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Von Wetterfröschen und anderen Seltsamkeiten

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16. November 2015 10:29

company aus dem BE company

Die abgelaufene Woche brachte, wie üblich in der Berichtsaison, viel Bewegung in Einzelaktien, aber auch einige Kuriositäten wurden zu Tage gefördert. Für gewöhnlich folgt der Veröffentlichung der Quartalszahlen ein Conference Call, in dem sich das Management nach einer (zumindest meistens) kurzen Präsentation den Fragen der Analysten stellt. Während die meisten Kollegen hier Unklarheiten bei Bilanzpositionen, den Ausblick für wichtige Geschäftsbereiche etc. herausfinden wollen, gibt es doch so manche die nach Höherem streben. So z.B. in jener Konversation, die im Wienerberger Conference Call so ähnlich passierte:

- Analyst: Können Sie schon sagen, wie das vierte Quartal wird?

- CEO Scheuch: Das kommt auf das Wetter an.

- Analyst: Und wie schätzen Sie das ein?

- CEO Scheuch: Morgen wird’s schön.

Leider war das auch schon das Highlight des Conference Calls. Die eigentlichen Zahlen lagen dann doch deutlich unter den Erwartungen, ein weiteres „Kostenoptimierungsprogramm“ steht an. Im Ziegelbereich hielten sich gute Märkte (Osteuropa, UK, Niederlande) und schlechte Märkte (DACH-Region, Frankreich) in etwa die Waage. Im Rohrbereich, der stark von öffentlichen Aufträgen abhängig ist, schwächelten vor allem Griechenland, Russland („na no na ned“ um den jüngsten Blaulichtfunkprozess zu zitieren) und auch Österreich, wobei letzteres wieder einige (nicht ganz ungerechtfertigte) Spitzen gegen die heimische Politik auslöste. Querschüsse gab es dann im Tagesverlauf auch von Investorenseite, nach einem starken Verfall gegen Ende des Tages verlor die Aktie über 11 Prozent!

Lustiger ging es da schon beim RBI Conference Call zu. Immerhin lagen die Zahlen auf den ersten Blick über den Erwartungen, woraufhin die Aktie erstmal zulegte. Teilweise verhagelte dann jedoch der Ausblick für stark steigende Risikokosten das gute Bild, wenngleich CEO Sevelda mit seinem Versuch, die RBI-Eigentümerstruktur ohne visuelle Hilfen zu erklären (ein auswegloses Unterfangen, aufgrund von Verschachtelungen, gegenseitigen Beteiligungen und Tochterfirmenkonstrukten), für Erheiterung sorgte. Insgesamt war die Aktie in einer eher schwachen Woche dennoch unter den wenigen Gewinnern.

Weniger gut lief es für die voestalpine, die gleichsam der Wienerberger ihre Prognose kappen musste. Bisher war man noch recht optimistisch, dass der Linzer Konzern durch seine Nischenstrategie recht gut vor dem Stahlpreisverfall geschützt sei. Bei den jüngsten Preisverhandlungen dürfte sich diese Hoffnung jedoch als etwas zu optimistisch herausgestellt haben, wodurch vor allem im nächsten Jahr die Margen unter Druck kommen könnten. Die Aktie gab daraufhin im Wochenverlauf um über 10 % nach und befindet sich damit wieder in der Nähe der Jahrestiefststände. Dabei läuft es in den meisten Bereichen eigentlich relativ gut: Bei Autos und Flugzeugen ist von einer Krise nichts zu spüren und im Schienenbereich dürfe sogar ein neues Rekordjahr erzielt werden. Von den wichtigen Industrien schwächelte nur Öl & Gas, kein sonderlich gutes Zeichen im Vorfeld der SBO-Quartalszahlen in 2 Wochen…

Weit weniger wild ging es bei den beiden heimischen „Sparbuchaktien“ zu: Sowohl Mayr-Melnhof als auch die Post legten wie üblich Zahlen vor, die im Rahmen der Erwartungen lagen. Gerade bei der Post war die Einschätzung als sicherer Hafen in den letzten Monaten in Gefahr, immerhin betritt mit der Deutschen Post (die übrigens recht schlechte Ergebnisse veröffentlichte!) ein Gigant den heimischen Markt. Dementsprechend war man im Conference Call bemüht, die Ängste der Investoren zu kalmieren und auf Zugewinne durch Gesetzesänderungen (es gibt jetzt auch offiziell den langsamen Brief!) zu verweisen. Nimmt man die Reaktion der Investoren als Gradmesser dürfte dies auch recht gut gelungen sein…

Abseits der Unternehmensmeldungen dominierten wieder Ängste über eine Zinserhöhung der Fed im Dezember das Geschehen, während die EZB um Präsident Draghi den Markt auf einen Zinsschritt in die andere Richtung vorbereitete. Auch die Rohstoffmärkte kamen im Wochenverlauf immer wieder in den Fokus: Der Ölpreis gab um über 6 Prozent nach und auch die Tatsache, dass einige Stahlwerte wenig erquickende Quartalszahlen vorlegten, lastete auf der Rohstoffbranche.

Diese Makrothemen könnten am heimischen Markt auch diese Woche bestimmen, von Unternehmensseite stehen hauptsächlich Berichte von Firmen aus der zweiten Reihe an wie Rosenbauer und Do&Co (die beide jedoch eine deutlich bessere Performance aufweisen können, als so mancher großer ATX-Titel). Spannend dürfte auch der Capital Markets Day von Lenzing werden, immerhin schlug das Unternehmen im Rahmen der Q3-Zahlen diese Woche einen doch eher vorsichtigen Ton an. Pausen wie nächste Woche sind jedoch sehr willkommen. Immerhin geben sie Zeit, nochmal die jüngsten Veröffentlichungen zu verdauen, Quervergleiche herzustellen und sich die Frage zu stellen, ob diese massiven Schwankungen in den Kursen wirklich gerechtfertigt sind, oder ob da bei dem einen oder anderen Investor nicht doch eine übertriebene Emotion eine Rolle gespielt hat…

Aktuelle Investmentstrategie

Weiterhin sind wir aus Bewertungsgründen in Aktien gegenüber Anleihen stärker gewichtet. Equityseitig bevorzugen wir – verglichen mit dem MSCI World – Europa gegenüber Nordamerika. Japan erscheint uns nach wie vor spannend, in den Schwellenländern sind wir nur punktuell investiert. Auf der Bondseitig präferieren wir flexible „Go anywhere“-Produkte, die dynamisch auf verschiedenste Marktgegebenheiten reagieren können, sowie Wandelanleihen, die auch von einem positiven Aktienumfeld profitieren können. Klassische Staatsanleihen von Industrienationen gefallen uns hingegen weniger, hier erachten wir das Chancen/Risikoprofil weiterhin für nur bedingt attraktiv.






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