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Wie funktioniert die Währungssicherung?

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21. Dezember 2012 13:43

Wer in Basiswerte investiert, die nicht in Euro gehandelt werden, trägt immer auch ein Wechselkursrisiko. Bei Zertifikaten kann dieses Risiko über den sogenannten Quanto-Mechanismus jedoch ausgeschaltet werden.

Viele Basiswerte notieren nicht in der europäischen Gemeinschaftswährung Euro. Die überwiegende Mehrheit der Rohstoffe wird beispielsweise in US-Dollar gehandelt, so dass für Anleger in Deutschland bei einem Rohstoffinvestment neben der Entwicklung des jeweiligen Rohstoffs auch die Entwicklung des Euro zum US-Dollar von Bedeutung ist. Für Anleger ergibt sich daraus sowohl eine zusätzliche Chance als auch ein zusätzliches Risiko. Gegen eine mögliche ungünstige Wechselkursentwicklung, eine Abwertung des US-Dollar gegen den Euro können sich Anleger schützen: Quanto heißt das Zauberwort. Quanto steht für Quantity Adjusted Option und ist der Namenszusatz für währungsgesicherte Finanzprodukte. Der Effekt einer solchen Währungssicherung ist leicht verständlich, denn für die Berechnung des Zertifikatepreises wird bei Quanto-Produkten die Wechselkursentwicklung nicht berücksichtigt. Das bedeutet: Diese Produkte bilden die Performance des jeweiligen Basiswertes mit einem konstanten Wechselkurs von eins ab.

Was beeinflusst die Quanto-Gebühr?

Einen Wermutstropfen hat der Quanto-Mechanismus jedoch: Er ist nicht immer kostenlos. Um die Funktionsweise zu verdeutlichen, betrachten wir ein Partizipations-Zertifikat auf Gold mit einer Quanto-Funktion. Die Höhe der Quantogebühr hängt grundsätzlich von drei Faktoren ab: der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen, der Volatilität des Goldpreises und des Wechselkurses sowie der Korrelation zwischen dem Wechselkurs und dem Goldpreis.

Betrachten wir zunächst die Auswirkung der Zinsdifferenz zwischen beiden Währungsräumen. Wir nehmen der Einfachheit an, dass Gold bei 1.000 US-Dollar je Feinunze notiert, der Euro-US-Dollar-Wechselkurs bei 1,50 Euro/US-Dollar und die Euro-Tagesgeldzinsen bei vier Prozent p.a. liegen. Die US-Dollar- Tagesgeldzinsen betragen fünf Prozent p.a.. Das Partizipations-Zertifikat notiert bei 1.000 Euro. Kauft nun ein Anleger ein solches Zertifikat, erhält die Société Générale 1.000 Euro und muss das entsprechende Absicherungsgeschäft vornehmen. Da Gold in US-Dollar notiert, werden die 1.000 Euro zu vier Prozent angelegt und gleichzeitig ein Kredit in Höhe von 1.500 US-Dollar aufgenommen, um die notwendige Menge Gold erwerben zu können. Für den Kredit fallen Zinsen in Höhe von fünf Prozent p.a. an. Nehmen wir jetzt an, dass die Zinsen und der Wechselkurs konstant bleiben, sich der Goldpreis binnen Jahresfrist jedoch auf 2.000 US-Dollar verdoppelt. Das Quanto-Partizipations-Zertifikat hätte in diesem Fall einen Wert von 2.000 Euro. Aus Emittentensicht sind aus den 1.500 US-Dollar, die in Gold investiert wurden, 3.000 US-Dollar geworden. Bei einem Wechselkurs von 1,5 Euro/US-Dollar entsprechen 3.000 US-Dollar genau 2.000 Euro. Aufgrund der positiven Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen sind jedoch Kosten in Höhe von 10 Euro für die Währungsabsicherung entstanden. Während mit der Anlage von 1.000 Euro 40 Euro Zinsen erzielt werden konnten, sind Kreditkosten in Höhe von 75 US-Dollar (entsprechen 50 Euro) entstanden. In einem solchen Szenario würde die Quanto-Gebühr also zehn Euro oder ein Prozent betragen.

Der zweite wichtige Einflussfaktor auf die Höhe der Quanto-Gebühr ist die Korrelation zwischen dem Euro-US-Dollar-Wechselkurs und dem Goldpreis. Diese statistische Kennzahl beschreibt, ob zwei Variablen – hier der Goldpreis und der Euro-Dollar-Wechselkurs – dazu neigen, sich im Gleichklang (in diesem Fall wäre die Korrelation nahe +1) oder entgegengesetzt (Korrelation nahe -1) zu entwickeln. Grundsätzlich gilt, dass eine Quanto-Absicherung umso teurer ist, je höher die Korrelation zwischen dem Wechselkurs und der Kursentwicklung des Basiswertes ist. Betrachten wir zunächst eine Situation, in der sich der Goldpreis und der Euro-US-Dollar-Wechselkurs sehr ähnlich bewegen. In unserem Beispiel bedeutet dies, dass ein Anstieg des Goldpreis mit einer Aufwertung des Euro verbunden ist. Wäre der Euro-US-Dollar-Wechselkurs etwa von 1,5 auf 1,55 Euro/US-Dollar gestiegen, hätten die 3.000 US-Dollar nur noch einen Wert von 1.935 Euro. Während der Besitzer eines Quanto-Zertifikates einen Anspruch auf eine Rückzahlung von 2.000 Euro, stehen dem Emittenten aus seinem Absicherungsgeschäft nur 1.935 Euro zur Verfügung. Dies würde einer Quanto-Gebühr von 6,5 Prozent entsprechen.

Betrachten wir den umgekehrten Fall, in dem sich der Goldpreis und der Euro-US-Dollar-Wechselkurs entgegengesetzt bewegen. Ist der Anstieg des Goldpreises beispielsweise mit einer Abwertung des Euro von 1,5 auf 1,45 Euro/US-Dollar verbunden, hätten die 3.000 US-Dollar einen Wert von 2.068 Euro. Dies würde dann zu einer negativen Quanto-Gebühr in Höhe von 6,8 Prozent führen.

Neben der Zinsdifferenz und der Korrelation beeinflussen auch die Volatilitäten des Wechselkurses und des Goldpreises die Kosten einer Währungssicherung. Der für Optionen und Optionsscheine geltende Zusammenhang, dass hohe Volatilitäten die Dinge teurer machen, besitzt auch hier Gültigkeit. Dies kann man sich wie folgt verdeutlichen: Bei einem extrem schwankungsintensiven Goldpreis bzw. Wechselkurs wird sowohl ein sehr hoher als auch ein sehr niedriger Gold- bzw. Wechselkurs wahrscheinlicher. Insbesondere in Zeiten sich sprunghaft verändernder Volatilitäten besteht für den Emittenten das Risiko, dass sich der Wert seiner Absicherung deutlich verringert. Ein solches Szenario führt unter sonst gleichen Bedingungen und einer positiven Korrelation zu einer höheren Quanto-Gebühr.

Aus Anlegersicht gilt es zu beachten, dass eine Währungssicherung ein Zertifikat sowohl teurer als auch billiger machen kann. Die entstehenden Kosten betragen in der Regel wenige Prozentpunkte pro Jahr, wogegen die tatsächlichen Wechselkursveränderungen recht ausgeprägt sein können. Daher sollte sich der Anleger vor einer Entscheidung für oder gegen ein Quanto-Zertifikat fragen, ob er mit einer Kursentwicklung rechnet, die eine Absicherung attraktiv erscheinen lässt.








 

 

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