Alle Einträge dieses Autors nach
» Datum    » letztem Posting    » # Postings    » Abrufen    sortieren
154
views

Der Euro und die zukunftsorientierte Vertragsgestaltung beim Unternehmenskauf

Facebook

01. Dezember 2012 15:00

In den meisten Unternehmen gibt es Notfallspläne für Brandfälle oder den Ausfall eines Computersystems. Aber gibt es Krisenszenarien für eine plötzliche tiefgreifende Erschütterung der Eurozone, wie sie etwa bei Austritt eines Mitgliedstaates aus der Währungsunion zu erwarten wäre?

Wie die Lehman Pleite würde so ein Ereignis wohl viele Unternehmen unvorbereitet treffen. Um die negativen Auswirkungen beim Unternehmenskauf möglichst gering zu halten, sollte bereits bei der Vertragsgestaltung präventiv vorgedacht werden.

Keine gesetzliche Regelung.
In diesem Jahr hat ein möglicher Exodus Griechenlands aus der Eurozone immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Es besteht weitgehende Einigkeit, dass der Austritt eines Staates aus der Währungsunion zwar nicht die Existenz der Gemeinschaftswährung gefährden würde, aber mit Sicherheit zu einer Abwertung beim Umstieg auf die neue Währung des betroffenen Landes führen würde. Die Einführung der neuen Währung müsste von Zwangskonvertierungen von Guthaben auf den Konten des Landes begleitet sein, die wahrscheinlich von zwingenden devisenrechtlichen Vorschriften ergänzt werden würden, um eine Kapitalflucht zu verhindern. Zu beachten ist, dass es zurzeit keine EU-rechtliche Regelung für einen möglichen Austritt eines Mitgliedsstaates aus der Währungsunion gibt. Diese ungewisse rechtliche Situation macht mögliche Auswirkungen auf Verträge mit Vertragspartnern aus betroffenen Staaten nur schwer vorhersehbar; es ist aber evident, dass ein noch nicht bezahlter in Euro denominierter Kaufpreis im Falle einer solchen Zwangskonvertierung eine massive Wertminderung erfahren würde.

Starke Verhandlungsposition des Käufers.
Es ist gängige Marktpraxis, in Unternehmenskaufverträge sogenannte Material Adverse Change Klauseln („MAC-Klauseln“) aufzunehmen, die im Fall einer wesentlichen nachteiligen Veränderung der Geschäftsgrundlage zwischen Signing (Vertragsunterfertigung) und Closing (Vertragserfüllung) zu einer nachträglichen Aufhebung des Vertrages führen. Dem potentiellen Käufer wird dadurch bei Eintritt einer ganzen Reihe von Ereignissen ein frei ausübbares Rücktrittsrecht eingeräumt. Der Verkäufer kann seinerseits versuchen, durch sogenannte „Carve-Outs“ oder durch Aufnahme von quantitativen Schwellen dieses Rücktrittsrecht einzuschränken. Die stärkere Verhandlungsposition liegt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aber regelmäßig beim Käufer, was die Einschränkung seiner Rechte durch den Verkäufer entsprechend schwierig macht.

„Kritische“ Anknüpfungspunkte.
Bei der Gestaltung eines grenzüberschreitenden Unternehmenskaufvertrages ist vor dem Hintergrund der Euro Krise vermehrt auf vertragliche Anknüpfungspunkte zu Staaten zu achten, von deren Verbleib in der Eurozone nicht mit Sicherheit ausgegangen werden kann. Derartige Anknüpfungspunkte, die den stärksten Bezug zu einem Land den Ausschlag geben lassen, bilden laut den Verweisnormen des Internationalen Privatrechts, die Grundlage für die Anwendbarkeit einer nationalen Rechtsordnung, sofern diese nicht ohnehin vertraglich vereinbart ist. Sobald das Recht eines Landes zur Anwendung kommt, das sich aus der Eurozone zurückzieht, greifen auch dessen neu ergangene devisenrechtliche Bestimmungen. Aber auch wenn österreichisches Recht und Gerichtsstand vereinbart wurden, kann nicht somit ausgeschlossen werden, dass zwingende devisenrechtliche Regelungen eines anderen Landes zur Anwendung kommen.

Fazit.
Um Unsicherheiten bei den Marktteilnehmern zu reduzieren, wäre es de lege ferenda wünschenswert, dass die Europäische Union auf europäischer Ebenen einen rechtlichen Rahmen schafft, wie mit allfälligen zukünftigen Austritten von Mitgliedstaaten aus der Eurozone umzugehen ist. Solange dieser Rahmen noch nicht besteht, sollten mögliche rechtliche Konsequenzen, besonders bei starken Anknüpfungspunkten an einen der europäischen Krisenstaaten, bei der Vertragsgestaltung möglichst mitbedacht werden.

Magdalena Frech
m.frech@bkp.at

Druckversion

 






Tags



 

 

English News

Raiffeisen expert sees temporary periods of weakness as good buying opportunity
Erste Bank identified investment trends of Austria’s super rich
Andritz company Schuler will leave the Regulated Market
Erema expands global trial centres and technical support
OMV Norge wins drilling permit for well 7324/7-2 in Barents Sea

>> more: english.boerse-express.com

Disclaimer: Der Börse Express kann für die Richtigkeit der Inhalte keine Haftung übernehmen. Die gemachten Angaben dienen einzig zu Informationszwecken und keinesfalls als Aufforderung zum Kauf/Verkauf von Aktien. Zudem muss konkret darauf hingewiesen werden, dass es sich bei den Beiträgen um die Privatmeinung des jeweiligen Autors handelt. Diese muss nicht mit der Börse Express-Meinung übereinstimmen, kann dieser sogar entgegengerichtet sein.

Copyright-Hinweis: Das vollständige oder teilweise Übernehmen von Beiträgen auf www.be24.at ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung seitens www.boerse-express.com möglich, lediglich die Linksetzung mit Quellenangabe ist authorisiert, aus den Texten darf nichts kopiert werden. Die Rechte liegen bei www.boerse-express.com bzw. bei den Autoren.

Unsere AGB finden Sie hier.

Sie wollen ebenfalls BElogger werden?
Mail to: office@boerse-express.at
© Styria Börse Express GmbH Impressum

powered by
catalyst catalyst



Weitere Online-Angebote der Styria Media Group AG:
Börse Express | foonds.com | Die Presse | ichkoche.at | Kleine Zeitung | typischich.at | willhaben | WirtschaftsBlatt
Schliessen
Als Email versenden