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Marktausblick Rentenmärkte

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30 December 2012 08:13

USA

Die erste Januarwoche wartet gleich mit den beiden Daten-Schwergewichten des Monats auf: Am Mittwoch wird der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe bekannt gegeben, am Freitag wird der Arbeitsmarktbericht für Dezember veröffentlicht. Für den ISM-Index liefern die Vorgaben der bis dato vorliegenden regionalen Stimmungsindikatoren ein in Summe leicht positives Bild. Wir rechnen daher mit einem Anstieg um 1 Punkt auf 50,5 Punkte. Für den Arbeitsmarktbericht sind wir dagegen etwas weniger zuversichtlich gestimmt als die Mehrheit der Analysten. Im Durchschnitt der letzten drei Monate hatte das Beschäftigungsplus bei 139 Tsd. Stellen gelegen. Aufgrund der zugespitzten Lage im Streit über die fiskalische Klippe sowie der damit verbundenen Unsicherheit halten wir es für wahrscheinlich, dass die Unternehmen im Dezember bei den Neueinstellungen einen Gang zurückgeschaltet haben. Ausserdem war die Beschäftigungskomponente sowohl in der ISM Umfrage für das Verarbeitende Gewerbe als auch für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe im November um jeweils rund 4 Punkte auf bzw. unter 50 Punkte abgesackt. Eine spürbar positivere Einschätzung der Beschäftigungsaussichten durch die Unternehmen halten wir im Dezember wie gesagt für wenig wahrscheinlich. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 7,7 % gelegen haben. Die übrigen relevanten Daten der ersten Januar woche sind der ADP-Beschäftigungsbericht (Do) und der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich (Fr). Besonders interessant dürfte dieses Mal auch die Lektüre des Sitzungsprotokolls der Fed Zinsentscheidung sein (Do). Die Währungshüter hatten am 13. Dezember überraschend eine Zielmarke für die Arbeitslosenquote bekannt gegeben.

Wie von uns erwartet werden die Verhandlungen zur Entschärfung der fiskalischen Klippe zum Geduldsspiel. Mittlerweile liegen die Nerven auf beiden Seiten ziemlich blank und man ergeht sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen, anstatt konstruktiv nach einer Kompromisslösung zu suchen. Gestern rüttelte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid mit einer Tirade an Vorwürfen an den politischen Gegner die Märkte wach. Zahlreiche Marktakteure scheinen sich in den letzten Wochen regelrecht eingelullt zu haben mit dem Glauben daran, dass in Sachen fiskalische Klippe schon irgendwie rechtzeitig eine Lösung präsentiert werden würde. Nun zeichnet sich aber ab, dass es zumindest bis zum Jahresende keine Einigung geben wird und sämtliche Gesetze zur Ausgabenbegrenzung bzw. Einnahmenerhöhung ab 1. Jänner erst einmal greifen werden. Entsprechend nervös fiel die gestrige Reaktion an den Rentenmärkten aus: Die Rendite 10jähriger Staatsanleihen sank auf 1,72 % und liegt damit knapp 10 Basispunkte niedriger als noch vor rund einer Woche. Präsident Obama will nun am Wochenende einen letzten Versuch unternehmen, doch noch vor dem 1. Jänner eine Lösung zu erzielen. Wir sehen die Erfolgsaussichten aber als minimal an. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der öffentliche Druck auf beide Lager erst im Laufe des Jänners so gross wird, dass man sich zu einer Lösung zusammenraufen wird. An den grossen Wurf glaubt aber auch dann inzwischen kaum jemand mehr. Es dürfte sich nur um einen Minimalkompromiss handeln. Zu allem Überfluss gab Finanzminister Geithner gestern zudem noch bekannt, dass die Schuldenobergrenze in den nächsten Tagen erreicht werden wird. Eine Anhebung muss bis Ende Februar erfolgen, da dem Staat ansonsten ähnlich wie im Sommer 2011 die Zahlungsunfähigkeit droht. Bis zu einer Lösung, die sowohl die fiskalische Klippe als auch die Schuldenobergrenze umfasst wird der Druck auf die Renditen gross bleiben, zumal die Konjunktur im ersten Quartal so oder so einen Dämpfer erhalten wird. Wir sehen die Rendite 10jähriger Papiere daher bis Frühjahr 2013 weiter in der seit Juni bestehenden Spannbreite zwischen 1,5 % und 1,9 %. Mit der von uns erwarteten Zunahme der konjunkturellen Dynamik ab Frühling 2013 sollte die Rendite dann auf 2 % klettern.



Eurozone

Nachdem in den letzten Tagen feiertagsbedingt relevante Datenveröffentlichungen Mangelware waren, machen im neuen Jahr mit dem spanischen und dem italienischen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (Dezember) kommende Woche gleich zwei Datenhighlights den Auftakt. Für Spanien rechnen wir im Gegensatz zum Konsens mit einem weiteren - wenn auch nur geringen - Anstieg. Der positive Trend der vergangenen Monate sollte sich somit fortsetzen. Ebenfalls zulegen dürfte der entsprechende Index in Italien, nachdem in den beiden Monaten zuvor ein Rückgang verzeichnet worden war. Auch bei den Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungsbereich erwarten wir in beiden Ländern eine Stimmungsverbesserung. Nichtsdestotrotz befinden sich sämtliche Einkaufsmanagerindizes in Spanien und Italien deutlich unter der 50-Punkte-Marke und damit auf Rezessionsniveau. Die Rezession dauert also in den kommenden Monaten an, verliert aber an Intensität. Neben den Konjunkturumfragen stehen Daten zur Inflations- und Geldmengenentwicklung im Mittelpunkt. Die vorläufige Schätzung der Preisentwicklung in der Eurozone für den Monat Dezember dürfte weiter nachlassenden Inflationsdruck signalisieren. Und auch von Seiten der Geldmengenentwicklung geht derzeit keine Gefahr aus; wir erwarten für das breite Aggregat M3 im November einen schwächeren Zuwachs im Jahresvergleich (3,5 % p.a.) als im Oktober.

Nachdem das Popolo della Liberta (PdL) der Technokraten-Regierung Montis einige Wochen vor dem Ende der regulären Legislaturperiode ihre Unterstützung entzogen hat, werden die Parlamentswahlen in Italien vermutlich auf den 24. Februar vorverlegt werden. Mario Monti reichte Ende vergangener Woche unmittelbar nach der Verabschiedung des Budgetgesetzes seinen Rücktritt ein und präsentierte beinahe zeitgleich seine Agenda für die kommende Legislaturperiode. Gegenwärtig bastelt er in enger Kooperation mit zwei Zentrumsparteien (UdC, Italia Futura) an einer eigenen Liste. Aufgrund des hohen Anteils an noch unentschlossenen Wählern sehen wir sowohl für die Zentrumsparteien als auch für das PdL mit Berlusconi als Spitzenkandidat noch einiges an realisierbarem Wählerpotenzial. Da das von Pier Luigi Bersani geführte Mitte-links Wahlbündnis (PD, SEL) mit einer Zustimmung von knapp 40 % klar voranliegt, dürfte diesem die Mehrheitsprämie im Parlament aber kaum noch zu nehmen sein. Aufgrund der zersplitterten Parteienlandschaft und die für Parlament und Senat unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung der Mehrheitsprämie gehen wir dennoch davon aus, dass die Unsicherheit bis zu den Wahlen hoch bleiben wird. Unter Annahme eines Hilfsantrags der spanischen Regierung erwarten wir im Laufe des ersten Quartals eine Outperformance spanischer gegenüber italienischen Anleihen am Sekundärmarkt.

Der Bund-Future beendete das Jahr in unmittelbarer Nähe seiner Jahreshöchststände, die entsprechende Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen ist damit neuerlich auf rund 1,30 % gesunken. Sollte das „Fiscal Cliff“ in den USA erst im Jänner entschärft werden (wonach es derzeit aussieht), würde das vorher wohl kurzfristig Druck auf Aktienmärkte und andere riskantere Anlageformen ausüben (obwohl sich diese derzeit noch sehr unbeeindruckt zeigen), was den Bund-Future kurzfristig sogar noch höher treiben wird. Weitere Unterstützung könnte dem Bund Anfang des Jahres durch den italienischen Wahlkampf entstehen (wann immer der Reformprozess dort bedroht erscheint sollte der Bund-Future steigen). Damit dürfte der Staatsanleihenmarkt in DE (und damit auch AT) aber seine besten Zeiten im neuen Jahr mit dem ersten Quartal 2013 auch schon hinter sich haben. Zwar sind steigende EUR-Leitzinsen 2013 kein Thema, was den Spielraum für höhere Anleiherenditen begrenzt; erholen sich die Konjunkturvorlaufindikatoren aber im ersten Halbjahr weiterhin wie von uns erwartet und signalisieren damit ein Ende der Rezession, so führt das üblicherweise auch bei Staatsanleihen zu einem ersten Renditeschub nach oben (insbesondere bei längeren Laufzeiten ab 5 Jahren). Da wir ausserdem unverändert davon ausgehen, dass spätestens unter dem Druck fallender Aktienmärkte eine Einigung im US-Fiskalstreit rechtzeitig kommen wird, um dort eine Rezession zu vermeiden, und auch die Wahlen in Italien letztendlich die Budgetsanierung nicht rückgängig machen werden, werden zehnjährige Renditen unter 1,30 % 2013 nicht lange Bestand haben. Dementsprechend wenig ist 2013 als Jahresperformance von sicheren Staats anleihen zu erwarten: Selbst bei einem Renditeanstieg von zu Jahresbeginn 1,30 % auf nur 1,5 % zum Jahresende würde der daraus resultierende Kursrückgang bei zehnjährigen Anleihen den Kupon-Ertrag mehr als auffressen und eine negative Jahresperformance verursachen. Eine Geldmarktveranlagung /Kauf variabel verzinster Anleihen wird deshalb 2013 fix verzinste Staatsanleihen der „sicheren Häfen“ wohl deutlich schlagen, für deutsche Staatsanleihen ist ab zwei Jahren Restlaufzeit eine negative Jahresperformance zu erwarten.

Am Primärmarkt bleibt es auch in den kommenden Tagen ruhig. Nur Frankreich und Deutschland haben sich mit Anleiheemissionen angesagt. Frankreich plant zudem eine Auktion von Geldmarktpapieren.






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