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Rücken- und Gegenwind wechseln sich ab

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4. November 2014 12:13

aus dem BE


„Die Abschwächung der Konjunktur in der EURO-Zone ist keine These mehr, sondern ... ein ­Faktum.“


"Fexibilität ersetzt Langfristprognose.“ Dies war das Fazit unseres vorigen Monatskommentars (siehe http://goo.gl/kLpvmD). Die Geschichte lehrt uns, dass Märkte einen in etwa gleichen Informationsstand unterschiedlich bewerten können. Der Oktober brachte eine zwischenzeitlich doch deutliche Aktienkorrektur. Gab es aber wirklich fundamental neue Erkenntnisse? Oder hat einfach nur der Wind gedreht? Die vergangenen Wochen waren wohl der Auftakt zu einem schwankungsintensiveren Umfeld. Wir sollten uns daran gewöhnen. Flexibilität und der Mut, auch da und dort rasch zu reagieren, werden in den kommenden Quartalen wichtiger als die für Finanzmarktprognose völlig überschätzte Diskussion über Details der Konjunkturentwicklung. Die Rückenwind-Gegenwind-Situation gerade in der EURO-Zone wird klar bleiben. Und gerade der Aktienmarkt kann Wahrnehmungen so schnell ändern wie der Wind in freier Natur sich dreht. Wir haben einerseits klaren Rückenwind durch das finanzpolitische Umfeld, die kommende Geldmengenausweitung und das historische Tiefzinsniveau. Durch den daraus folgenden Anlagenotstand wer- den Aktien oft als alternativlos bezeichnet. Wir haben andererseits klaren Gegenwind durch die wirtschaftliche Entwicklung. Die Abschwächung der Konjunktur in der EURO-Zone ist keine These mehr, sondern angesichts der Indikatoren ein Faktum. Druck auf die Unternehmensgewinne wird daher von da und dort kommen.

Kritik an der EZB-Strategie – ist dies die richtige Adresse?

„Wir werden alles tun was nötig ist. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Mit diesen mittlerweile historischen Sätzen hatte EZB-Chef Mario Draghi am 26. Juli 2012 die positive Trendwende in der EURO-Schuldenkrise eingeleitet. Mit klaren Worten ist es gelungen die Märkte nachhaltig zu beruhigen. Die Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen aus Italien und Spanien fielen von über 6% auf gut 2 Prozent. Damit wurde Mario Draghi gemeinsam mit den Spitzen der US-Notenbank FED, Ben Bernanke und seit Februar diesen Jahres Janet Yellen, zum eindeutigen Orientierungspunkt für die Finanzmärkte. Auch dadurch unterstützt, dass die jeweiligen politischen Führungen ein gewisses Orientierungsvakuum eröffnet haben. Vielen Worten Draghis folgte in den vergangenen Monaten ein Maßnahmenpaket – rekordtiefe Leitzinsen, Minuszinsen für Einlagen bei der EZB, angekündigte Käufe von Anleihen, Pfandbriefen oder Kreditpaketen. Wir haben in unserem Monatskommentar wiederholt positive Worte für diese EZB-Strategie gefunden – und nehmen diese auch nicht zurück. Man mag Details diskutieren können – was aber wäre denn gewesen, hätte die EZB in den vergangenen beiden Jahren als Orientierungspunkt gefehlt? Die EZB alleine kann aber keinen Wirtschaftsaufschwung bringen, dafür ist sie auch nicht da. Die Fragen, die zu stellen sind, betreffen daher weniger die EZB-Strategie. Vielmehr geht es darum zu diskutieren, was Länder wie Italien mit dem von der EZB verschafften Zeitgewinn gemacht haben, welche Visionen Frankreich hat. Es geht auch darum zu erkennen, dass es nicht zu Ende gedacht ist, wenn die EZB alles versucht den Kreditzyklus in Gang zu bringen, im Gegenzug aber die Politik Banken und Industrie mit Regularien überschüttet, welche die Dynamik klar hemmen.

Das Weltbild als Puzzle-Spiel.

Eine breite Anlagestrategie setzt ein Weltbild voraus – und damit, wie der Name schon sagt, eine klare globale Perspektive. Wir finden derzeit eine EURO-Zone vor, die wirtschaftlich keine Dynamik entfalten wird und sich wohl bei einem Potenzialwachstum von 1% bewegt. Wir sehen dagegen eine US-Konjunktur, die sich, unterstützt durch Reindustrialisierung und billiger Energie, wohl eher bei einem Potenzialwachstum von 3% bewegt. Eine unterschiedliche Notenbankpolitik zwischen FED und EZB ist daher logisch und richtig. Wir sahen zuletzt deutlich sinkende Rohstoffpreise – vor allem der Ölpreis war massiv unter Druck. Die Mischung aus wohl zukünftig leicht steigenden US-Zinsen, einem eher steigenden US-Dollar und schwachen Rohstoffpreisen ist für einzelne von Rohstoffpreisen und Kapitalzuflüssen abhängige Emerging-Markets eine sehr unangenehme Kombination. Dies gilt es sorgfältig zu beobachten.

Ölpreis auf Talfahrt – wirklich ein reiner Konjunkturindikator?

Der deutliche Verfall der Ölpreise wurde vielerorts als Zeichen für eine sich abschwächende Weltkonjunktur gewertet. Diese Interpretation mag einen Kern an Wahrheit haben, ist aber dennoch zu einseitig. Man sollte mit diesem vorschnellen Schluss vorsichtig sein. Ein Preisrückgang muss nicht immer an sinkender Nachfrage liegen. Auslöser kann auch ein sehr hohes Angebot sein. Die USA fördern auf hohem Niveau und entgegen historischer Erfahrungen reagiert auch die OPEC bisher nicht wirklich mit reduzierten Fördermengen. Man sollte aber auch das weltpolitische Umfeld nicht übersehen. Unter einem tiefen Ölpreis leidet etwa Russland stärker als unter mancher Sanktion. Je nach weltpolitischer Interessenslage kommt der Ölpreisrückgang daher durchaus gelegen. Ein weiter massiv sinkender Ölpreis würde aber letztendlich den US-Schiefergas-Boom gefährden – und ist somit nur bedingt wahrscheinlich. Positiv ist zudem die Entlastung der Verbraucher. Es würde wohl nicht überraschen, wenn sich dies in einigen Wochen positiv etwa im US-Konsumentenvertrauen wieder- spiegelt.

Agieren – oder Reagieren?

Es gibt Marktphasen, in denen man agieren kann, weil die Trends eindeutig sind und die Sachlage relativ klar ist. Es gibt aber auch Marktphasen, in denen man eher reagieren muss, weil sich Rückwind und Gegenwind abwechseln. Sich dies ehrlich einzugestehen ist auch die Aufgabe eines Vermögensverwalters. Es ist nicht die Zeit der 5-Jahresprognosen. Es ist eher die Zeit der ruhigen, aber mutigen Hand. Der Unterschied zwischen Strategie und Taktik wird noch mehr in den Vordergrund rücken. Strategisch haben wir aus den Oktoberbewegungen keine neuen Informationen. Die Zinslandschaft wird wohl geraume Zeit tief bleiben, Aktien sind weder billig noch teuer und bleiben daher relativ bevorzugt, das Rohstoff- und Goldsegment ist derzeit für die Geldanlagestrategie nur ein Nebenschauplatz. Taktisch kann es dennoch Sinn machen, temporär die Marktrisiken innerhalb der Strategie deutlich zu senken oder zu erhöhen. Sich hinter Benchmarks zu verstecken wird jedenfalls keine Antwort auf das kommende Umfeld sein.<

Mehr finden Sie im neuen 3 Banken-Generali Invest-Fondsjournal unter http://goo.gl/plnVCS





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