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23. November 2015 11:00

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Noch viel Luft sollten die heimischen Immobilienaktien haben


Die tragischen Ereignisse des vorletzten Wochenendes und die Vorfälle der vergangenen Woche haben sich tief in unser aller Gedächtnis gebrannt. Europa ist in Schock und weltweit erstrahlen die Wahrzeichen in den französischen Landesfarben als Zeichen der Solidarität. Über die Konsequenzen für unser Leben und die politische Landschaft wurde an anderer Stelle schon ausreichend diskutiert, aus Sicht der Kapitalmärkte muss man jedoch trotz all des Leids, das diese Ereignisse gebracht haben, sagen: die Auswirkungen waren relativ verhalten.

Die abgelaufene Börsenwoche verlief durchaus freundlich, der DAX konnte um 2,8 % zulegen, sogar der Hotel- und Reisesektor konnte im Plus schließen. In Österreich war die Stimmung noch eine Spur besser, +4,2 % stehen zu Buche. Gut entwickeln konnten sich unter anderem die „Russlandaktien“ RBI und Immofinanz, nachdem auch der russische Markt im Wochenverlauf aufgrund der zunehmenden Annäherung des Westens an Russland (immerhin hat man ja jetzt einen gemeinsamen Feind) deutlich zulegen konnte. Der Gewinner unter den „großen“ Unternehmen heißt jedoch Wienerberger, +13,9 % lautet das Plus im Wochenverlauf. Nicht, dass wir nicht bereits letzte Woche angemerkt hätten, dass der Verfall nach den Quartalszahlen wohl übertrieben war…

Bei den „Nebenwerten“ konnte einer diese Woche jedoch Wienerberger schlagen: Semperit legte nach überraschend guten Quartalszahlen um über 14,8 % zu. Nachdem das Unternehmen bei der letzten Quartalsveröffentlichung noch relativ vorsichtig war, dürfte sich die Situation wieder etwas aufgehellt haben, auch wenn noch viele juristische Fragezeichen bleiben (u.a. Streitigkeiten mit einem wichtigen JV-Partner).

Gut laufen dürfte es auch beim Mautsystemanbieter Kapsch TraficCom, immerhin wurden erstmals seit Jahren wieder größere Neuaufträge verzeichnet. Bedingt durch die starke Projektabhängigkeit war das Geschäft in den letzten Jahren eher von Enttäuschungen und Sparprogrammen gekennzeichnet. Aufgrund von neuen Tendern in Slowenien, Österreich, Singapur etc. könnte die Saure-Gurken-Zeit jedoch bald vorbei sein. Für die Aktie ist sie das schon längst, mit einem Plus seit Jahresbeginn von über 90 % steht das Unternehmen an der Spitze des heimischen Kurszettels.

Besser als in den letzten Jahren läuft es auch bei Lenzing. Der Faserhersteller stellte diese Woche im Rahmen eines Capital Markets Days seine neue Strategie „sCore TEN“ vor. Man will weg von der „Volumensstrategie“ der letzten Jahre, der Anteil an Spezialfasern soll auf über 50 % erhöht werden. Das sollte ein EBITDA Wachstum von 10 % p.a. bringen, dürfte jedoch auch massive Investitionen notwendig machen. Dementsprechend waren die Meinungen geteilt: Während die Analysten von eher konservativen Zielen sprachen, glaubten die Investoren tendenziell, dass diese zu ambitioniert sein könnten. Unsere Meinung dazu sowie eine genauere Beschreibung der Strategie finden Sie in unserem Unternehmensupdate zu diesem Thema, das ebenfalls diese Woche versandt wurde und über unsere Homepage abgerufen werden kann (ein bisschen Eigenwerbung muss auch sein).

Abseits des heimischen Marktes konzentriert sich derzeit alles auf die Notenbanken, wie sooft nachdem die Berichtsaison dem Ende zugeht und die Unternehmensmeldungen rarer werden. Während die EZB und allen voran Präsident Draghi die Märkte auf weitere Maßnahmen im Dezember (nochmalige Leitzinssenkung, Ausweitung des QE,…) vorzubereiten versucht, arbeiten die Mitglieder der US-Notenbank in die andere Richtung. Dementsprechend wird die eigentliche Entscheidung der Fed im Dezember wohl immer klarer. Spannend wird es jedoch bei der Auswirkung auf die Märkte: Normalerweise sollte man denken, dass diese Zinsschritte bereits eingepreist sind, immerhin wurden sie sowohl von der Fed, als auch von der EZB ausführlich kommuniziert.

Auf der Währungsseite dürfte das auch (zumindest teilweise) schon der Fall sein, der EURUSD-Wechselkurs sank allein im letzten Monat um fast 6 % und nähert sich wieder der 1,05-Marke an, die im Frühjahr als magische Grenze galt. Auch auf der Zinsseite gab es schon deutliche Bewegungen: der 6-Monats-EURIBOR (der Zinssatz für Ausleihungen zwischen europäischen Banken mit 6 Monaten Laufzeit), der als Grundlage für viele Kredite sowie zahlreiche Absicherungsgeschäfte dient, unterschritt letzte Woche zum ersten Mal die Nulllinie und tendiert derzeit weiter nach unten.

Und die Aktienmärkte? Nun ja, der amerikanische S&P 500 ist seit Jahresbeginn gerademal 1% im Plus, während beim DAX doch immerhin über 13% Zugewinn zu Buche stehen. Umso spannender wird die Marktreaktion auf die entsprechenden finalen Ankündigungen: Geht es munter weiter mit der europäischen Outperformance oder ist erstmal die Luft draußen?

Hoffentlich noch viel Luft sollten die heimischen Immobilienaktien haben, immerhin erwarten wir nächste Woche die Zahlen von CA Immo, conwert und S Immo. Weniger prickelnd dürften die Ergebnisse des Ölfeldausrüsters SBO werden, die Ankündigungen von Kunden und Lieferanten der Firma lassen vorab einige dunkle Wolken aufziehen. Egal, was die Zukunft auch bringt, wir werden weiterhin die Suche nach den besten Firmen im Sektor fortsetzen, nach den unterbewerteten Rohdiamanten und den spannenden Stories, die allzu gerne übersehen werden. Ganz nach dem Motto: Es muss weiter gehen!

Aktuelle Investmentstrategie: Weiterhin sind wir aus Bewertungsgründen in Aktien gegenüber Anleihen stärker gewichtet. Equityseitig bevorzugen wir – verglichen mit dem MSCI World – Europa gegenüber Nordamerika. Japan erscheint uns nach wie vor spannend, in den Schwellenländern sind wir nur punktuell investiert. Auf der Bondseitig präferieren wir flexible „Go anywhere“-Produkte, die dynamisch auf verschiedenste Marktgegebenheiten reagieren können, sowie Wandelanleihen, die auch von einem positiven Aktienumfeld profitieren können. Klassische Staatsanleihen von Industrienationen gefallen uns hingegen weniger, hier erachten wir das Chancen/Risikoprofil weiterhin für nur bedingt attraktiv.






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