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Verfolgt uns das Zinsgespenst auch im neuen Jahr?

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4. Januar 2016 07:10



Wer hätte das gedacht? Nach dem glatten Ritt durch den November gab es im Dezember doch noch einige Überraschungen in Form einer Portion extra Volatilität. Im Einzelnen fiel die Dezember Performance an den großen Börsen im Dezember wie folgt aus: S&P 500 -1,8%, DAX -5,6%; Eurostoxx50 -6,8%, FTSE 100 -1,8%, Nikkei -2,3%, MSCI World (EUR) -4,3%. Unser globaler Aktienfond OMIKRON 7 hielt sich mit einer Monatsperformance von -3,5% im Mittelfeld.


Das gerade abgelaufene Jahr war in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Börsenjahr. Im Frühjahr stürmten die europäischen Märkte los als gäbe es kein morgen. Und so waren sie für den Rest des Jahres tendenziell auf Rückzug – auf Euphorie folgte Enttäuschung. In den USA gingen es die Börsen das ganze Jahr über eher gemütlicher an. Am Ende hatte die Jahresperformance im Vergleich zu den europäischen Märkten nur noch knapp die Nase vorn.

In Wahrheit konnten Aktieninvestoren über die Verschiebung der Währungsparitäten ein Mehrfaches von dem gewinnen oder verlieren was die Aktienmärkte als Kurserfolg hergaben. Na ja, es gibt eben auch solche Jahre.

Suchen wir nach Gründen für die im Dezember unüblich schwache Performance an den Aktienmärkten, so ist immer wieder vom schwachen Ölpreis die Rede. Zugegeben, wohl kaum einer hätte sich noch vor wenigen Wochen gedacht, dass der Ölpreis unter USD 35 pro Fass fallen könnte. Aber die Börsen bestehen ja nicht nur aus Ölaktien. Die erwartete Zinserhöhung der US Notenbank kann es auch nicht gewesen sein, denn – wie gesagt – sie war ohnedies mit überwiegender Mehrheit vom Markt erwartet worden.

Was war das Unerwartete?

Was also war das nicht Vorhersehbare, das für die schwache Performance verantwortlich ist? Meiner Meinung nach gab es nichts wirklich Unerwartetes. Allerdings macht sich der Effekt der kollektiven Geldveranlagung mittels ETFs immer unangenehmer bemerkbar. Am Beispiel der dividendenstarken Aktien konnten wir letzten Monat recht schön jenen Effekt ablesen, auf den ich im letzten Marktkommentar schon hingewiesen hatte.

Wer Dividendenrendite mittels ETFs einkauft, der bekommt damit eine Menge Energiewerte ins Depot, aber bei weitem natürlich nicht nur diese. Leider kann der Anleger, der in Anbetracht des sinkenden Ölpreises keine Rohölwerte im Depot haben will, diese nicht isoliert verkaufen, sondern muss den ETF – der auch durchaus haltenswerte Dividendenwerte beinhaltet – als Ganzes verkaufen. Damit leiden auch gute Werte in ihrer Performance.

Diese Entwicklung läuft den ursprünglichen Gedanken des Investierens in Aktien zuwider. Es wäre einmal ein Betätigungsfeld für Aufsichtsbehörden in diesem Dschungel Ordnung zu schaffen. Denn derzeit können ETFs in unlimitierter Menge neu aufgelegt werden – egal ob der Markt das Volumen an schwachen Tagen dann auch handeln kann oder nicht.

Gute Qualität setzt sich durch

Trotzdem: Wer auf gute Qualität zu vernünftigen Preisen setzt, wird keinen nachhaltigen Schaden erleiden können, da sich Qualität mittelfristig immer durchsetzen wird. Derzeit ist weltweit ein starker Trend zu Qualitätsaktien bemerkbar. Dieser Trend lässt sich nicht über ETFs abbilden, weil diese Instrumente in aller Regel eine Art von Index abbilden. Und über Indices lassen sich aber nun einmal keine Stock Picks darstellen.

Ja, dann war noch die Zinserhöhung im Dezember, die wahrlich kein Aufreger war. Aber wie geht es jetzt weiter? Die Frage ist, wie oft die US Notenbank im neuen Jahr die Zinsen erhöhen wird.

Sehen wir uns die Ausgangslage an

Das Sitzungsprotokoll ist interessanter als die Entscheidung die Zinsen um 0,25% anzuheben. Speziell die Passage, in der die Fed davon spricht, dass „wir (die Fed) eine Wirtschaftsentwicklung erwarten, die nur eine graduelle Zinsanpassung zulassen wird“. Diese Aussage bedeutet nichts anderes, als dass die Notenbank Zinserhöhungen im Gleichklang mit der Inflation vornehmen wird.

Dies ist deshalb wichtig, weil die Notenbank derzeit für 2016 eine Inflation von 1,6% erwartet. Also könnte es zu weiteren Zinserhöhungen kommen – würde man nicht die überraschende Tatsache berücksichtigen, dass die Inflationsaussichten der US Notenbank unrealistisch hoch erscheinen.

Im November fielen die Energiepreise um 1,3%, die Lebensmittelpreise um 0,1%. Die Ausgaben der Konsumenten stiegen in den letzten 12 Monaten um nur 0,2%. Wo bitte schön soll da die Inflation herkommen?

In Wahrheit lagen die Inflationsschätzungen der Fed in den letzten Monaten ohnedies schon ziemlich daneben. Fakt ist, dass der starke US Dollar auf die Rohstoffpreise drückt – diese Tatsache wird in den Aussagen der Fed nicht einmal erwähnt. Erwähnt wird allerdings das schwache Wachstum der europäischen Volkswirtschaften was den Handelsspielraum der Fed schon einmal prinzipiell einengt.

Die Tatsache, dass die europäische Notenbank die Zinsen unlängst weiter gesenkt hat, führt zwangsläufig dazu, dass europäisches Geld im festverzinslichen Bereich nach wie vor vermehrt in die USA strömt. Jede weitere Zinserhöhung durch die Fed würde den Deflationsdruck in den USA weiter erhöhen und zu weiteren Ungleichgewichten an den internationalen Finanzmärkten führen. Die US Exportwirtschaft müsste weitere Rückschläge hinnehmen, weil der Aufwertung des US Dollars weiter anhalten würde.

Meiner Meinung nach wird es maximal noch zu einer weiteren Zinserhöhung der Fed im Jahr 2016 kommen. Derzeit ist die Zinspolitik der Notenbank immer noch sehr locker und somit wachstumsfördernd. Das wiederum sind gute Nachrichten für den Immobilienmarkt und letztendlich auch für den US Konsumenten, da die Rohstoffpreise auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden.

Ich erwarte also keine plötzlichen Veränderungen in der Wirtschaftslage den USA und somit letztendlich auch in der weltweiten Wirtschaftslage. So wie die Lage momentan aussieht, liegt die Lösung des Problems in einem schwächeren US Dollar. Dazu ist es aber noch zu früh, da die europäische Wirtschaft noch zu wenig Anzeichen einer Erholung zeigt. Dies könnte sich mit Beginn des 2. Quartals nachhaltig ändern.

Bis es soweit ist, werden wir im Wesentlichen den Seitwärtsmarkt des Jahres 2015 noch ein wenig prolongieren. Springt der Markt erst einmal an, wird dies jedoch sehr schnell passieren – wie uns die jüngste Vergangenheit immer wieder gezeigt hat.

Aufgrund der Schnelligkeit der entscheidenden Marktbewegungen ist Market Timing derzeit noch schwieriger als es ohnehin immer schon war. Deshalb ist es wohl besser noch ein wenig auf guten, handverlesenen Werten zu sitzen und mit Geduld zu warten, als dem Zug nachzublicken, der bereits den Bahnhof verlassen hat.

Executive Summary

@ 2016 wird es wegen des deflationären Druckes in den USA vermutlich nur noch maximal eine Zinserhöhung geben.

@ die Aktienmärkte werden wahrscheinlich langsam in das Jahr 2016 starten, aber dann ab dem 2. Quartal Fahrt aufnehmen. Ein deutliches Anspringen des europäischen Wirtschaftswachstums könnte hier die Initialzündung geben.

@ Wenn die europäische Wirtschaft wieder auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrt, wird sich vermutlich auch der Euro wieder stärker gegenüber dem US Dollar entwickeln und eine Wende bei den Rohstoffpreisen einleiten.

Den gesamten SCA Marktkommentar Dezember 2015 finden Sie wie gewohnt auf unserer Internetseite.

Dr. Wolfgang Schiketanz







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