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18. Oktober 2012 16:33
An der Börse werden die Akteure bisweilen schnell nervös, manchmal völlig unnötig. Nach der jüngsten Abwärtsbewegung des Goldpreises zum Beispiel stellt sich für viele die wieder bange Frage, wo die Notierung der Feinunze hingehen wird. Nachdem sich Gold in kurzer Zeit von 1.527 Dollar auf 1.796 Dollar verteuert hat und nicht weit unter dem Allzeithoch von 1.921 Dollar bzw. dem Widerstand bei 1.803 Dollar steht, ist die Frage bei kurz- und langfristig orientierten Anlegern zwar durchaus nachvollziehbar. Dem jüngsten Kursrückgang, der nicht mehr als eine technische Korrektur der vorangegangenen Rallye darstellt, darf man bei der Antwort auf diese Frage aber keine entscheidende Rolle beimessen – das wäre völlig übertrieben.
Legt man die kurzfristige Charttechnik beiseite, stößt man bei den großen fundamentalen Einflussfaktoren für das Gold vor allem auf die Geldpolitik internationaler Notenbanken, vor allem der USA. Die Analysten von Casey Research weisen auf die extrem hohe positive Korrelation des Goldpreises mit der Geldmenge hin. Es ist ein wichtiger Faktor, der die Casey-Marktexperten für den weiteren Verlauf des Feinunzenpreises sehr optimistisch werden lässt. Auf Basis dieser Zusammenhänge sehen die Analysten nämlich rund 550 Dollar bzw. mehr als 30 Prozent Aufwärtspotenzial für den Preis des begehrtesten Edelmetalls. Als Zeitraum für diesen Anstieg kalkuliert man bei Casey Research rund 15 Monate, es soll also um den Januar 2014 so weit sein.
Was die Experten so optimistisch macht, ist das zuletzt viel diskutierte Thema „Quantitative Easing 3“ der US-Notenbank Fed. Die Währungshüter um Ben Bernanke wollen damit angesichts des ohnehin schon extrem niedrigen Zinssatzes weiter expansiv auf die US-Wirtschaft einwirken. Man wird Anleihen kaufen und so Liquidität in den Markt befördern. Im Fokus dabei stehen vor allem Immobilienpapiere. Es ist der Bereich des Marktes, der 2008 mit dem großen Crash am US-Hypothekenkreditmarkt für die weltweiten Turbulenzen sorgte, die Lehman Bros. zusammenbrechen ließen. Deren Langfristfolgen spielen nun eine große Rolle in der aktuellen Krise bei den Staatsfinanzen einiger europäischer Länder. Dass die Fed wiederum „QE3“ durchführt, ist ebenfalls eine Folge der Krise – der Kreis schließt sich.
Es ist ein großes Rad, das die Fed dreht, und entsprechend stark sind die Auswirkungen auf den Goldpreis, die man erwarten kann. Über „QE3“ hinaus hat die US-Notenbank versprochen, die Zinsen lange Zeit niedrig zu halten. Anleger müssen davon ausgehen, dass festverzinsliche Anlageformen eine lange Zeit keine extrem lukrative Anlageform mehr sein werden. Das gilt vor allem für ein Szenario steigender Inflationsraten, ausgelöst durch die expansiven Notenbank- und Wirtschaftsprogramme in Asien, Europa und den USA.
Vor allem niedrige Zinsen und das Risiko steigender Inflationsraten treibt die Anleger aber weiter ins Gold. Eine höhere Nachfrage nach physischem Gold könnte dies aber extrem knapp werden lassen, was den Preis treiben würde. In Berichten war sogar unlängst von möglichen fünfstelligen Feinunzenpreisen die Rede. Doch derartige Preisziele sollten Anleger nicht in ihr Kalkül einbeziehen, wohl aber Niveaus wie von den Casey-Experten genannt.
Eine solche Entwicklung würde übrigens auch die Ergebnisrechnungen der Goldförderer massiv positiv beeinflussen. Es ist also nicht nur physisches Gold, was interessant erscheint, wenn die Experten bei Casey Research mit ihren Prognosen ins Schwarze treffen.
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