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Es ist besser ungefähr Recht zu haben, als sich tödlich zu irren

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4. Januar 2016 12:33

aus dem BE


„‘Bad news are good news.’ Dies war über längere Perioden das Credo der Finanzmärkte. ... Diese Logik zählt in dieser Einfachheit nicht mehr.“


Jahreswechsel ist stets Prognosezeit. Ausblicke machen nahezu alle, selbstkritische Reflexion des vor einem Jahr Erwarteten machen oft nur wenige. In der Geldanlage sollte man sich grundsätzlich nicht der Illusion von Punktlandungen hingeben. Auch ist eine 12-Monatsperiode nicht der nötige Horizont, um Investments am Finanzmarkt zu tätigen. Vielmehr geht es darum die Leitplanken abzustecken. Wie nahezu jedes Jahr erlauben wir uns ­Warren Buffett zu zitieren: „Es ist besser ungefähr Recht zu haben, als sich tödlich zu irren.“ Wichtig ist dabei, die Funktionsweise der Finanzmärkte nicht aus den Augen zu verlieren. Gehandelt werden nicht die Fakten der Gegenwart, gehandelt werden nicht die Schlagzeilen der heutigen Nachrichtensendung. Dies alles ist längst in den Kursen von heute inkludiert und bringt Ihnen in der Prognose keinen Mehrwert mehr. Die Börse handelt nur Erwartungen. Sinn von Börsenprognosen ist daher nur, sich zu überlegen, ob die aktuell gehandelten Erwartungen realistisch sind und auch den eigenen Erwartungen entsprechen.

2016 – Weltkonjunktur? Rohstoffe? Kaum ein Geldanleger verfügt über genügend zeitliche Ressourcen, um sich jedem Detailsegment der Märkte zu widmen. Der Blick fürs Wesentliche ist daher entscheidend. Diskussionen, ob ein Aktienmarkt mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von 15 teuer ist oder erst mit 18, haben nur philosophischen Charakter. Eben weil beim „G“ in der KGV-Formel – beim Gewinn – nicht das Niveau der letzten Jahresbilanz wichtig ist, sondern die gehandelte Erwartung für die Zukunft. Konzentrieren Sie sich 2016 auf zwei Themen: Die Weltkonjunktur und die Rohstoffe!

1. Die Weltkonjunktur. Optimismus ist gerade zum Jahreswechsel eine lobenswerte Eigenschaft, in der Geldanlage ist aber Realismus der einzige richtige Ratgeber. Die Gelassenheit und der Optimismus vieler Ökonomen – auch der heimischen – ist beachtlich. Wir sehen trotz Nullzinsumfeld und Geldmengenausweitung keine Dynamik in der Wirtschaft. Der Verfall der Rohstoffpreise ist kein guter Indikator, die Emerging-Markets sind mehrheitlich mit eigenen Problemen beschäftigt. Viele weltpolitische Themen, die uns 2015 beschäftigt haben, sind weiterhin ungelöst. Ob die eher optimistischen Konsensprognosen daher 2016 eintreffen, ist aus unserer Sicht eher zweifelhaft.

Warum ist dies so wichtig? Haben Sie an dieser Stelle nicht oft gelesen, dass die Notenbanken alle Fundamentaldaten überstrahlen? Wir haben in den vergangenen Wochen wohl eine bedeutende Wahrnehmungsveränderung gesehen, die viele noch unterschätzen. „Bad news are good news.“ Dies war über längere Perioden das Credo der Finanzmärkte: Je schlechter die Wirtschaftszahlen desto mehr Geld werden die Notenbanken drucken, was wiederum die Aktienmärkte treibt. Diese Logik zählt in dieser Einfachheit nicht mehr. Die vergangenen Aktionen von EZB-Chef Draghi haben nur mehr für kurze Impulse gereicht, nach nur wenigen Tagen war der Effekt verpufft. Wir werden daher Unterstützung von der Konjunktur und auch von der Gewinnfront der Unternehmen brauchen.

2. Die Rohstoffe. Der Ölpreis und das gesamte Rohstoff-Segment haben sich in den vergangenen 18 Monaten im Preis mehr als halbiert. Wäre die These, wonach dies die Konjunktur massiv stützt, jemals richtig gewesen, dann hätten wir einen globalen Konjunkturboom sehen müssen, der seinesgleichen sucht. Wir haben dieser These immer widersprochen – und tun es immer noch. Finanzmärkte werden bildlich oft als mehrere Rädchen dargestellt, wobei ein Rädchen ins andere greift. Dennoch ist es wichtig zu erkennen, welches Rädchen aktiv dreht und welches passiv gedreht wird. Rohstoffe prägen einzelne Länder, klarerweise einzelne Branchen, aber auch Zins- und Inflationserwartungen.

Wann und wo der Boden erreicht wird, ist seriös nicht zu beantworten. Der Pessimismus scheint aber schon weit fortgeschritten. Im Mai 2008 hatte die Investmentbank Goldman Sachs mit der Prognose „Ölpreis auf 200 Dollar“ für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Im Dezember 2015 ging die Goldman Sachs-Prognose „Ölpreis auf 20 Dollar“ um die Welt. Ein weiterer Kommentar ist wohl überflüssig.

Die Rohstoffpreise werden 2016 die Richtung der Finanzmärkte deutlich beeinflussen. Ein weiterer Verfall würde wohl den einen oder anderen renommierten Produzenten in den Konkurs treiben und den schon vorhandenen Stress bei vielen High-Yield-Anleihen weiter verstärken. Das Inflationsziel der EZB würde in weite Ferne rücken. Sollte EZB-Chef Draghi mit einer weiteren Ausweitung der Anleihekaufprogramme antworten, würde dies zu einer intensiven und auch kritischen Diskussion führen. Es gibt bis dato keinen stimmigen Beweis, dass die Anleihekaufprogramme die herbeigesehnte Inflation bringen.

Im Gegenzug würde schon eine Stabilisierung der Rohstoffpreise reichen, um im Zeitablauf alleine aufgrund der Basiseffekte wieder höhere Inflationsraten zu bringen. Vielleicht sollten wir alle – und auch die EZB – einfach ein wenig mehr Geduld mitbringen. Rohstoffe werden aber in jedem Fall ein aktives Rad sein, das andere Räder bewegt. Haben Sie ein Auge darauf!

Ruhige Hand – und viel Flexibilität. Die Bewertung der Tagesaktualitäten wird auch 2016 kein guter Ratgeber sein – eine ruhige Hand ist nötig. Strategisch bringt das neue Jahr – auch wenn wir vorerst eher vorsichtig sind – keine wirklich neuen Erkenntnisse. Anleihen können Grundstock einer Strategie sein, aber nicht die alleinige Basis. Unternehmensanleihen bleiben bevorzugt – aber die Liquidität wird ein neuer wichtiger Bewertungsfaktor. Aktien sind strategisch unersetzbar – alleine schon wegen der im Vergleich zum Zins attraktiven Dividendenrendite. Aktives Management – vor allem auch auf Ebene der Quote – wird aber nötig sein. Da Aktien seit 2009 im Aufwärtstrend sind, wird vielerorts wieder Buy-and-Hold ausgerufen. Wir teilen dies nicht. Und gerade weil Gold und Rohstoffen mittlerweile von vielen Seiten der Diversifikationseffekt im Depot abgesprochen wird, sollten sie diese nicht aus den Augen verlieren – auch wenn vorerst noch keine wesentliche Gewichtung empfehlenswert ist.

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