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Schweizer Franken fällt weiter – Strategie der Notenbank geht auf

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23. November 2014 13:03

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Warum der Anstieg des Euro über 1,22 Franken dennoch nicht nachhaltig sein könnte


Die Schweizer Notenbank (SNB) kann nicht nur sehr gut mit Devisen umgehen, sondern beweist auch bei Aktien ein glückliches Händchen. Das könnte man zumindest nach dem jüngst bekannt gewordenen Engagement der Eidgenossen beim finnischen Handyhersteller und dem einstigen Erfinder der „Smartphones“ Nokia meinen. In den letzten Jahren der größte Verlierer der Branche, setzen die Schweizer Währungshüter jetzt auf ein Comeback der Finnen. Nicht ganz klar ist, wann die SNB bei Nokia eingestiegen ist, allein in den letzten beiden Handelstagen aber hat sie auf jeden Fall in dieser Position rund 10 Millionen Franken verdient.

Das dürfte aber nur ein Teil dessen sein, was die Notenbank seit Donnerstag mit ihrem Fremdwährungsportfolio verdient hat. Rund die Hälfte ihrer Devisen hält sie in Euro und dieser hat gegenüber dem Franken nach der wieder größer gewordenen Zuversicht der Europäischen Zentralbank in Sachen Euro-Krise und einer in weitere Ferne gerückten Zinssenkung in der Eurozone den Sprung über die Marke von 1,22 EUR/CHF gewagt. Aktuell notiert damit die Schweizer Währung so tief wie seit 13 Monaten nicht mehr. Zur Erinnerung: Im September 2011 hatte die SNB einen Mindestkurs von 1,20 EUR/CHF ins Leben gerufen, den sie bislang mit aller Kraft und Fremdwährungskäufen in Milliardenhöhe, aber dennoch sehr erfolgreich verteidigen konnte. Aus dieser Strategie heraus ist aus der SNB heute einer der größten Akteure auf den internationalen Devisen-, Anleihe- und auch Aktienmärkten geworden, denn Nokia ist nur ein Beispiel des über 40 Milliarden Franken schweren Aktienportfolios.

Insgesamt hat die SNB ihre Bilanz aktuell bis auf fast 500 Milliarden Franken (rund 410 Milliarden Euro) aufgebläht, dies entspricht einer Höhe von 75 Prozent der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung. Da fallen sogar die Portfolios ihrer amerikanischen Kollegen mit nur rund 20 Prozent des BIP und der EZB, deren Anlagen rund einem Drittel des BIP entsprechen, eher bescheiden aus. Dazu kommt, dass andere Notenbanken ihre eigenen Papiere kaufen, um Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Die SNB dagegen druckt ihren Franken, um damit ausländische Wertpapiere zu erwerben. Dies stellt auch das besondere Risiko dar. Zum einen verbucht die SNB riesige Verluste, sollte der Schweizer Franken kräftig anziehen und die Marke von 1,20 EUR/CHF durch die Kraft der globalen Devisenströme doch reißen. Aktuell halte ich dies zwar für relativ unwahrscheinlich. Sollte sich allerdings die Euro-Krise noch einmal verschärfen, die Risikoneigung der Investoren dramatisch zurückgehen, würde der Franken als sicherer Hafen wieder angesteuert und die Marke zumindest wieder getestet werden. Da ich die Zuversicht der EZB und vieler anderer Beteiligter in Sachen Euro-Krise nicht hundertprozentig teile, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Euro jetzt schon die Trendwende hin zu alten Höhen bei 1,50 EUR/CHF eingeleitet hat. Aber der jetzt erfolgte Ausbruch könnte das Währungspaar bis knapp an die 1,25er Marke führen.

Das andere Risiko dieses aufgeblähten Fremdwährungsportfolios besteht darin, dass die Notenbank damit den Franken an die anderen Währungen quasi „koppelt“, das heißt, sich auch eine eventuelle Inflation in diesen anderen Währungsgebieten mit einkauft. Das dürfte aktuell allerdings auch noch kein ernsthaftes Problem darstellen, kämpft doch die Schweiz nun schon seit 15 Monaten mit durchweg fallenden Preisen. Auch im Dezember lag das Minus mit 0,4 Prozent zum Vorjahresquartal wieder leicht über den Erwartungen der Experten. Dieser Trend sollte sich erst im Jahr 2014 wieder umkehren. Die einzigen Preise, die zur Zeit in der Schweiz steigen, sind die Immobilienpreise. Diesen Markt bekommen die Eidgenossen nicht in den Griff, auch die im Sommer eingeführten Vorschriften für erhöhte Kapitalanforderungen der Banken für Hypothekenkredite haben noch nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Damit befindet sich die SNB auch in einem Dilemma. Mit Blick auf die sich zuspitzende Situation am Häusermarkt müsste sie die Zinsen eigentlich erhöhen, würde damit aber wieder einen Ansturm auf den Franken auslösen, dem sie mit verstärkten Interventionen am Devisenmarkt wieder begegnen müsste. Eine Zinserhöhung wäre auch deshalb unsinnig, da ein solcher Schritt die Schweiz noch tiefer in die Deflation stürzen würde, was Gift für die wirtschaftliche Entwicklung wäre. Aber auch die jetzt aufkommenden Spekulationen, die SNB könnte in diesem Umfeld eine Anhebung der Untergrenze von derzeit 1,20 EUR/CHF erwägen und so den Franken weiter schwächen, würde ich nicht so ernst nehmen. Die Glaubwürdigkeit, die sie mit der erfolgreichen Verteidigung der gesetzten Marke von 1,20 EUR/CHF erlangt hat, wird sie nicht so leichtsinnig wieder aufs Spiel setzen wollen. Eine höhere Untergrenze würde auch mehr Kraft und damit noch höhere Devisenreserven erfordern.

Aktuell ist zwar der Optimismus ungebrochen, die Eurozone hätte ihre Krise beendet, die Weltwirtschaft würde dank den guten Zahlen aus China wieder schneller auf die Beine kommen als gedacht und auch Amerika würde – gerade einmal vom Sprung von der Klippe gerettet – zu neuem kräftigem Wachstum zurückkehren, aber ich traue dem Braten noch nicht so ganz. Gerade diese scheinbare Ruhe bestärkt mich weiter in dem Gefühl, eine Korrektur an den Märkten ist nur eine Frage der Zeit und mit ihr eine Besinnung zu alten Tugenden, sprich sicheren Häfen, zurück. Das würde auch den Franken wieder stärken. Allerdings will ich nicht ausschließen, dass EUR/CHF jetzt noch bis an die Marke von 1,25 läuft, bevor dann der Rückwärtsgang noch einmal eingelegt wird.

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  • 2013-01-15 13:14:42
    Anthean

    Ich bin ja gespannt ...

    wie sich der EurChf weiterentwickelt. Ich sehe schon das mögliche Szenario, daß in 10,15 Jahren die Häuslbauer, die den Chf-Kredit jetzt Dank der großen Panikmache der Banken in einen Euro-Kredit gewechselt haben, den Differenzen nachtrauen. Die Banken haben dann zweimal verdient, die Kreditnehmer zweimal verloren.

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