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Gazprom: Wie riskant ist die Aktie wirklich?

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5. Januar 2015 09:29

Die Aktie des russischen Erdgas-Riesen Gazprom war schon früher nicht sonderlich teuer. Das konnte den Titel aber nicht davor bewahren, 2014 nochmals um fast 40 % einzubrechen. Über die Gründe für diesen Kursverfall ist viel geschrieben worden, und natürlich ist die Vorsicht der Anleger in Teilen berechtigt. Ich denke aber, dass die Aktie inzwischen so günstig bewertet ist, dass die Chancen jetzt die Risiken überwiegen.

Ukraine-Krise und Ölpreisverfall

2014 war bekanntlich das Jahr, in dem sich Russland in einen scharfen Gegensatz zur westlichen Welt gebracht hat. Putins Annexion der Krim und sein militärisches Eingreifen in der Ukraine wurde vom Westen mit Sanktionen beantwortet, und die plötzliche diplomatische Eiszeit führte außerdem dazu, dass sowohl der russische Aktienmarkt als auch der Rubel massiv auf Talfahrt gingen. Die Gazprom-Aktie kam dabei nicht ungeschoren davon. Sie ist zum einen eines der Schwergewichte an der russischen Börse. Zum anderen wird die Gesellschaft mehrheitlich vom russischen Staat kontrolliert. Für viele westliche Anleger ist Gazprom deshalb der russische Staatskonzern par excellence.

Und es gab noch weitere Belastungsfaktoren: So ging im zweiten Halbjahr der Ölpreis stark nach unten. Das belastet unmittelbar das Geschäft bei Gazproms Öl-Tochter Gazprom Neft, und sorgt indirekt auch bei der Konzernmutter für fallende Gewinnmargen, denn die mittelfristig ausgehandelten Gas-Exportpreise sind an den Ölpreis gekoppelt. Zudem ist eines der wichtigsten Gas-Abnehmerländer die Ukraine, die bereits Rechnungen von mehreren Milliarden Dollar nicht mehr beglichen hat. Daneben befürchten die Anleger, dass jetzt auch Westeuropa versuchen wird, sich vermehrt vom russischen Erdgas unabhängig zu machen – auch wenn dies angesichts der gewaltigen Abhängigkeit von Gazproms Lieferungen allenfalls auf Jahrzehnte, nicht aber kurzfristig gelingen wird.

Traumbewertung mit KGV von unter 2

Im Gegenzug gab 2014 bei Gazprom allerdings auch einige positive Nachrichten, die der Markt aber ignoriert hat. Sehr bedeutsam ist, dass die Ukraine inzwischen damit begonnen hat, ihre Erdgas-Schulden wieder abzutragen. Im ersten Halbjahr hatten die unbezahlten Rechnungen noch dazu geführt, dass Gazproms Gewinn um 23 % geschrumpft war. Noch wichtiger war aber der Mega-Liefervertrag mit China, der endlich abgeschlossen werden konnte. Dabei wurde vereinbart, dass Gazprom in den kommenden Jahrzehnten Erdgas für über 320 Mrd. Euro ins Reich der Mitte liefern wird. Durch das Abkommen erschließt sich Gazprom einen riesigen Zukunftsmarkt. Es bietet dem Konzern außerdem auf Jahre hinaus Planungssicherheit – auch für den unwahrscheinlichen Fall, dass Westeuropa tatsächlich den Import von russischem Erdgas zurückfährt. Viel realistischer ist aber, dass Europa nun in absehbarer Zukunft mit Asien um das begehrte Gas aus Russland konkurrieren muss. Gazprom ist in einem solchen Szenario natürlich der eindeutige Gewinner.

Das entscheidende Argument, das für die Gazprom-Aktie spricht, ist aber die enorm günstige Bewertung. Zwar haben die Analysten ihre Schätzungen bereits deutlich gesenkt. Dennoch liegt die durchschnittliche Gewinnerwartung für 2014 laut „Reuters“ noch bei 1,19 Dollar je Aktie. Da der einzelne Anteilsschein aber umgerechnet nur noch 2,20 US-Dollar* wert ist, liegt das geschätzte Kurs-Gewinnverhältnis aktuell bei unter 2. Auch wenn Sie – wie ich – die Marktprognosen immer noch für zu optimistisch halten, ist bei einer derart niedrigen KGV-Bewertung zweifellos noch jede Menge Spielraum nach oben.

Bezeichnend ist auch, dass Gazprom als Ganzes an der Börse nur noch 52 Mrd. US-Dollar wert ist. Das entspricht nicht nur lediglich dem Nettogewinn, den Gazprom allein 2014 und 2015 einfahren dürfte. Vielmehr wird die Aktie damit auch mit einem Abschlag von 75 % (!) auf den Buchwert gehandelt. Unterm Strich legen Sie als Anleger zurzeit also lediglich den zweifachen Jahresgewinn oder rund 25 % des Substanzwertes auf den Tisch. Dafür erhalten Sie dann aber Anteile an einem Unternehmen, das immer noch zu den profitabelsten Konzernen der Welt zählt, über knapp ein Sechstel der globalen Erdgas-Reserven verfügt und wegen seiner engen Verflechtung mit dem russischen Staat auch noch besonders krisensicher ist.

Normalisiert sich die Lage in Russland wieder?

Angesichts dieser fabelhaft günstigen Bewertung gibt es eigentlich nur einen einzigen Faktor, der dieses Papier noch weiter unter Druck bringen könnte. Das Hauptrisiko für die Gazprom-Aktie sind nicht die Entwicklungen beim Unternehmen selbst, sondern die Gefahr einer weiteren Verschärfung des Konflikts mit Russland. Nur wenn sich die politischen Spannungen noch weiter verschärfen, ist auch mit einer Fortsetzung des Kursverfalls zu rechnen. Im Extremfall könnte dann die russische Regierung sogar versuchen, die westlichen Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen.

Damit würde sich Putin allerdings auch ins eigene Fleisch schneiden. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der russische Präsident im Konflikt mit dem Westen sein Blatt bereits überreizt hat. Der wirtschaftliche Flurschaden, den die westlichen Sanktionen und Finanzmarkt-Restriktionen schon jetzt in Russland angerichtet haben, ist enorm. Ich rechne deshalb damit, dass sich der neue Ost-West-Konflikt zwar noch einige quälende Jahre lang hinziehen wird. Wladimir Putin wird aber weitere Eskalationsschritte tunlichst vermeiden. Und auf diese Weise sollte am russischen Aktienmarkt allmählich ein „Gewöhnungs-Effekt“ eintreten. Die extrem niedrigen Bewertungen der russischen Aktien dürften sich dann wieder ihrem langjährigen Mittel annähern – was in einigen Fällen dann durchaus Kursgewinne von mehreren 100 % mit sich bringen kann.

Es gibt noch bessere Aktien als Gazprom!

Im Übrigen ist Gazprom zurzeit zwar eine interessante und günstig bewertete Aktie. Es gibt aber am russischen Aktienmarkt einige Titel, die ich noch für weitaus spannender und aussichtsreicher halte. Dazu gehört unter anderem die Aktie einer großen Ölgesellschaft. Dieses Unternehmen hat allein auf seinen US-Dollarkonten wesentlich mehr Bargeld, als es insgesamt an der Börse wert ist. Anleger mit einer gewissen Risikofreude finden hier also ein ausgesprochenes Schnäppchen vor. Denn der Kurs ist voll durch Barmittel abgedeckt, das riesige Ölfördergeschäft gibt es kostenlos dazu.

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Ich wünsche Ihnen im neuen Börsenjahr 2015 ein glückliches Händchen und viele erfolgreiche Transaktionen.

Ihr


Florian Schulz
Chefredakteur
EMERGING MARKETS TRADER
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*Verwechseln Sie die Aktie nicht mit den hierzulande gehandelten ADRs, bei denen zwei Original-Aktien in einem Anteilsschein zusammengefasst sind.

 






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