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Marktausblick Rentenmärkte

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10. Februar 2013 08:12

USA

In der nächsten Woche stehen wieder einige Konjunkturindikatoren von Interesse auf der Agenda. Die größte Aufmerksamkeit dürfte dabei den Einzelhandelsdaten (Mi) für Jänner entgegengebracht werden. Im November und Dezember legte der Einzelhandelsumsatz real mit +1,5 % p.m. bzw. +0,9 % p.m. kräftig zu. Schon alleine das wäre ein Grund, im Jänner eine Gegenbewegung zu erwarten. Darüber hinaus trat mit Jahresbeginn aber auch die Anhebung der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer in Kraft. Die um 2 Prozentpunkte höheren Abgaben belasten die Konsumenten mit rund USD 100 Mrd., was nur zu einem Teil über eine abgesenkte Sparquote ausgeglichen worden sein dürfte. Wir rechnen daher in realer Betrachtung mit einem Rückgang des Umsatzes im Einzelhandel um 0,1 % p.m. Da die Einzelhandelspreise im Jänner ebenfalls leicht rückläufig gewesen sein dürften, ergibt sich in nominaler Rechnung ein Minus von 0,3 % p.m. Am Freitag wird mit dem Empire State Manufacturing Index der erste regionale Stimmungsindikator für das Verarbeitende Gewerbe im Februar veröffentlicht. Der Konsens rechnet mit einer leichten Stimmungsaufhellung. Ebenfalls am Freitag stehen die Industrieproduktionszahlen für Jänner an. Wir gehen von einer erneuten geringen Produktionsausweitung im Vormonatsvergleich aus. Darüber hinaus werden nächste Woche noch die Importpreisdaten für Jänner (Mi) sowie das vorläufige Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan (Fr) veröffentlicht.

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen tut sich wie erwartet schwer, die 2 %-Marke nachhaltig zu überwinden. Zu Wochenende liegt sie mit 1,94 % rund 7 Basispunkte unter dem Niveau von vor einer Woche. Wir erwarten auch in den nächsten Wochen nicht, dass die Rendite nachhaltig über 2 % klettern wird. Kurzfristig stellen insbesondere die Einzelhandelsumsätze einen möglichen Dämpfer für Staatsanleihen dar. Der Konsens rechnet bei den Umsätzen mit einem kleinen Plus. Behalten wir mit unserer Prognose eines Rückgangs Recht, dürfte dies an den Märkten sehr negativ aufgefasst werden. Aber auch mit Blick auf das Monatsende haben die Risiken zuletzt zugenommen. So sind die Verhandlungen zu den automatischen Ausgabenkürzungen offensichtlich völlig zum Erliegen gekommen. Diese Ausgabenkürzungen, die eigentlich bereits mit Jahresanfang hätten wirksam werden sollen, wurde im Rahmen der Einigung zur Fiskalklippe auf den März verschoben. In der Zwischenzeit hätten Demokraten und Republikaner eine „große“ Lösung in Sachen Haushaltskonsolidierung aushandeln sollen. Aktuell sieht es so aus, als wäre dies nicht der Fall. So sagten hoch- rangige Vertreter von Demokraten und Republikanern Anfang der Woche, dass die Ausgabenkürzungen ab 1. März wohl in voller Höhe umgesetzt werden.



Eurozone

Das Highlight der abgelaufenen Woche war zweifelsohne die gestrige Zinssitzung der Europäischen Zentralbank. Erwartungsgemäß beließen die Währungshüter die Leitzinsen unverändert. Wie im Vormonat hob EZB-Präsident Draghi auch diesmal die Verbesserungen auf den Finanzmärkten und am Bankenmarkt hervor. Die Konjunktureinschätzung (Schwächephase Anfang 2013, Erholung im weiteren Jahresverlauf) blieb nahezu unverändert. Der Rückgang der Inflation könnte aber bei einer anhaltenden Euro-Stärke deutlicher ausfallen als aktuell er- wartet. Neben einer festen Währung könnten auch die vorzeitigen Rückzahlungen der Refinanzierungsgeschäfte die akkommodierende Haltung der EZB früher reduzieren als derzeit noch erwünscht. Diese „dovishen“ Anmerkungen sind als Verbalintervention gegen einen zu starken Euro bzw. zu rasch steigende Zinsen zu werten – die Märkte reagierten entsprechend.

Datenseitig stehen die kommenden Tage ganz im Zeichen der Veröffentlichung von vorläufigen BIP-Schätzungen für das vierte Quartal 2012. Das Gesamtbild ist bereits klar – in vielen Ländern wurde ein merklicher BIP-Rückgang Ende des abgelaufenen Jahres verbucht. Die Rezession im Euroraum hat sich so- mit nochmals verschärft. Dabei hat sich die schwache Wirtschaftsentwicklung von den südlichen Ländern des Euroraums weiter nach Norden ausgebreitet. Selbst Deutschland hat in Q4 mit einem BIP-Rückgang von geschätzt 0,5 % p.q. das schwächste Ergebnis seit 2009 erzielt. Allerdings dürfte es sich dabei um einen einmaligen Ausrutscher handeln, die letzten Indikationen weisen auf eine Verbesserung der Konjunkturlage hin (z.B. ifo Index). Dagegen sind in Frank- reich, Belgien und den Niederlanden auch die jüngsten Frühindikatoren (z.B. Geschäftsklimaindikatoren) wenig ermutigend. Die Verbesserung der Konjunktur- umfragen für den gesamten Euroraum seit Jahresbeginn basiert daher weitgehend auf dem Anstieg in Deutschland und einer Aufhellung der Aussichten im krisengebeutelten Südeuropa. Für letzteres bedeutet dies aber nur, dass die Rezession an Schärfe verliert. Der auf vielen Märkten gepreiste Aufschwung im Laufe des Jahres ist also noch nicht abgesichert. Die aktuelle Belebung im Euroraum hat noch eine zu schmale Basis (vor allem Export-getrieben, wenige Länder).

Am Sekundärmarkt mussten deutsche Anleihen in der abgelaufenen Woche keine weitere Renditeanstiege hinnehmen. Im Gegenteil, die Emission einer fünfjährigen Anleihe war gut nachgefragt, die laufende Verzinsung von knapp 0,7 % wird anscheinend von vielen Anlegern als ausreichend attraktiv erachtet. Erstens sorgen politische Entwicklungen in Spanien (Korruptionsvorwürfe gegen die Regierungspartei) und Italien (verbesserte Umfragewerte des Wahlbündnisses von Berlusconi) wieder für Verunsicherung, ob die notwenigen Reformen durchgehalten werden können. Zweitens erwies sich die vorzeitige Rückzahlung des ersten Drei-Jahrestenders von vielen Banken als einmaliges Strohfeuer. Somit ist klar: Übervorsichtige Sicherheitspuffer wurden öffentlichkeitswirksam abgebaut und werden wohl auch in Zukunft tröpfchenweise an die EZB zurückfließen. Allerdings sind nach wie vor viele Banken auf die generöse Liquiditätsausstattung durch die EZB angewiesen – eine Normalisierung der Kreditmärkte wird wohl eher ein langwieriger Prozess. Somit bleibt aber auch die Notenbankliquidität noch für längere Zeit erhöht, was einen starken Anstieg von Euribor Sätzen bis hin bei Renditen von kurzlaufenden deutschen Anleihen verhindert. Auch zehn- jährige sehen wir in den kommenden Wochen ohne Aufwärtstrend als vielmehr in einer Trading Range (zwischen 1,45 % und 1,75 %).

Am Primärmarkt emittieren in den nächsten Tagen die Niederlande, Italien und Deutschland Anleihen. Frankreich, Italien, Belgien, Malta, Deutschland und Spanien auktionieren zudem Geldmarktpapiere.






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