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Börsenhandel: Politik versucht, Computer zu kontrollieren

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03. Dezember 2012 21:45

Der DAX hat heute im Tagesverlauf mit 7.487 Punkten kurzfristig ein neues Jahreshoch erreicht.

Aber wie so oft, konnte das alte Jahreshoch nicht im ersten Versuch geknackt werden.

Am Ende des Handelstages gewann der DAX zwar 0,4%, schloss jedoch mit 7.435 Punkten deutlich unter dem Tageshoch.

Durchwachsene Konjunkturdaten aus den USA sorgten dafür, dass den Bullen (Börsen-Optimisten) die Luft ausging.

Bundesregierung kämpft gegen den Hochfrequenzhandel

Hier im Schlussgong berichte ich regelmäßig über den Hochfrequenzhandel. Innerhalb von Sekundenbruchteilen stellen automatische Computersysteme Kauf- und Verkaufsorder in das Börsensystem.

Wie dominant diese Computersysteme sind, zeigen neueste Schätzungen. An der deutschen Börse sollen die Computerprogramme für 40 bis 50% der Börsenumsätze verantwortlich sein.

In den USA, wo die Technikbegeisterung noch etwas größer ist, soll die Quote bereits bei 60 bis 70% liegen.

Da diese Computersysteme immer wieder für Marktstörungen sorgen, hat die Bundesregierung jetzt beschlossen, die Regeln zu verschärfen.

So müssen sich zukünftig alle Marktteilnehmer, die Hochfrequenzhandel betreiben, vor dem Start registrieren lassen.
Zusätzlich müssen die Hochfrequenzhändler nachweisen, dass ihre automatischen Computersysteme funktionieren.

Die Börsenaufsicht wird das kontrollieren.

Zur Abrundung sollen auch die anderen Börsenteilnehmer besser geschützt werden. Tritt ein Fehler auf, kann der Handel zukünftig noch schneller unterbrochen werden.

Wie wichtig eine schnelle Reaktion ist, zeigen die historischen Beispiele, die ich Ihnen hier im Schlussgong bereits vorgestellt habe.

Im Mai 2010 wurde die US-Börse erschüttert

Im Mai 2010 haben die Maschinen die erste große Schlacht gewonnen. Am 6. Mai 2010 brach der US-Leitindex innerhalb weniger Minuten um fast 10% ein. Einige Standardwerte verloren sogar über 90%.

Nachträglich wurden viele Käufe und Verkäufe wieder gelöscht. Am Ende des Tages war fast nichts mehr vom Minuten-Crash zu sehen.

Auch damals soll eine falsche Verkaufs-Order die Kettenreaktion ausgelöst haben. Die automatischen Handelssysteme verwandelten die Börse dann kurzfristig in ein Blutbad.

Obwohl der deutsche Markt damals nicht betroffen war, habe ich schon damals darauf hingewiesen, dass dieser sinn- und hirnlose Computerhandel den Marktplatz Börse auf Dauer zerstört.

Verrückte Order in Schweden

Je mehr Computerprogramme am Markt zugelassen werden, desto mehr Fehler treten auf. Das Jahr 2012 gilt schon jetzt als Fehler-Rekordjahr.

In den Sommermonaten musste jeweils kurzzeitig der Handel an den Börsen New York, Madrid und Tokio unterbrochen werden.

Die verrückteste Order ist vor wenigen Tagen in Schweden aufgetaucht. An der Stockholmer Börse tauchte eine gigantische Fehl-Order mit einem Volumen von fast 54 Billionen Euro (!) auf.

Diese Order verstopfte das gesamte Börsensystem. Der Handel musste unterbrochen werden.

Neu: Auch Öl und Gold betroffen

Relativ neu ist, dass auch der Rohstoffmarkt betroffen ist. Mitte September brach plötzlich innerhalb von Sekunden der Ölpreis ein. Es gab keine einzige Nachricht, die diesen Kurssturz erklären konnte.

Das „Spiel“ wiederholte sich Ende November am Goldmarkt. Eine computergesteuerte Verkaufsorder sorgte für einen 30-Dollar-Absturz innerhalb weniger Sekunden.

Da der Goldpreis dadurch „technisch“ schwach wurde, folgten viele weitere Verkaufsorder.

Angesichts dieser Ereignisse fragt man sich, warum der Hochfrequenzhandel nicht verboten wird. Zum einen wäre die praktische Umsetzung schwierig, zum anderen verweisen die Befürworter auf die positiven Effekte.

Vorteile: Mehr Liquidität und bessere Preise

Die Befürworter des computergestützten Hochfrequenzhandels nennen 2 Argumente, die für diese Systeme sprechen:

Zum einen sorgen diese Systeme für sehr viel Liquidität am Markt. Dadurch können auch andere Marktteilnehmer schneller ein- und aussteigen.

Zum anderen soll in der Theorie der riesige Umsatz für bessere Preise sorgen. Je mehr Umsatz, desto geringer die Gefahr, dass ein „falscher“ Preis gestellt wird.

Bundesregierung kann wenig ausrichten

Die Bundesregierung will den Hochfrequenzhandel daher nicht verbieten, sondern nur besser kontrollieren. Ob dieses Ziel erfolgreich erreicht wird, darf aber bezweifelt werden.

Zum einen sitzen nur wenige Hochfrequenzhändler direkt in Deutschland. Daher werden nur wenige Marktteilnehmer überprüft.

Zum anderen werden die Aufsichtsbehörden kaum in der Lage sein, Fehler in den Handelssystemen zu finden.

Wer computertechnisch so fit ist, arbeitet im Regelfall nicht in einer Aufsichtsbehörde, sondern auf der anderen Seite für die Händler.

Link: http://www.gevestor.de/news/boers...






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