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Marktausblick Rentenmärkte

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24. Februar 2013 08:29

USA

Die Immobilienmarktdaten der vergangenen Woche fielen in Summe etwas schwächer aus als vom Markt erwartet (z.B. NAHB von 47 auf 46 Punkte), sie unterstreichen damit aber immer noch das Bild einer sich erholenden US-Bauwirtschaft, die auch heuer wieder deutlich positiv zum BIP-Wachstum beitragen wird und ein gewisses Gegengewicht zur restriktiveren Fiskalpolitik im ersten Halbjahr bietet. Stichwort Fiskalpolitik: Die für den 1. März vorgesehenen automatischen Ausgabenkürzungen sind weiterhin auf Kurs, es sieht nach wie vor nicht danach aus, als würden sie noch rechtzeitig durch einen politischen Kompromiss abgewendet (vgl. unsere Ausgabe von letztem Freitag). Zwar würde es dadurch zu keiner Rezession kommen, sondern unsere (ohnehin dementsprechend niedrig angesetzte) BIP-Prognose von 1,5 % für das Gesamtjahr 2013 weiterhin gut passen. Im zweiten Quartal wären dadurch aber eine deutlich gedämpftere Wirtschaftsentwicklung und auch entsprechende Rückgänge bei Stimmungsindikatoren zu erwarten, was derzeit von den Finanzmärkten – noch – sehr wenig thematisiert wird (entsprechendes Rückschlagspotenzial bei Risky Assets ist vorhanden, verbunden mit der Chance auf vorübergehend noch etwas höhere Staatsanleihenkurse). Ein erster regionaler Stimmungsindikator, der Philadelphia Fed Index, gab vergangene Woche bereits deutlich nach (von -5,8 auf -12,5 Punkte) – dementsprechend spannend wird der Chicago PMI am Do und dann natürlich – als Highlight der kommenden Woche – der ISM Index Industrie am Freitag. Für letzteren erwarten wir – wie auch der Konsensus – einen Rückgang gegenüber dem Vormonat. Von den vielen sonstigen Daten in der kommenden Woche sind noch erwähnenswert die Auftragseingänge (Mi, mit einem starken Monatsrückgang nach ähnlich starkem Anstieg im Vormonat), die erste BIP-Revision für Q4 (aus dem minimalen Minus der Erstveröffentlichung wird ein kleines Plus werden), sowie Einkommens- und Konsumdaten für Jänner.

Die stärkste Finanzmarktbewegung ging vergangene Woche vom Protokoll der letzten Zinssitzung des FOMC aus, demzufolge auf der Januar-Sitzung vornehmlich über die Kosten und Risiken von QE3 diskutiert wurde. Obwohl die Aussagen nicht wesentlich schärfer formuliert waren als beim letzten Mal, gewann USD zum EUR über Nacht 1,5 Cent. Der nächstwöchige Auftritt Ben Bernankes vor dem US Kongress in Sachen Geldpolitik darf somit mit Spannung erwartet werden. Wir gehen unverändert davon aus, dass angesichts einer deutlichen US-Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr die Anleihenkäufe der US-Notenbank gegen Jahresende auslaufen werden. Eine erste Zinsanhebung ist dann aber immer noch in weiter Ferne. Insofern halten wir die Reaktion insbesondere von EUR/USD für überzogen und sehen hier Raum für eine kurzfristige Erholung zurück auf 1,34/35 (wofür natürlich auch die Wahl in Italien am Montag positiv ausgehen muss).

US-Staatsanleiherenditen gingen im Wochenverlauf von knapp über auf knapp unter 2 % zurück (10J Restlaufzeit), wofür vor allem der deutliche Aktienmarktrückgang am Mi und Do verantwortlich war. Während ein günstiger Wahlausgang in Italien am Montag Abend kurzfristig zu einem Renditeanstieg führen würde, sehen wir US-Staatsanleihen angesichts der von der US-Fiskalpolitik Anfang März ausgehenden Konjunkturrisiken anschließend in die erste Märzhälfte hinein recht gut unterstützt (Spielraum für Renditerückgang auf 1,8-1,9 %). Ein Patt in Italien würde diesen Renditerückgang natürlich noch deutlich akzentuieren.




Eurozone

Während zuletzt reine Stimmungsindikatoren wie der ZEW-Index unbeirrt ihren steilen Aufwärtstrend fortgesetzt haben, fielen in der abgelaufenen Woche die bei Unternehmen erhobenen Umfragen zumeist ernüchternd aus. Zudem zeichnen die vorläufigen Schätzungen der Einkaufsmagerindizes (PMI) für den Euroraum wie schon im Jänner ein unausgewogenes Gesamtbild. Während sich in Deutschland die Aufschwungssignale verdichten, hinkt die Performance nicht nur in Südeuropa sondern vor allem auch in Frankreich klar hinterher. In den kommenden Tagen folgen die Ergebnisse für einzelne Länder. In Italien rechnen wir mit einem Rückgang des PMI für das Verarbeitende Gewerbe, in Spanien setzen wir einen geringfügigen Anstieg an. Weiters werden die Konjunkturfrühindikatoren der EU-Kommission veröffentlicht. Das EUR-Konsumentenvertrauen hat sich laut Erstschätzung nur wenig aufgehellt. Zudem fielen auch andere Konjunkturumfragen zuletzt eher mager aus. Somit erwarten wir sowohl beim EUR-Industrievertrauen als auch beim EUR-Wirtschaftsvertrauen keine großen Sprünge nach oben. Die anstehenden Arbeitsmarktdaten werden den Eindruck von sehr unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklungen im Euroraum unterstreichen. Während die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wohl erneut zurückgeht, ist im gesamten Euroraum mit einer steigenden Arbeitslosenquote zu rechnen. Beim Geldmengenaggregat M3 erwarten wir einen geringfügigen Rückgang der Veränderungsraten. Die Ausleihungen an den privaten Sektor werden im Vergleich zum Vorjahr zwar noch abnehmen, die Dynamik sollte nunmehr aber nach oben gedreht haben. Als weiteres Highlight in einer datenreichen Woche warten die ersten Schätzungen zur Inflationsentwicklung im Jänner. Sowohl in Deutschland auch im gesamten Euroraum dürfte der Preisauftrieb im Vorjahresvergleich weiter nach unten tendieren.

Der Sekundärmarkt wird zu Wochenbeginn weniger auf die Wirtschaftsdaten als auf den Wahlausgang in Italien und Zypern achten. In Zypern gilt der Machtwechsel vom kommunistischen Regierungschef hin zum konservativen Kandidaten so gut wie sicher. Dies sollte den Weg für ernsthafte Verhandlungen über ein Hilfspaket der Europartner frei machen und einen drohenden Staatsbankrott abwenden. Sollte zudem das Wahlergebnis in Italien (erste Hochrechnungen sind am Montag ab dem Schließen der Wahllokale um 15:00 zu erwarten) den moderat reformwilligen Kräften um Bersani und Monti eine rasche Regierungsbildung ermöglichen, so wird der zuletzt beobachtbare Renditerückgang bei deutschen Anleihen ein jähes Ende nehmen. Allerderdings könnten die Bündnisse von Bersani und Monti vor allem im Senat eine Mehrheit verfehlen. Die dadurch entstehende Patt-Situation mit komplizierten Verhandlungen mit weiteren Parteien und möglicherweise sogar mit Berlusconi würden in diesem Fall eine Flucht in sichere Häfen auslösen. Die Renditen deutscher Staatsanleihen hätten dann noch erhebliches Potenzial nach unten.

Am Primärmarkt auktioniert in den nächsten Tagen Italien Nullkupon, inflationsgeschützte, sowie variabel und fix verzinste Anleihen. Deutschland, Frankreich, Malta und nochmals Italien begeben zudem Geldmarktpapiere.






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