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Die lockere Geldpolitik und ihre Folgen

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25. November 2014 10:39

Eines der heißesten Themen der letzten Jahre unter globalen Anlegern läuft eigentlich unter falschem Namen – ein typisches Beispiel für die in Finanzkreisen so üblichen Euphemismen: das quantitative Lockerungsprogramm der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), kurz QE für „Quantitative Easing“. Diese Bezeichnung trifft in Wirklichkeit nicht zu, denn es geht im Grunde eher um Mehrung als um Lockerung. Erst kam QE1, dann QE2 und schließlich QE3, die letzte Auflage des Fed-Programms zur Geldvermehrung. QE1 wurde Ende 2008 als Reaktion auf die Subprime-Finanzkrise in den USA eingeführt und war ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen, hypothekenunterlegten Wertpapieren und anderen Vermögenswerten überwiegend von Banken, die unter dem Wertverlust solcher Aktiva litten. Ursprünglich belief sich das Programm auf 600 Mrd. US-Dollar, doch die erwarteten Effekte wie Konjunkturaufschwung und großzügigere Kreditvergabe blieben aus. Daher wurde 2010 QE2 aufgelegt und zwei Jahre später QE3. Die Politik versuchte zunehmend verzweifelt, der Konjunktur die nötigen Anreize zu geben.

Insgesamt wurden über 4 Bio. US-Dollar ausgegeben (was in etwa der Höhe der chinesischen Devisenreserven entspricht) – rund sechsmal so viel wie ursprünglich vorgesehen. Das Ergebnis war eine Verdreifachung der Bilanzsumme der Fed. Besonderes Augenmerk verdient in meinen Augen der Umstand, dass die USA in diesen Jahren nicht das einzige Land waren, das ein solches Programm lancierte. In Großbritannien wurde 2009 ein Programm über 75 Mrd. Pfund (rund 120 Mrd. US-Dollar) initiiert und nach und nach auf 375 Mrd. Pfund (ca. 600 Mrd. US-Dollar) aufgestockt. Die Bilanzsumme der Bank of England vervierfachte sich. Der Staat druckte neues Geld, um eigene Anleihen zurückzukaufen.

Später stand die Europäische Zentralbank (EZB) vor demselben Problem kollabierender Banken. Es wurde zur selben Lösung gegriffen. Auch die EZB-Bilanz verlängerte sich, als immer mehr Anlagen europäischer Banken übernommen wurden.

Natürlich starteten auch die Zentralbanken in China, Japan und anderswo eigene Programme zur Lockerung der Geldpolitik, sodass Banken vielfach schmerzhafte Entscheidungen über faule Anlagen erspart blieben. Zum Leidwesen der Zentralbanker, die die neuerliche Vergabe von Bankkrediten und damit die Wirtschaft ankurbeln wollten, ruht dieses Geld zum großen Teil nach wie vor in den Bankbilanzen. Ein Teil wurde auch in die Aktienmärkte geleitet, und ebenso in Immobilien und andere Sachwerte wie Rohstoffe.

Die niedrigen Zinsen, die wir auf vielen Märkten weltweit beobachten, benachteiligen mittlerweile normale Einlagenkunden von Banken und Rentner, während Aktieninhaber generell profitiert haben, da die überlebenden Banken größer geworden sind – inzwischen vielleicht sogar systemrelevant. Längerfristig könnte den unter niedrigen Zinsen leidenden Sparern aber durch hohe Inflation neues Ungemach drohen. Obwohl die Inflation auf den Märkten, für die die Zentralbanken die Geldpolitik gelockert haben, allgemein niedrig geblieben ist, gehen viele, unter anderem auch ich, davon aus, dass sie anziehen dürfte, sobald die Banken wieder genug Vertrauen haben, um aggressiv Kredite zu vergeben. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Länder, die mit Deflationsdruck kämpfen, wie Japan und die Eurozone, würden Inflation begrüßen. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass die Teuerung rasch außer Kontrolle geraten und Schwellenländer besonders beeinträchtigen kann, da ein größerer Teil des Budgets ihrer Verbraucher auf Grundbedarf wie Nahrungsmittel und Brennstoffe entfällt.

Vorerst dürften die jüngsten Lockerungsmaßnahmen Japans und der EZB unseres Erachtens Sorgen um das Auslaufen des QE-Programms der Fed abfedern und den Märkten weiter Liquidität zuführen. Wir achten jedoch aufmerksam auf unerwünschte Nachwirkungen.





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