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Verhitlern für die Quote

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31. Oktober 2012 17:53

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Die Demontage des potentiellen Idols Felix Baumgartner


Am 27. Oktober erschien in der Kleinen Zeitung ein so genanntes Interview mit dem österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner, der nicht zuletzt durch seinen „Red Bull - STRATOS“ Stratosphärensprung internationale Berühmtheit erlangt hatte. Die von einem Redakteur der Kleinen Zeitung Steiermark, Klaus Höfler (Chefredakteur des Wirtschafsmagazin Primus) verfassten vier Interviewfragen umfassen insgesamt 32 Wörter. "Ist ein Wechsel in die Politik eine Option für Ihre Zukunft?" war die Einleitung. Ein Teilsatz einer Antwort veranlasste Höfler gleich zu zwei Veröffentlichungen – neben dem Originalinterview gab es noch einen Extra-Artikel in der Chronik vom 28. Oktober. Aus "gemäßigter Diktatur" dichtete die heimische Medienlandschaft inzwischen den Wunsch nach Hitler. Und wie es dem Menschen Baumgartner dabei geht – das erscheint allen völlig egal zu sein. 

„Baumgartner für 'gemäßigte Diktatur'“ war der Titel in der Chronik, „Baumgartner: 'Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen'“ war der Titel des „Interviews“. Eine geplante Sensation, die große Leserzahlen bringt? Warum operiert die Kleine Zeitung, ein für hohe journalistische Qualität bekanntes und geschätztes Blatt plötzlich in einem Stil, den man sonst nur vom inhaltlich „einfachsten“ Boulevard wie „Österreich“ kennt? Die Veröffentlichung führte zu dem, was nach der entsprechenden Titelgebung zu erwarten war: Alle nennenswerten Medien, vom ORF abwärts, schrieben wortgleich von der Kleinen Zeitung ab. Darüber hinaus befleißigten sich sonst besonders political correcte Blätter der Beifügung von Details, die bestens dazu geeignet sind, das öffentliche Ansehen des Menschen Baumgartner völlig zu demolieren. „A klaner Hitler“ wäre der Wunsch Felix Baumgartners, so unterstellt Hans Rauscher vom Standard. Nicht nur in einem neckischen Fragesatz, sondern auch gleich im Titel. Am 31. Oktober setzt Günter Traxler nach und fragt in der selben Zeitung unter der Headline „'Super-Felix' Baumgartner über Sport und Diktatur“„Wo bleibt da Hitler?“. Hitler bringt eben Quote. Und Boulevard auch. Hier will man das Feld wohl nicht kampflos der Kronen Zeitung überlassen - die bei diesem Thema interessanter Weise gar nicht mitspielt. Was niemand fragt: Wo versteckt sich bei dieser Posse eigentlich der seriöse Journalismus? Oder auch: Wie hat Baumgartner das eigentlich wirklich gemeint?

Ein selbstgefälliges Korrektiv wacht
über die Einhaltung der Mittelmäßigkeit

Rechtfertigt der Sager tatsächlich die komplette Demontage eines potentiellen Vorbildes für Millionen von Jugendlichen? Die UN wollte Baumgartner nach seinem Sprung zum Jugend-Botschafter ernennen. Wenig verwunderlich, denn diese Welt hat nicht viele friedliche Vorbilder, die durch Disziplin und Fleiß ihr Lebensziel auf eine Art und Weise erreichen, die dazu geeignet ist, die ganze Welt zu inspirieren. Doch leben wir wohl auch in einem Land, wo still und leise das Mittelmaß zum unanfechtbaren Maß aller Dinge geworden ist. Wo offenbar jeder, der aus der Mitte der „ganz normalen Menschen“ auszubrechen droht um „etwas Besonderes“ zu werden, möglichst schnell die selbstgerechte Kraft des Journalisten-Kollektivs erfahren muss. Ein gestrenges und höchst eigendynamisches Korrektiv wacht darüber, dass alle Köpfe gleichermaßen dort bleiben, wo sie hingehören: unten.

Und so muss wohl aus dem "Weltraum-Helden" ein Buhmann werden, so schnell wie möglich. Vielleicht, damit Herr und Frau Österreicher verstehen: Es gibt da nichts zu erreichen, über dem Mittelmaß. Cluburlaub in der Türkei, ein Strandspaziergang zwische Bibione und Caorle und vielleicht noch ein Ausflug auf den Ballermann haben die größten Abenteuer des Lebens zu bleiben. Wer sich darüber hinaus wagt, wird abgewatscht, insbesondere wenn er die Frechheit besitzt, nicht über ausreichende (politische) Bildung zu verfügen, um den Raubtieren der heimischen Journaille Paroli bieten zu können. Der Hang zur Neidgesellschaft macht hier den Applaus des Publikums möglich.

Bei Stichwörtern wie Diktatur
wird zum heiligen Stellvertreterkrieg gerufen

Es erscheint eine Frage der Kultur zu sein. Und von Respekt. Gegenüber so manchem Außenseiter der Gesellschaft wird beides Tag für Tag von genau diesen Zeitungen und ihren moralisch ach so korrekten Autoren eingemahnt. Diese Regeln scheinen hier nicht zu gelten und entlarven somit auch vorangegangene Moralpredigten als hohles Lippenbekenntnis zur Servicierung der vermeintlichen Stammklientel. Bei Stichwörtern wie„Diktatur“ (sonnenklar, Hitler!) wird zum heiligen Stellvertreterkrieg von Links gegen Rechts aufgerufen. Da sind alle Mittel recht, da darf schon einmal jemand brennen. Es ist ja für die gute Sache. Und vielleicht kann man ja auch Mäzen Mateschitz bei der Gelegenheit noch eins reinwürgen. Der es ja gewagt hat, ebenso aus dem Mittelmaß auszubrechen. Der aber im Gegensatz zu Protégé Baumgartner gelernt hat, sich aus dem Licht der Öffentlichkeit zu entfernen und nicht in die Schusslinie profilierungssüchtiger Provinzschreiberlinge zu geraten. Und der erst vor kurzem auf eine vergleichbare Fangfrage sehr direkt geantwortet hat: „Nein, ich könnte nie Parteiinteressen vor objektiv richtige Sachentscheidungen stellen. Ich glaube nicht, dass durch Diskriminierung der Leistung anderer die eigene Leistung besser wird. Ich bin weder ein notorischer Lügner noch ein sich opportunistisch verhaltender Mensch.“

Aus einfachen Verhältnissen zu stammen
ist keine Schande

Eine Eloquenz, über die der ehemalige KFZ-Mechaniker Baumgartner nicht verfügt. Dies als Journalist auszunutzen, könnte man hingegen durchaus als genau jenen Opportunismus entlarven, den beispielsweise Mateschitz ablehnt. Wenn also ein Mensch, der eigentlich aus einfachen Verhältnissen stammt – was mit Sicherheit keine Schande ist sondern auf die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher zutrifft – eine Aussage wie „gemäßigte Diktatur“ tätigt, dann stellt sich zumindest mir zuerst die Frage: Was soll das eigentlich sein? Diese Bezeichnung gibt es in keinem Lehrbuch für Politikwissenschaften und in keinem Wörterbuch. Es ist also fürs Erste völlig unklar, was darunter zu verstehen ist. Interessiert man sich für die Meinung Baumgartners, kann man aus dem weiteren Gesagten den ungeschickt formulierten Wunsch nach einer Expertenregierung herauslesen. Wobei auch dies eine Interpretation ist. Und bevor ein Journalist interpretiert, hat er nachzufragen. Um Klarheit zu schaffen. Und um seinen Lesern eine möglichst objektive Form der Berichterstattung zu bieten. Nicht nachzufragen kann auf schlechte Ausbildung oder Desinteresse hindeuten. Es kann aber auch, wie im vorliegenden Fall, eine schnelle Rechnung mit hohen Leserzahlen sein. Er hat „Diktatur“ gesagt! Das veröffentlichen wir unkommentiert, den Rest erledigt der Mob. Danke für die Mitarbeit, Herr Baumgartner, auf Wiedersehen und einen schönen Tag.

Ein Re-Check bei Herrn Chefredakteur Höfler

Im Vergleich zu Herrn Chefredakteur Höfler (Kleine Zeitung, Chefredakteur Wirtschaftsmagazin Primus) mag man mir vielleicht vorwerfen, nicht für ein bedeutendes Blatt zu schreiben. Doch die Grundsätze des seriösen Jornalismus, diese habe ich nicht vergessen. Beispielsweise den Re-Check bei der Originalquelle. Im Fall des vorliegenden Artikels direkt bei Herrn Höfler selbst. Dass ich darauf keine Antwort erhalten würde, war mir sonnenklar. Das ist aber nicht weiter schlimm. Denn die Fragestellungen in diesem Lehrstück für journalistische Verhältnismäßigkeit vs. Gier auf Quote können für sich alleine stehen bleiben.

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Klaus Höfler ...

… wie kam es dazu, dass ihr Interview mit einer Persönlichkeit, die erst vor kurzem vom UN-Generaldirektor als „mutigster Mensch der Welt“ geehrt wurde, aus nur vier Sätzen mit insgesamt 32 Wörtern bestand? 

Haben sie sich auf dieses Interview vorbereitet oder fielen die Fragen spontan? In welchem Umfeld geschah das Interview? Schriftlich, telefonisch, persönlich? Wurde es vor Veröffentlichung nochmals vom Interviewpartner autorisiert? 

Was ist ihrer Ansicht nach eine „milde Diktatur“? 

Glauben sie, dass der Begriff einer „milden Diktatur“ so weit verbreitet ist, dass er keine erklärende Nachfrage bedarf, wie er zu verstehen ist? 

Konnten sie im Zuge ihrer langjährigen journalistischen Erfahrung das Medienecho und die Reaktionen auf ihr Interview im Vorfeld abschätzen? 

Welche inhaltliche Qualität, welche neuen Erkenntnisse hatten sie sich erwartet, als sie sich entschlossen, dem ehemaligen KFZ-Mechaniker Baumgartner eine politische Frage zu stellen? Welche KFZ-Mechaniker werden in der Kleinen Zeitung sonst zu politischen Fragen interviewt? 

Wie denken sie darüber, dass aus ihrem Interview inzwischen von Herrn Rauscher im Standard ein angeblicher Wunsch nach einem „klanen Hitler“ abgeleitet wurde? 

Glauben sie, dass Felix Baumgartner sich tatsächlich einen „klanen Hitler“ zurückwünscht oder hat er vielleicht eine unglückliche Formulierung für den Wunsch nach einer Expertenregierung geäußert? 

Hat bei ihrer Publikation ihrer Meinung nach das vorhersehbar große Medieninteresse oder der Informationsgehalt die größere Rolle gespielt? 

Weiterführende Links
 Das Interview in der Kleinen Zeitung
 Chronik-Eintrag in der Kleinen Zeitung
 Rauscher im Standard
 Traxler im Standard
 Mateschitz über Politik, Heute

Originalpublikation
http://www.politisieren.at/felix_baum...






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  • 2012-11-04 12:13:18
    DOK

    Endlich

    jemand, der die Dinge zurecht rückt. Vielen Dank.
    Es ist bezeihnend für die Qualität der Zunft in Österreich, dass auch bekannte (und bislang renommierte) Schreiberlinge den Sager missbrauchen, um Leser zu akquirieren.
    "..., man hat das am Beispiel Schwarzenegger gesehen: Du kannst in einer Demokratie nichts bewegen. Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, sie sich wirklich auskennen."
    Wie kann man so etwas bloss missverstehen??? Und wo ist da die Rede von Hitler?

    Schade, dass viele Österreicher es geistig nicht schaffen (PISA?), den Inhalt einer (Satz-)Aussage richtig im Sinn zu erfassen, sondern sich nur auf eine Schlagzeile "beschränken" (im doppelten Wortsinn).
    Dadurch haben unsere etablierten Parteien auch weiterhin eine Überlebenschance.

    Wenn man/frau nur eine Sekunde nachdenkt, wird vielleicht klar, was Baumgartner meint:

    Im Prinzip wohl nur jene Politikverdrossenheit, über die sich immer mehr (Nicht-Nazis!) beschweren - die aber die Bildung von Randgruppen (auch FPÖ) fördert.

    Jene unerträgliche "kriminelle Demokratie" (http://derstandard.at/1348285213... die mir beinahe schon die Luft zum Atmen nimmt - und Österreich aufgrund der resultierenden Korruption bis zu 26 Mrd. € p r o J a h r kostet (Prof. Schneider, Linz).

    Aber wenn man über so etwas schreibt, bekommt die Zeitung vielleicht keine Inserate mehr von div. demokratischen Einrichtungen?

    antworten

  • 2012-11-04 18:43:19
    twin

    Re(1): Endlich

    - wenn jemand den unterschied zwischen "gemäßigter diktatur" und
    expertenregierung nicht kennt, ist er als jugendbotschafter nicht
    tragbar. das hat mit "einfacher herkunft" absolut nichts zu tun.
    in diesem alter sollte man den unterschied zwischen meinen und
    sagen ebenfalls kennen. damit will ich das idol einiger nicht
    demontieren, sondern auf fakten hinweisen.

    was könnten den einige unter gemäßigter diktatur verstehen?
    man glaubt, da ist jemand, der entscheidet endlich schnell,
    gerecht und unbürokratisch zum wohle österreichs. aha!
    diese person wird natürlich von jedem selbst ausgewählt,
    ist dann politiker (parlament) richter(justiz) und exekutive(polizei) in einem(eh nur ein bissi). denn,
    - andere meinungen zählen nicht(sind ja nicht zum wohle ö)
    - dagegen ist nur wer gegen das wohle ö ist, also meinungsfreiheit
    ade, mundtot machen.
    aber alles halb so wild, dass ganze ist ja nur "gemäßigt" und
    eigentlich anders gemeint.
    was ich sagen will: es gibt keine "gemäßigte diktatur" - letztendlich
    steht dahinter unmissverständlich diktatur.

    interessanter weise kritisiert man zb. den clubzwang. ein
    fragwürdiger weg, aber eine möglichkeit eine politische idee
    mehrheitlich umzusetzen.
    andererseits wünscht man sich eine gemäßigte diktatur, gemeint als
    den superwuzzi der alles perfekt, schnell und gerecht erledigt.
    wer nachdenkt könnte erkennen, dass es so jemand nicht gibt.

    jetzt frage ich mich doch des öfteren, woher kommen immer öfters diese wünsche?

    -politikverdrossenheit?
    demokratische politiker werden natürlich
    bei den medien(freie presse!) von a-z durch den kakao gezogen.
    ob zu recht oder unrecht-das gehört zu ihrer arbeit, damit müssen
    sie leben. also teilweise.

    - skandale, korruption?
    trägt sicher einen teil dazu bei. die restlose aufarbeitung halte ich für enorm wichtig für eine demokratie.

    - krise?
    für mich der wichtigste anteil. ohne die "krise" wäre wahrscheinlich
    nicht so viel an die oberfläche gespült worden. jetzt, da deutlich
    geworden ist, was alles passierte, will natürlich jeder so schnell wie
    möglich aufklärung und behebung der missstände und den
    gewohnten wohlstand und alltag zurück haben. und am schnellsten
    geht das mit superwuzzi, dem gemäßigten diktator, der eh gar
    keiner ist. wie sinnvoll so ein wunsch oder "eh nur gemeint" ist, kann
    jeder für sich selbst erkennen.
    bis jetzt haben die politiker europas den zusammenbruch verhindert
    und mmn begeben wir uns schön langsam in den nächsten jahren
    wieder in vernünftige gewässer. (das problem verschuldung wird
    auch zu lösen sein.)
    muss man auch einmal sagen, auch wenns nicht populär ist.

    demokratie heißt auch geduld. die dürfte bei sehr vielen nicht mehr
    vorhanden sein -ein paar kleine einschränkungen tragen das ihre
    dazu bei. da steigt der wunsch nach "superwuzzi, dem gemäßigten diktator"
    hätte die kriegs/nachkriegsgeneration so wenig geduld
    und zuversicht gehabt, säßen wir heute noch teilweise auf
    trümmern. (aber was geht uns vergangenes an, unser lebensfundament/wohlstand ist sowieso schon immer dagewesen)

    wie sagte doch einmal jemand so schön:
    demokratie ist nicht die ideale regierungsform, aber ich kenne keine
    bessere.


    antworten

  • 2012-11-04 20:52:29
    DOK

    Re(2): Endlich

    Mhm, da werden ja Kraut und Rüben durcheinander geworfen..
    Fangen wir mal an: dictator (lat.) = höchster Magistrat f. besondere Aufgaben; außerordentlicher höchster Magistrat in Notzeiten, um die gesamte Macht in einer Hand zu vereinen, auf Senatsbeschluss f. höchstens sechs Monate bestellt (Pons). Genaueres auf http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%...

    Man beachte:
    "Außerdem war seiner vollständigen Amtsbezeichnung oft die spezielle Aufgabe beigefügt, die er zu lösen hatte:
    zur Kriegsführung (rei gerundae causa)
    zur Besänftigung inneren Aufruhrs (seditionis sedandae causa)
    zur Abhaltung von Wahlen (comitiorum habendorum causa)
    ...
    für die Abhaltung von Spielen (ludorum faciendorum causa)!!
    etc..
    In solchen Fällen konnte seine Amtsführung manchmal auch nur wenige Tage betragen, denn man erwartete von den Diktatoren, dass sie ihr Amt vorzeitig niederlegten, sobald die unmittelbare Aufgabe, zu deren Erledigung sie mit den diktatorischen Vollmachten ausgestattet wurden, gelöst war."(wikipedia)
    Quasi ein "Troubleshooter" auf römisch.

    "was ich sagen will: es gibt keine "gemäßigte diktatur" - letztendlich steht dahinter unmissverständlich diktatur" ist eine hohle Phrase.
    Technisch ist es aber richtig: denn einer m u s s ja endlich etwas tun - das ist ja das Problem unserer Politik (und v.a. der Koalition) - und auch der Auslöser für die o.g. Politikverdrossenheit, dass eben nichts weiter geht!

    Wenn jemand wie Baumgartner - der etwas anders lebt als Normalsterbliche - einen markigen Ausspruch tätigt, muss man nicht gleich die ewigen Geister beschwören und hinter jedem Busch einen Neonazi vermuten!
    ES REICHT!
    Er hat nur das gemeint, was viele - mit anderen Worten - sich schon lange wünschen.

    "bis jetzt haben die politiker europas den zusammenbruch verhindert und mmn begeben wir uns schön langsam in den nächsten jahren wieder in vernünftige gewässer. (das problem verschuldung wird auch zu lösen sein.)" Ist aber ein Scherz, oder?

    "demokratische politiker werden natürlich bei den medien(freie presse!) von a-z durch den kakao gezogen."
    Äh, wer denn???
    Wenn ich daran denke, mit welch freundlichen Texten zB unser KHG von der "Krone" verhätschelt und wie sehr ein Faymann von eben dieser bzgl. der Inserate verschont wird, kommt mir das Kotzen!

    Unsere Presse lebt von Inseraten und hütet sich (mit wenigen Ausnahmen), die Hand, die sie füttert, zu beissen.
    Gebissen wird dann höchstens ein Felix Baumgartner - der keine Inserate schaltet...

    antworten

  • 2012-11-04 21:09:12
    big_mac

    Re(3): Endlich

    ach, der Baumgartner war wohl zu viel im Ausland.

    Österreich wird schon die längste Zeit seit WK2 von einer "gemäßigten Diktatur" regiert, die nennt sich große Koalition, und die Durchdrigung des Apparats führt dazu, dass sich auch bei kurzzeitigen anderen Koalitionen nix geändert hat.
    Minister kommen und gehen, Beamte bleiben - und die Betriebskultur bleibt. Es muss viel schlechter werden, bevor es besser werden kann.

    antworten

  • 2012-11-04 23:20:54
    twin

    Re(4): Endlich

    von einem bezug zu hitler/neonazi habe ich nirgends geschrieben,
    bin auch gegen einen derartigen bezug. mir genügt schon der
    wunsch nach gemäßigter diktatur.
    doc, deinem link zufolge waren dann seinerzeit stalin, franco,
    tito, mussolini,...und jetzt zb. lukaschenko abrufbare troubleshooter.
    wenn schon link, dann nicht kraut und rüben, dann diktatur, wovon
    ja die rede war. da wird auch die ursprüngliche röm.diktatur
    angesprochen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dikta...

    big mac, bei den beamten stimme ich zu. ob zb.amerikas variante
    besser ist, sei dahingestellt. der wettbewerb wäre wahrscheinlich
    größer. aber ich sehe zb. bei justiz und exekutive mehr positives als
    negatives.

    wie würdet ihr den österreich anders als jetzt(demokratisch gewählt) leiten, lenken, diktieren wenn ihr die möglichkeit hättet?
    aber bitte nicht reformstau einer demokratie mit diktatur begründen.




    antworten

  • 2012-11-05 08:19:07
    big_mac

    Re(5): Endlich

    Der Reformstau hat nichts mit Demokratie zu tun, ganz im Gegenteil.
    Demokratische Staaten haben sich immer wieder reformiert, während Diktaturen zur Versteinerung neigen. Logisch, denn dort ist Machterhalt und Kontrolle der Bürger das einzige Kriterium und Effizienz sonst völlig egal, während in Demokratien für gewöhnlich die Bürger Effizienz schätzen.

    antworten

  • 2012-11-05 17:05:25
    DOK

    Re(1): Verhitlern für die Quote

    @big mac
    FB sprach von gemäßigter Diktatur, nicht von (mittel)mäßiger Politik!
    Das mit der Betriebskultur und "es muss erst schlechter werden, bevor es besser werden kann" kann ich nur unterschreiben.
    Das mit der Versteinerung hiesse, dass wir schon in einer Diktatur leben..

    @twin
    Genau lesen: die Genannten sind/waren eben n i c h t abrufbar - daher auch nicht im Sinne eines "Römischen Diktators"! Oder wer hätte Stalin abberufen sollen bzw. Saakaschwili & Co. heute??
    Das Volk, die UNO, Rotkäppchen?

    Reformen: eigentlich braucht man nur Teile des (letzten - es gibt ja mehrere) RH-Berichtes und Aussagen vieler Experten der letzten Jahre abschreiben und umsetzen (!) - egal ob Gesundheit, Bildung oder anderes. Es sind keine Geheimnisse. Teilweise macht die Schweiz auch einiges vor. Auch wenn dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt.
    Allerdings ist sie offenbar derart nicht in Cliquen und Bünden verfilzt wie wir.



    antworten

  • 2012-11-05 20:57:09
    big_mac

    Re(2): Verhitlern für die Quote

    wie ich schon zu erläutern versuchte, moderne Diktaturen machen praktisch immer schlechte Politik, Ziel Machterhalt und totalitäre Kontrolle der Bürger.
    Die römischen Diktatoren in der Republik waren durchwegs zeitlich limitiert, da haben die entsprechenden Motive gefehlt.

    DOK,
    die Schweiz ist mit Österreich oder Deutschland nicht vergleichbar, dort fehlt die imperiale Tradition und sie ist ganz anders organisiert.
    Die wesentlichen Unterschiede:
    1. gibt es Konkurrenz zwischen den Kantonen und Gemeinden, mit der Folge dass auch große Konzerne ihre Hauptsitze quer übers Land verteilt haben. Nestle sitzt z.B. im kleinen Vevey, nicht in Genf oder Zürich.
    2. Jeder Schweizer macht seine Steuererklärung und zahlt seine Steuern selbst ein, das macht nicht der Arbeitgeber.
    3. Die Steuern werden großteils in den Gemeinden eingenommen, wo sie auch ausgegeben werden, und nur ein kleiner Teil vom Bund.
    4. Die Schweiz ist wesentlich transparenter in der Veröffentlichung von Budgets und Rechnung.
    5. Volksabstimmungen können recht leicht verlangt werden und finden entsprechend oft statt, die Schweizer kommen mir interessierter an ihrer Politik vor.

    antworten

  • 2012-11-05 22:49:38
    twin

    Re(3): Verhitlern für die Quote

    danke für die antworten.
    dok,
    ich habe den link zu diktatur bewusst reingestellt um dir zu
    zeigen, dass
    - heutzutage niemand mehr bei diktatur an den diktator des
    römischen reiches denkt.
    - ich weis natürlich auch ohne net, dass die aufgezählten
    diktatoren sich nicht freiwillig zurückziehen. damit wollte ich dir
    klarlegen, wie dein link interpretiert werden kann.

    bei den reformen bin ich voll deiner meinung.
    wobei mir dabei einfällt, dass sehr viele, auch ich, zb. die zusammenlegung der krankenkassen forderern. andererseits
    wäre damit aber der von bigmac als allheilmittel gesehene
    wettbewerb praktisch null. so gesehen solltens dann zumindest 2,
    eher 3 sein.

    grundsätzlich glaube ich, dass das wort diktatur zu schnell von einigen usern im eifer des gefechts bzw. wegen der verzweiflung betreffend mancher missstände verwendet wird.

    um die bedeutung dieses wortes zu erkennen wäre vielleich folgendes szenario zu überlegen:
    man demonstriere zb. in nordkorea, weißrussland, russland, china
    öffentlich für parteienvielfalt, freie meinungsäußerung,
    menschenrechte, mehr demokratie,...was würde passieren?
    nach so einer überlegung geht man eventuell vorsichtiger mit dem
    begriff diktatur in zusammenhang mit ö, eu,... um.


    antworten

  • 2012-11-06 00:13:03
    DOK

    Re(4): Verhitlern für die Quote

    @twin
    "wettbewerb praktisch null. so gesehen solltens dann zumindest 2, eher 3 sein"
    Jawoll, endlich einer, der nicht PISA-geschädigt ist ;-)
    Es ist schon lange meine Meinung, dass man - wie bei den Schweizer Kantonen (und den deutschen Kassen) - etwas Wettbewerb zulassen könnte/sollte. Die BVA zB ist eine sehr ordentliche (und ordentlich wirtschaftende) KK. Die SVA verteilt gerade ihre immensen Rücklagen (angebl. eine halbe Milliarde €!) an ihre Versicherten durch Halbierung des SB bei Absolvierung eines relativ mickrigen Gesundheitschecks.

    Allerdings hängen die Kassen am Gängelband des Hauptverbandes (einer de-facto politischen Kontrollinstanz). Ist halt Österreich und nicht die Schweiz ;((

    Ausserdem sollte man wahrscheinlich auch für die GKK einen SB einführen (die Höhe ist sekundär). Sonst wird das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren komplett ruiniert.

    Natürlich gehören auch die Spitäler grundreformiert. Sie sind zu teuer, personalmässig tw. schlecht ausgestattet und entsprechen leistungsmässig oft nicht dem internationalen Standard (in der industrialisierten Welt).
    Bsp: Nierenstein-Entfernung (keine OP!) in einem öffentlichen KH ausserhalb Wiens: GKK zahlt 2.500, Privatvers. z u s ä t z l i c h (!) 5.000 €. Der Patient ist heute noch ausser sich ... immerhin müssen die Kunden dies letztendlich über ihre Prämien zahlen. Schön langsam bekommen wir Zustände wie in den USA..

    Bin jetzt etwas abgeglitten, aber es "magerlt" mich halt so sehr.

    @bigmac
    "die Schweiz ist mit Österreich oder Deutschland nicht vergleichbar, dort fehlt die imperiale Tradition und sie ist ganz anders organisiert."
    Was spricht denn dagegen, das zu ändern?? Quasi zu "verschweizern" (im guten Sinn)?
    Man wird die Bevölkerung nicht über Nacht an neue Mitbestimmungsmöglichkeiten gewöhnen können.

    Aber man sollte mal damit beginnen..
    und hoffen, dass wir (irgendwann) einmal die geeigneten Politiker dafür bekommen.

    antworten

  • 2012-11-06 07:25:02
    big_mac

    Re(5): Verhitlern für die Quote

    Österreichhat zwar weißGottwieviel Krankenkassen, aber Konkurrenz ?
    Die "Kunden" sind denen fix zugeteilt. Oder ist mittlerweile ein freier Wechsel möglich ?

    Österreich könnte sich natürlich "verschweizern". Das gibt aber einen gewaltigen Machtverlust für die Politik. Verschenken Hunde ihre Wurstlager ?

    antworten

  • 2012-11-06 20:38:24
    DOK

    Re(6): Verhitlern für die Quote

    @bigmac
    ad 1: eben leider nicht
    ad 2: Unsere "teuren" Politiker mit Hunden (bzw. deren Würstchen) zu vergleichen, na sowas! Dagegen sind Grissemann & Stermann ja direkt Softies... ;D rofl

    Aber man wird ja noch träumen dürfen, oder? Wenigstens das können sie einem nicht nehmen - noch nicht.

    antworten

  • 2012-11-06 22:36:53
    twin

    Re(7): Verhitlern für die Quote

    pisa scheint ja einen bleibenden eindruck hinterlassen zu haben.
    bei diesem wort bin ich noch in der glücklichen lage einfach daran
    zu denken...: hat er nun, oder hat er nicht fallexperimente vom turm
    gemacht".

    bei, sagen wir 3 kassen, wäre natürlich freie wahl sinnvoll.
    man sollte aber auch folgendes berücksichtigen.
    ich kann mich noch erinnern, das in d probleme aufgetreten sind.
    in etwa
    - jugendliche wurden massiv bevorzugt,
    - kranke tw. gar nicht angenommen,
    ....
    ich weis jedoch nicht wie das gelöst wurde.
    aber zu dem gäbe es ja experten.
    systeme von d, ch, s, ... anschauen lassen, das leistbare beste für
    patienten analysieren, passende punkte dann auch umsetzen.
    und der wichtige abschluss: der bevölkerung das warum und wieso
    kurz und bündig mitteilen. aber nicht in politischem
    beamteten technokraten deutsch, sondern für mind. 75% der bevölkerung begreiflich, ankommend und registrierend.
    das geht, wenn man will. zb. mit einem quartalsweisen zettel pro haushalt betreffend erledigte punkte der regierung, details siehe
    presse, medien oder hp.
    unter normaler entwicklung alle 3 jahre überprüfen.
    so würde ich es versuchen. aber ich bin kein experte, nur ein
    einfacher mensch.



    antworten


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