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Marktausblick Rentenmärkte

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06. Jänner 2013 08:21

USA

Die nächste Woche ist an Datenveröffentlichungen arm. Erwähnenswert sind die Handelsbilanzzahlen für November, wobei wir mit einer unspektakulären Stagnation des Handelsbilanzdefizits auf dem Oktoberniveau von USD 42,2 Mrd. rechnen. Darüber hinaus wird mit dem Importpreisindex die erste Indikation für die Entwicklung des Preisniveaus im Dezember veröffentlicht. Wir gehen von einem erneuten Rückgang im Vormonatsvergleich aus, die Vorjahresrate dürfte damit noch tiefer in negatives Terrain abtauchen.

Die Rentenmärkte reagierten überraschend betrübt auf die Einigung zur Umschiffung der Fiskalklippe. US-Staatsanleihen erlitten seit Mitte der Woche spürbare Kursverluste. Die Rendite 10-jähriger Papiere legte 20 Basispunkte auf 1,95 % zu. Hierzu beigetragen hat auch das gestern Abend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der jüngsten Zinsentscheidung der Fed. Aus diesem geht hervor, dass die grossvolumigen Käufe von Anleihen (QE3+) wohl noch im Laufe dieses Jahres wieder eingestellt werden.

Wir halten den zwischen Demokraten und Republikanern ausgehandelten Kompromiss für einen faulen: Es wurde lediglich das Thema der höheren Steuerbelastung angegangen, die drohenden Ausgabenkürzungen wurden einfach um zwei Monate aufgeschoben. Wirklich viel gewonnen wurde also nicht, denn ob die Ausgabenkürzungen ab Jänner oder ab März wirksam werden, ist aus konjunktureller Sicht ziemlich egal. Und an der Notwendigkeit massiver Einschnitte bei den Ausgaben ist nicht zu rütteln. So mag die Summe von USD 737 Mrd., um die das Haushaltsdefizit nach Berechnungen des Weißen Hauses in den nächsten zehn Jahren aufgrund der höheren Steuereinnahmen gesenkt werden soll zunächst beeindruckend klingen. Hält man sich aber vor Augen, dass das Haushaltsdefizit alleine im Fiskaljahr 2012 bei USD 1.100 Mrd. lag, sieht man schnell, dass das angestrebte Konsolidierungsvolumen nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist. Die Politik ist also trotz der „Einigung“ zur Vermeidung der Fiskalklippe de facto keinen Schritt weiter. Wir gehen daher davon aus, dass die Unsicherheit an den Märkten in den nächsten Wochen wieder deutlich zunehmen wird, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass man ich nun rasch auf den großen Wurf zu möglichst Konjunktur schonenden Ausgabenkürzungen einigen wird. Nachdem sich die Republikaner als Verlierer des Steuer- Kompromisses fühlen müssen, dürften sie bei den Verhandlungen zu den Ausgabenkürzungen nun besonders unnachgiebig auftreten. Wir sehen eine Eskalation wie im Sommer 2011 bei den Verhandlungen zur Anhebung der Schuldenobergrenze als das wahrscheinlichste Szenario an. Die Rentenmärkte dürften daher ihren Abwärtstrend nicht mehr lange fortsetzen. Zumal auch die US-Notenbank keinerlei Interesse an einem ausgeprägten Renditeanstieg hat. Wir halten daher an unserer Einschätzung fest, dass es einen nachhaltigen Renditeanstieg bei 10jährigen Staatsanleihen über 2 % erst ab Jahresmitte 2013 geben wird.



Eurozone

Mit den Umfrageindikatoren der EU-Kommission (Verbrauchervertrauen, Industriesentiment, Wirtschaftsklima, etc.) werden die letzten relevanten Konjunkturvorlaufindikatoren für den Monat Dezember veröffentlicht. Die Ergebnisse anderer Erhebungen lassen einen Anstieg erwarten. Mit dem Sentix Index für den Euroraum steht auch die erste Konjunkturumfrage für den Jänner an. Wir gehen von einer weiteren Aufhellung der Stimmung aus. Weiters von Interesse sollten Industriedaten aus einzelnen EUR Ländern sein. In Deutschland und Frankreich erwarten wir nach dem heftigen Rückfall der Produktion in den zwei Monaten zuvor im November einen Rebound. Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte dagegen im Vergleich zum Vormonat erheblich zurückgehen.

Neben den Wirtschaftsdaten steht die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank im Fokus. Allerdings dürfte die erste Pressekonferenz im neuen Jahr zum Non-Event verkümmern. Zwar könnte EZB Chef Draghi erste positive Signale einer Konjunkturstabilisierung betonen. Die Wortwahl zum Konjunktur- und Inflationsausblick bleibt in Summe aber wohl weitgehend unverändert. Vor allem dürften weder Zinsänderungen noch andere geldpolitische Maßnahmen signalisiert werden. Letzte Hoffnungen auf baldige eine Zinssenkung sollten somit endgültig zerstreut werden. Letzteres scheint uns aber auf den Zinsmärkten bereits weitgehend eingepreist.

Am Sekundärmarkt scheint die lange erwartete Aufwärtskorrektur bei den Renditen von „safe-havens“ um den Jahreswechsel eingeläutet worden zu sein. Allerdings sind es bislang vor allem US-Themen (Umschiffung der fiskalischen Klippe, Sitzungsprotokoll der Fed), welche auch die Renditen von deutschen, österreichischen oder niederländischen Anleihen nach oben treiben. Für einen weiteren nachhaltigen Renditeanstieg fehlen noch überraschend positive Daten zur wirtschaftlichen oder budgetären Entwicklung in den südlichen EUR Ländern. Im Jahresverlauf erwarten wir uns vor allem Lichtblicke bei der Konjunkturentwicklung sowie Fortschritte beim Abbau von wirtschaftlichen Ungleichgewichten. Der Renditetrend deutscher Anleihen sollte daher nach oben gerichtet sein, die Spreads der meisten EUR Länder dürften einlaufen. Die starken Kursrückgänge bei Bundesanleihen in den vergangenen Tagen machen aber alsbald Gewinnmitnahmen wahrscheinlich. Wir empfehlen daher zunächst Gegenbewegungen in den nächsten Tagen abzuwarten, um neue Short Positionen einzugehen.

Der Primärmarkt kehrt in den kommenden Tagen zu seiner vollen Aktivität zurück. Die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Malta, Belgien und Italien auktionieren Geldmarktpapiere. Anleiheemissionen sind in den Nieder landen, Österreich, Deutschland, Spanien, Italien und Belgien angesagt.






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