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"I have a dream" - in Österreich heißt's dazu "träum weiter"

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3. Oktober 2014 13:51

aus dem BE
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Warum eigentlich schaffen wir das 13. und 14. Gehalt nicht ab?


Am ersten Oktober 1949 proklamierte der damalige kommunistische Parteichef Mao Zedong die Volksrepublik China. Vorangegangen war dieser Staatsgründung ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der KP und der nationalistischen Kuomintang unter dem General Chiang Kai-shek, die sich im Jahr 1949 nach Taiwan zurückzog. Ein einschneidendes Ereignis in diesem Bürgerkrieg war wohl ‘der lange Marsch’, eigentlich ein Rückzug der kommunistischen Streitkräfte in den Jahren 1934/35, der später zu einem Heldenmythos wurde.

Der lange Marsch. 65 Jahre nach der Ausrufung der Volksrepublik befindet sich China wieder auf einem langen Marsch. Doch diesmal ist der Marsch kein Rückzug, sondern ganz im Gegenteil ein rasanter Sturmlauf an die Spitze der wirtschaftlich bedeutendsten Nationen dieser Welt. In punkto Export hat das bevölkerungsreichste Land der Erde längst alle anderen führenden Nationen überholt. Allein im Jahr 2012 wurden Waren im Wert von mehr als 2 Billionen Dollar exportiert, das entspricht dem tausendfachen jenes Wertes, den die Volksrepublik im Jahr 1970 mit ihren Exporten erreichte. Im selben Zeitraum konnten die USA ihre Exporte auf den rund 36fachen Wert des Jahres 1970 steigern. Deutschland die größte Exportnation Europas erreichte im Jahr 2012 ein Exportvolumen von 1,41 Billionen Dollar, das entspricht in ungefähr dem 41fachen jenes Wertes, den unser Nachbar 1970 erzielte. Doch nicht nur die Exporte, auch die Währungsreserven sprechen eine eindeutige Sprache. China hält mittlerweile ein Drittel aller weltweit vorhandenen Währungsreserven in seiner Hand. (Mehr zum Thema finden Sie in unserer Grafik der Woche I im aktuellen be INVESTOR.)

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, die andere zeigt sich derzeit nahezu täglich in den Straßen Hongkongs, wo die Menschen zu Tausenden für ihre politischen Rechte eintreten. So reformfreudig Chinas Führung in punkto Wirtschaftspolitik war, so beharrlich weigert sie sich Mitbestimmung zuzulassen.

Reformverweigerung. Die beharrliche Verweigerung von Reformen findet sich aber auch anderswo. Unter anderem auch in unserem Land, wo wieder einmal das Endlosthema Steuerreform en vogue ist. Einer der heißest diskutierten Streitpunkte in diesem Zusammenhang ist - wie könnte es anders sein - das 13. und 14. Monatsgehalt, bzw. dessen Besteuerung. Sobald jemand seine Steuerpläne auf den Tisch legt wird darauf geachtet, ob die geringere Besteuerung dieser beiden Gehälter eh nicht angetastet wird. Wird irgendeine Überlegung in diese Richtung geäußert, so wird sofort die Totschlagskeule ausgepackt - meist von den Gewerkschaften. Ganz ehrlich - warum schaffen wir dieses Relikt vergangener Zeiten nicht einfach ab, teilen die zwei zusätzlichen Gehälter auf die restlichen zwölf auf und senken im Gegenzug die Steuerlast? Eigentlich ein Nullsummenspiel, dass aber in punkto Verwaltung eine enormes Einsparungs(Vereinfachungs)potenzial - vor allem in den Unternehmen - bringen würde. Das Argument, dass in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, dass dann den „kleinen Leuten“ nichts bliebe, um die Schulden, die sie das ganze restliche Jahr über anhäufen (müssen), zurückzuzahlen, ist so absurd dass es gar nicht mehr ärger geht. Wenn die „kleinen Leute“ das ganze Jahr über mehr Geld zur Verfügung hätten, dann müssten sie nicht ihr Konto überziehen, um es dann zweimal im Jahr mit dem zusätzlichen Geld wieder aufzufüllen. Mit entsprechenden Kosten für die Überziehungszinsen, die trotz Niedrigstzinsniveau, weiter sehr hoch sind, wie jüngst der VKI festgestellt hat.

„I have a dream“, sagte einmal eine bekannte Persönlichkeit der Weltgeschichte. In Österreich würde man ihm ­entgegnen „träum weiter“.

Aus dem be INVESTOR dem neuen Wochenmagazin des Börse Express vom 03.10.2014.


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