allein der Binnenmarkt und die Dienstleistungsindustrie noch nicht ausreichen, um den notwendigen Stellenaufbau für die innere Ruhe zu gewährleisten. Nicht unverständlich also, dass China dem Yuan eine Abwertung zugestand, nachdem er in den Club der Reservewährungen aufgenommen wurde. Vermutlich spekuliert man nun darauf, dass durch die Aufnahme in den elitären Club Nachfrage entsteht, die die Währung irgendwann von selbst stabilisiert und das Land so seine Währungsreserven etwas schonen kann. Gleichzeitig soll den chinesischen Exporteuren etwas Luft verschafft werden. 

Kehrseite der Medaille ist die Kapitalflucht
Ein immer schwächer werdender Yuan drückt auf der anderen Seite auf den Außenwert der Yuan-Investments der chinesischen Anleger, die in der Folge dazu übergehen, ihr Kapital ins Ausland umzuschichten. Möglicherweise erklärt gerade dieser Aspekt die Geschwindigkeit der jüngsten Abwertung im Yuan. Denn bei einer graduellen, langsamen Abschwächung des Yuan hätten die chinesischen Anleger einen Anreiz, diese vorwegzunehmen und ihr Geld im Ausland zu investieren, bis die Überbewertung abgebaut wurde. Wird diese allerdings schnell abgebaut und China kommuniziert einigermaßen klar, dass es das war, dann könnten die ins Ausland gebrachten Vermögen schnell wieder ihren Weg zurückfinden.

Gehversuche in der chinesischen Geldpolitik wirken noch unbeholfen
Aktuell findet die Suche nach dem Boden im Yuan statt, wobei China selbst sich in neues Terrain vorwagt. Sowohl Regierung als auch Zentralbank müssen hier Erfahrungen sammeln, die derzeitigen Gehversuche wirken noch unbeholfen. Da ist die Aufhebung der gerade erst eingeführten Handelsunterbrechungen zu nennen, aber auch die schnelle Abwertung des Yuan zum Jahreswechsel, mit anschließender verbaler Stützung der Währung durch die Dämpfung von Spekulationen auf weitere Zinssenkungen. 

Stabilisierung des Yuan gegen einen Währungskorb
Vermutlich mit einer gehörigen Portion Neid blickt China auf den Euro, der gegen den US-Dollar nah an die Parität gefallen ist, verglichen mit einem Hoch um 1,40 US-Dollar noch 2014. Diese Euro-Schwäche ist ein wichtiger Pfeiler der konjunkturellen Erholung in der Eurozone. Um der eigenen Exportindustrie ebenfalls zu diesem Vorteil zu gereichen, muss China das Band des Yuan mit dem US-Dollar aufknoten. Anfang der Woche wiederholte die Notenbank, dass sie den Fokus zukünftig auf eine Stabilisierung des Yuan gegen einen Währungskorb legen werde, während die Volatilität gegen den US-Dollar in beide Richtungen zunehmen werde. Das sagt eigentlich auch schon alles: Um allzu starken Spekulationen im Yuan entgegenzutreten, dürfte China es sich nicht nehmen lassen, Spekulanten immer wieder mit massiveren Interventionen zu verunsichern. Andererseits soll eine Stabilität im Währungskorb den anderen Handelspartnern eine Richtung vermitteln. 

Vertrauen in die chinesische Wirtschaft muss hergestellt werden
Dass die chinesische Zentralbank, anders als es die EZB handhabt, nicht mit massiven Stimuli winkt, soll vermutlich die Zinspolitik von der Yuan-Politik entkoppeln. So will sie verhindern, dass Zinssenkungen, die für die heimische Wirtschaft notwendig erscheinen, nicht direkt auf dem Yuan lasten und damit die Kapitalflucht beschleunigen. Es soll Vertrauen in die eigene Konjunktur hergestellt und so ein sich selbst tragender Mechanismus geschaffen werden: Eine Abwertung des Yuan gegen den Dollar, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas wieder herzustellen, bei gleichzeitiger Motivation, das Investment-Interesse in China aufrecht zu erhalten oder sogar zu schüren. 

Gesunde Anpassungen finden derzeit statt
Was bedeutet diese neue Blaupause aber für die Märkte? Wir befinden uns am Anfang eines neuen Yuan-Handlings durch die chinesische Zentralbank. Die Unsicherheit über den weiteren Fortgang führt aktuell zu Turbulenzen. Das wird sich legen. Kann China seine Wettbewerbsfähigkeit mit einem verbilligten Yuan steigern und zeigt sich dies auch in verbesserten Konjunkturdaten, dürfte dies dem Gesamtmarkt zugute kommen. Nicht vergessen sollte man bei dieser Aussicht die guten Geschäfte, die gerade deutsche Unternehmen in China machen. Die Übergangsphase zu einem angemessenen Yuan-Kurs dürfte weiter für Volatilität sorgen und Thema bleiben. Je weiter die Abwertung allerdings voranschreitet, desto höher ist die Chance, dass China wieder an Anlageattraktivität gewinnt und auch die eigene Industrie wieder bessere Zahlen vorlegen kann. Gut vorstellbar ist, dass China Phasen, in denen die Märkte wieder optimistischer eingestellt sind, nutzt, um kurze Yuan-Abwertungsstöße zu platzieren, um dann die Währung wieder zu stabilisieren, bis sich die Wogen geglättet haben.






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