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Und täglich grüßt das Murmeltier – Griechenland brauchte weitere Milliarden

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25. Oktober 2012 13:13

Auf die Abstimmung im Bundestag über ein neues Hilfspaket für Griechenland bin ich richtig gespannt. Schon beim zweiten Hilfspaket für die Hellenen musste Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigenen Reihen mit aller Gewalt und mit dem Versprechen hinter sich bringen, dass es keine weiteren Kredite mehr geben würde. Dann folgte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, wonach alle Welt und damit auch das deutsche Wahlvolk wusste, es gibt eine Obergrenze für die Haftung Deutschlands und nun das. Das hochverschuldete Griechenland bekommt zwei Jahre mehr Zeit, um seine Schulden halbwegs in den Griff zu bekommen und diese Zeit kostet Geld, und zwar nach Informationen des Handelsblattes weitere 20 Milliarden Euro. Zusätzlich sollen dem Land Zinsen für laufende Kredite erlassen werden.

„There will not happen a Staatsbankrott in Greece!“ Damit hatte Finanzminister Schäuble in der vergangenen Woche alles zu diesem Thema gesagt, was die zukünftige Marschrichtung der Politik zu diesem Thema sein wird. Sehr gut ins Bild passt da, dass der griechische Finanzminister gestern vor seinem Parlament schon bestätigte, was die Medien heute schreiben, aber noch pflichtgemäß von allen offiziellen Beteiligten wie der Bundesregierung, der EU-Kommission, des IWF und der EZB dementiert wird.

Da muss ich mich jetzt nur an meine Kindertage erinnern, um zu wissen, was die Folge dieser Politik sein wird. Spürte ich, dass mein Vater schon das Taschengeld bereit legte und meiner Mutter ins Ohr flüsterte, der Junge könne doch bei dem schönen Wetter auch Fußball spielen gehen statt aufzuräumen, war mein Wille, mein Zimmer langfristig in Ordnung zu halten, wahrlich begrenzt. Und als ich das meinen Freunden erzählte, fanden diese die Strategie genial und wir trafen uns ab sofort bei Wind und Wetter auf dem Fußballplatz. Übertragen auf die Eurozone heißt das für mich, die Anstrengungen nicht nur Griechenlands, sondern auch Italiens und Spaniens, ihre Schulden durch strenge Sparprogramme zeitnah zu reduzieren, werden mit jedem dieser Kompromisse weiter zurückgefahren.

Da wundert mich die Stärke des Euro in den vergangenen Tagen schon ein wenig, denn verzögern sich die strukturellen Reformen in den angesprochenen Ländern, werden auch positive konjunkturelle Daten nicht nur aus Südeuropa noch länger auf sich warten lassen. Und die braucht es, um solche Nachrichten aus der deutschen Automobilindustrie, wie heute zum Beispiel von Daimler, in Zukunft zu verhindern. Die Stuttgarter kassierten alle ihre gesteckten Ziele für das laufende Geschäftsjahr und rechnen auch 2013 mit wenig Besserung. „Deutlich verschärfte Marktbedingungen“ nennt der Konzern als Grund und meint damit, in vielen Ländern Europas ist die Bereitschaft zu Neuanschaffungen eines Mercedes nahezu bei Null.

Passend dazu die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe. Deutschland erreicht 45,7 Punkte, die Eurozone 45,3 Punkte. Alles unter 50 deutet auf eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung hin. Deutschlands Unternehmer verlieren ihren Optimismus, der ifo-Geschäftsklimaindex fällt unerwartet zum sechsten Mal in Folge. Rezession oder nur eine Wachstumsdelle in Deutschland, darüber streiten sich nun die Ökonomen. Abhängen wird dies davon, ob sich die Schuldenkrise in Europa weiter verschärft. Außer ein paar sehr warmen Worten von EZB-Präsident Mario Draghi zu geplanten Anleihekäufen kann ich noch keine richtige Entschärfung erkennen. Die Zahlen aus den Krisenländern zu Wachstum und Schulden zumindest signalisieren für mich noch keine Trendwende. Die vermeintliche Entspannung der Euro-Krise ist zwar an den Finanzmärkten, aber noch lange nicht in großen Teilen der Realwirtschaft angekommen. Umgekehrt heißt das aber auch für mich, kommt sie da nicht zeitnah an, wird auch die Unsicherheit an die Finanzmärkte wieder zurückkehren, wie dies ja in den vergangenen Handelstagen auch schon spürbar war.

Kehrt die Risikoaversion der Marktteilnehmer zurück, wird auch der Euro seine Bemühungen wieder aufgeben, die Marke von 1,30 EUR/USD nachhaltig zu überwinden. Aktuell wird dieser noch getragen von einer großen Zahl von Marktteilnehmern, die schon seit langem auf einen viel schwächeren Euro und einen Zerfall der Eurozone gesetzt haben. Diese bauen jetzt erst langsam ihre Shortpositionen in der Gemeinschaftswährung ab und sorgen somit für eine relative Stabilität des EUR/USD-Kurses. Noch sind laut dem Speculative Sentiment Index (SSI), der die Positionierung der weltweiten Kunden von FXCM misst, 57 Prozent short im Währungspaar EUR/USD engagiert. Dieser Wert lag im September noch bei 70 Prozent, als der Euro zu seiner Aufholjagd von 1,25 auf über 1,30 EUR/USD ansetzte. Aktuell halte ich das weitere Potenzial des Euro für begrenzt und kann mir eher eine Korrektur bis auf das „Vor-Draghi-Ankündigungsniveau“ bei 1,26 EUR/USD vorstellen.

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