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Weltwirtschaft stabilisiert - Moderate Beschleunigung in Sicht

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11. Jänner 2013 10:29

Politik bestimmt Weltwirtschaft

Die Finanzmärkte werden auch 2013 vor allem von den Folgewirkungen der Staatsschuldenkrise bestimmt. Die EZB hat allerdings das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion eingedämmt. Vor diesem Hintergrund werden die Finanzmärkte 2013 auch stark von politischen Einflüssen geprägt sein. In Europa muss weiterhin die Staatsschuldenkrise bekämpft werden, die US-Politik ist gefordert das Fiscal Cliff zu umschiffen und die neue chinesische Führung steuert ein etwas moderateres Wachstum an. Wir sind zuversichtlich, dass alle Problembereiche zufriedenstellend gelöst werden, obwohl vereinzelte Turbulenzen vor den zahlreichen notwendigen Entschlüssen wahrscheinlich sind. 

Eurozone auf dem richtigen Weg

Die Staatsschuldenkrise hat die gesamte Eurozone in eine ausgeprägte Rezession gerissen. Zwischen dem 4. Quartal 2011 und dem 3. Quartal 2012 wurde in drei Quartalen ein negatives Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorquartal ausgewiesen, und einmal stagnierte die Wirtschaft lediglich. Auch für das Schlussquartal 2012 ist ein markantes Minus zu befürchten, wobei die Rezession mittlerweile auch Kernländer der Eurozone wie Deutschland oder Österreich erfasst. Obwohl die harten Wirtschaftsdaten noch wenig Raum für Optimismus erlauben, denken wir, dass die Eurozone bereits das Schlimmste überstanden hat.

 

Anpassungsprozesse wirken

Die tiefgreifenden Reformen in den Peripherieländern zeigen erste Wirkung, was sich in geringeren Budgetdefiziten und einer gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit (fallende Lohnstückkosten) widerspiegelt. Länder wie Griechenland, Spanien, Italien, Irland und Portugal gehen unter dem Druck der Märkte ihre schwerwiegenden Probleme an, auch wenn aufgrund der Misere vielfach noch keine Erleichterung spürbar ist und die Reformen kurzfristig die Krise sogar noch verschärfen. Am ehesten erkennt man Fortschritte in Irland, aber bis auch in Europas Süden die Reformen zu positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt führen (Arbeitslosenrate in der Eurozone derzeit 11,7 %), wird wohl noch einiges an Zeit vergehen. Es wird auch weiterer Rettungsmaßnahmen bedürfen, vor allem in Griechenland, das immer noch unter einer viel zu hohen Gesamtverschuldung von rund 160 % des Bruttoinlandsproduktes leidet. Auch die Korrektur der Immobilienpreise in Spanien ist noch nicht abgeschlossen, was dem spanischen Bankensektor weiter Probleme bereiten dürfte. Kritisch sehen wir die Lage in Frankreich, dessen Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren kontinuierlich gelitten hat und dessen Politik bislang noch wenig Reformbereitschaft gezeigt hat.

 

EZB-Politik gibt Rückhalt

Die Lage an den Finanzmärkten ist aber derzeit unter Kontrolle, denn die EuropäischeZentralbank (EZB) hat mit ihrem Bekenntnis vom vergangenen August, alles Notwendige zu unternehmen, um die Währungsunion vor dem Kollaps zu retten, das Renditeniveau der Staatsanleihen von Krisenstaaten massiv nach unten gedrückt. Der in vielen Staaten stattfindende Reformprozess wird also durch tragbare Zinsniveaus bei der Refinanzierung der Staatsschulden unterstützt. Das Abebben der Krise wird auch durch die Tatsache verdeutlicht, dass der Kapitalabfluss aus den Peripherieländern gestoppt werden konnte und zuletzt erstmals seit Mitte 2011 wieder ein Kapitalzufluss stattfand. Dieses Umfeld stimmt uns zuversichtlich, dass sich die Eurozone im Laufe des Jahres 2013 aus der Rezession befreien kann – allerdings benötigt dies noch etwas Zeit und die volle Unterstützung von EZB und Politik. In Summe erwarten wir für den Euroraum 2013 lediglich ein Nullwachstum. Deutschland und andere Kernländer sollten zwar ein höheres Wachstum erzielen, die südlichen Peripheriestaaten werden allerdings noch im Minus verweilen. 2014 erscheint es aber realistisch, dass die Eurozone zu ihrem Potenzialwachstum von rund 2 % zurückfindet.

 

US-Wirtschaft auf gutem Weg

Mit massiver Unterstützung der USNotenbank (Fed) und lockerer Steuerpolitik ist es den USA gelungen, ein moderates Wirtschaftswachstum von rund 2 % zu erreichen. Seit einem halben Jahr werden monatlich wieder rund 150.000 neue Stellen geschaffen, was auch zu einem leichten Rückgang der Arbeitslosenrate auf 7,7 % führte. Die durch die Fed nach unten

gedrückten Zinsen für Hypothekarkredite lösten einen neuen Aufschwung am Immobilienmarkt aus, und günstigere Preise für Energie unterstützen die US-Wirtschaft. Dies lässt hoffen, dass sich der schwache private Konsum erholt.

 

Einigung im Fiskalstreit nötig

Dennoch ist die Unsicherheit um die US-Konjunktur groß – diese Verunsicherung ist auch in wichtigen Vorlaufindikatoren wie z.B. den ISM-Indizes abzulesen. Es bedarf einer raschen Einigung von Demokraten und Republikanern, damit die Steuererleichterungen auch im neuen Jahr bestehen bleiben. Geschieht dies nicht, würden die USA über das Fiscal Cliff und damit in eine Rezession stürzen. Der Staat würde in diesem Fall über Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen der Wirtschaft Stimulus entziehen, der rund 4 % des Bruttoinlands-produktes entspricht. Wir denken, dass eine Einigung der Parteien möglich ist und am Ende nur eine geringfügige Reduktion des hohen Budgetdefizites (7,6 % in 2012) übrig bleibt. Trotzdem werden die verbleibenden Einsparungen etwas belasten, weshalb wir für 2013 ein Wirtschaftswachstum von knapp unter 2 % und für 2014 von 2,5 % ansetzen.

 

Japan in der Rezession

Japan ist im 2. Halbjahr 2012 wieder in die Rezession zurückgefallen. Nach einem negativen BIP-Wachstum im 3. Quartal 2012 von -0,9 % gegenüber dem Vorquartal sehen auch die Aussichten für das Schlussquartal nicht gut aus. Die Schwäche zieht sich mit dem privaten Konsum, den Investitionen und dem Export über de facto alle Wirtschaftsbereiche. Belastend ist auch der Insel-Disput mit China, der die Beziehungen mit dem wichtigsten Handelspartner stört. Es ist wenig verwunderlich, dass die Rufe nach geld- und fiskalpolitischer Unterstützung trotz einer ausuferenden Staatsverschuldung von über 200 % des Bruttoinlandsproduktes immer lauter werden und der LPD von Abe bei den jüngsten Wahlen zu einem fulminanten Sieg verhalfen. Das Wahlversprechen waren umfangreiche Konjunkturprogramme durch gesteigerte öffentliche Ausgaben und eine aggressive Geldpolitik, die das Wachstum beflügeln sollen.

 

China mit positiver Dynamik

In China hat sich die Konjunktur wie geplant abgekühlt, eine sanfte Landung der Konjunktur scheint gelungen zu sein. Nachdem 2012 das Wirtschaftswachstum bei knapp 8 % zu liegen gekommen sein dürfte, erwarten wir 2013 aufgrund neuer Investitionsprojekte eine leichte Steigerung auf knapp über 8 %. Die neue politische Führung in China ist der Ansicht, dass ein Wachstum in dieser Größenordnung ausreiche, um bis 2020 eine „wohlhabende Volkswirtschaft“ zu schaffen. Sollte das Wachstum wider Erwarten zurückgehen, ist neben expansiver Fiskalpolitik wieder viel Platz für geldpolitische Lockerungen vorhanden, da die Inflation zuletzt nur noch 1,7 % betrug.

 

Schwellenländer weiter Wachstumsträger

Ähnlich ist der Trend in den meisten anderen Emerging Markets. Nach einer kleinen Abkühlung 2012 dürfte das Wirtschaftswachstum 2013 wieder etwas zulegen. Dies sollte u.a. für Indien, Brasilien, Türkei, Tschechien und Ungarn zutreffen. In diesen Ländern sollte die bereits eingeläutete geldpolitische Lockerung das Wirtschaftswachstum stimulieren. Etwas weniger Wachstum als 2012 erwarten wir hingegen u.a. in Russland und Polen. Da aber für diese Länder ebenfalls Zinssenkungen absehbar sind, sollte die Konjunkturdelle überschaubar bleiben.

 

Krisenmanagement stimmt zuversichtlich

In Summe ergibt sich für die Weltwirtschaft sowohl 2013 als auch 2014 ein hoffnungs-voller, wenn auch nicht euphorischer Ausblick. Es ist allerdings zu betonen, dass der Konjunkturmotor ohne die teils gewaltigen Stimuli von Politik und Notenbanken nicht so rund laufen würde. Die globalen Akteure dürften sich aber ihrer Verantwortung bewusst sein und einen „Betriebsunfall“ zu verhindern wissen. Manche Entscheidungen werden auch im neuen Jahr Zeit brauchen, weshalb Spannungen an den Finanzmärkten von Zeit zu Zeit auftauchen dürften. Das Krisenmanagement sollte global aber mittlerweile so gut eingespielt sein, dass eine Panik an den Finanzmärkten vermieden werden kann.






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