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Yellen wird (leicht) falkenhaft

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16. Juli 2014 12:41

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Der große Überblick


Während es bei der gestrigen Rede von Fed-Chefin Janet Yellen vor dem Senat der USA keine neuen Informationen gab, so wirkte ihr Präsentationsstil doch irgendwie etwas falkenhafter als zuvor. Sie scheint den Markt warnen zu wollen, dass sie bisher in Bezug auf die Zinssätze zu taubenhaft gewesen ist, so wie es der Gouverneur der Bank von England, Carney, jüngst getan hat – und wir wissen alle, wie das Pfund auf diese Warnungen reagierte. Ich glaube, dass dem Dollar in naher Zukunft Ähnliches widerfahren könnte, da sich die Vision von Yellen (und des FOMC) Stück für Stück materialisiert.

Zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung befragt verwies Yellen auf die Zusammenfassung der wirtschaftlichen Prognosen des FOMC, in der alle Mitglieder des FOMC ihre ökonomischen Vorhersagen veröffentlichen, inkl. der „Dots“ für die „Fed Funds“-Rate, und erklären, wann sie einen Anstieg der Zinsen erwarten. Dieser Verweis war ziemlich bezeichnend, da sie diese „Dots“ auf ihrer ersten Pressekonferenz im März noch beiseite gewischt hatte, und noch im Mai hatte sie ihre Bedeutung heruntergespielt. „Ich denke, dass man nicht auf den „Dot-Plot“, um es so auszudrücken, als den Hauptindikator dafür schielen sollte, um zu bestimmen, was das Komitee will, oder wie es zur Allgemeinheit über die Geldpolitik redet.“ – so sprach sie noch im März. Von daher war es ein bedeutender Wandel, dass sie nun explizit auf diese Prognosen als Hauptindikator für die künftige Politik der Fed verwies. Es war ebenfalls eine deutliche Abweichung vom Mai, als sie auf eine ähnliche Frage antwortete, indem sie einfach feststellte, dass „die meisten Mitglieder glauben, dass im Jahre 2015 oder 2016 die Normalisierung gemäß unseres allgemeinen Ausblicks beginnen wird.“ Der Grund, weshalb dieser Kurswechsel so bedeutend ist, ist die Tatsache, dass der “Dot-Plot“ weiterhin viel aggressiver ist als die Prognosen der Märkte. Selbst nach dem gestrigen Tage stiegen die „Fed Funds“-Futures mit ihren impliziten Zinsen um 5 bps oder so ab 2016 aufwärts, die Prognosen des FOMC lagen immer noch um 45 bps (= 2 Zinserhöhungen) über den Erwartungen der Märkte für das Ende des Jahres 2016, und um 78 bps (= 3 Zinserhöhungen) höher für das Ende des Jahres 2017. Daher schien ihr Sprachgebrauch diesmal eine Warnung an die Märkte zu sein, dass sie im Hinblick auf die Zinsen wohl zu taubenhaft war. Um diesen Punkt unmissverständlich klar zu machen, fügte sie auch hinzu, dass im Falle einer weiteren Verbesserung des Arbeitsmarktes mit dem aktuellen Tempo “Anhebungen der „Federal Funds“-Zielrate wohl früher als angenommen stattfinden würden und dann auch noch schneller erfolgen würden, als man derzeit denkt.“

In jedem Falle verstand der Markt die möglichen Folgen, und der Dollar stieg gestern gegenüber fast allen Devisen, sowohl der G10 als auch der Schwellenländer. Die einzige Ausnahme stellt das Pfund dar, das gegenüber dem Dollar gewann, nachdem die Ankündigung vom Dienstag, dass die britische Inflationsrate im Juni plötzlich angestiegen sei, eine Zinserhöhung noch wahrscheinlicher gemacht hatte.

Über Nacht gab China bessere Daten als erwartet heraus: Das BIP stieg im Q2 um 7,5%, während die Prognosen auf 7,4% getippt hatten. Die Industrieproduktion stieg im Juni unerwarteterweise an, und die Investitionen in feste Anlagegüter übertrafen ebenfalls die Erwartungen. Dennoch gaben sowohl AUD und NZD nach. Dies könnte z.T. einem Statement von Chinas Nationalem Amt für Statistik geschuldet sein, nach dem ein Abschwung auf dem Immobilienmarkt kurzfristigen Druck auf das Wirtschaftswachstum bedeutet. Dies ist ein auf die Zukunft schielendes Statement, und so könnte es wohl sein, dass evtl. die Signifikanz der rückschauenden Indikatoren übertroffen hat. Beim NZD, dem größten Verlierer dieses Tage, war der Rückgang durch binnenwirtschaftliche Faktoren begründet: Die Inflation war im Q2 weniger als erwartet gestiegen (+1,6% yoy, während +1,8% erwartet worden waren; im Vormonat betrug diese Zahl +1,5%) und die Preise für Milchprodukte fielen auf der jüngsten Auktion noch weiter ab. Diese beiden Tatsachen nehmen ein bisschen des Drucks von der neuseeländischen Zentralbank, die Zinssätze zu erhöhen. Der jüngste Verfall der Preise für Agrarerzeugnisse führt dazu, dass ich vielleicht meinen bullenhaften Ausblick für den Kiwi revidieren muss. Ich bleibe aber bärenhaft gegenüber dem AUD.

Heute:
Während des Tages in Europa wird die schwedische Riksbank den Bericht ihres letzten geldpolitischen Treffens herausgeben, auf dem sie die Märkte geschockt hatte, indem sie die Zinssätze stärker als angenommen absenkte. Die SEK hat sich seit dem Treffen wieder ein wenig erholt, und so besteht die Möglichkeit, dass der Markt durch die neuen Details wiederum schockiert werden könnte – und dies würde die Währung nochmals abwerten lassen.

In Großbritannien soll die Arbeitslosenrate im Mai von 6,6% auf 6,5% gesunken sein. Im Zusammenhang mit der starken Inflationsrate für den Juni, die am Dienstag herauskam, und den jüngsten Indikatoren eines boomenden Hausmarktes sollte diese Zahl dazu beitragen, die Zinserwartungen für Großbritannien nach oben zu schrauben. Allerdings wird der Fokus wohl auf der Entwicklung der durchschnittlichen wöchentlichen Löhne liegen, die sich im Mai auf +0,5% yoy (Drei-Monats-Durchschnitt) verlangsamt haben soll, während sie zuvor noch +0,7% yoy betragen hatte. Wenn die Löhne langsamer steigen, so wird das geldpolitische Komitee daraus wohl schließen, dass sie Wirtschaft immer noch ausreichende Reserven hat und es keinen Grund zu einer Verknappung gibt.

Es wird ein geschäftiger Tag in den USA: Die Industrieproduktion und die Produzentenpreisindexdaten für den Juni kommen heute heraus, und dazu der Marktindex der „National Association von Home Builders“ (NAHB) für den Juli. Die Fed gibt ihr „Beige Book“ heraus. Wir erfahren ebenfalls die MBA-Hypothekenanträge für die Woche, die mit dem 11. Juli endete. Außerdem absolviert Fed-Chefin Janet Yellen den zweiten Tag ihres Rechenschaftsberichtes zur Geldpolitik, diesmal vor dem Repräsentantenhaus. Des Weiteren spricht der Präsident der Dallas Fed, Richard Fisher.

In Kanada trifft die Bank von Kanada zusammen, um über ihre Zinssätze zu entscheiden. Der CAD hat sich im Vorfeld schon gefestigt, da man die Erwartungen hegt, dass die Zentralbank von einer neutralen hin zu einer verknappenden Geldpolitik umschwenken wird. Wir aber glauben nicht daran, insbesondere nach der höher als erwartet ausgefallenen Arbeitslosenrate für den Juni, die am Freitag herauskam. Heute werden auch die Industrieverkäufe publiziert.

Die Staatsführer der EU treffen in Brüssel zusammen, um über weitere Sanktionen gegen Russland aufgrund der Ukraine-Krise zu beraten.

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