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16. Oktober 2012 10:23
Erinnern Sie sich noch über die beschwichtigenden Aussagen zur Inflation seitens des Bad Notenbank EZB Präsidenten Mario Draghi, unserem Bundesfinanzminister Schäuble und selbst des Bundesbankpräsidenten Weidmann im letzten und Anfang dieses Jahres? Wenn ja, dann wissen Sie, welchen Wahrheitsgehalt Sie deren Aussagen künftig beimessen können. Die Inflation in Europa liegt nämlich mittlerweile mit 2,7% deutlich über dem Ziel der Bad Notenbank von 2,0%. Tendenz steigend. Und das trotz Rezession. Da braucht es nicht viel Fantasie, was passieren wird, wenn die Konjunktur eines Tages wieder anspringt.
Den Vogel schießt unser Bundesfinanzminister Schäuble ab. Der schaffte es nämlich nicht nur die Inflation in der jüngsten Vergangenheit klein zu reden (was die anderen auch getan haben), sondern noch bis vor kurzem die Inflation als das kleinere Übel hinzustellen, um nun davor eindringlich zu warnen. „Die Geldschwemme erhöhe die Gefahr einer Inflation“, hören wir nun alle mit Erstaunen. Und weiter: „Für alle Zentralbanken ist es entscheidend, rechtzeitig Abschied von ihren außergewöhnlichen Maßnahmen zu nehmen, um zu verhindern, dass die großzügige Liquiditätsversorgung nicht zu einem Inflationsdruck wird." Insbesondere beim ersten Satz beschleicht mich fast ein wenig das Gefühl, dass Herr Schäuble oder seine Assistenten meine Blogs lesen. Denn sowohl Worte als auch Aussage erinnern doch sehr an meine Ausdrucksweise.
Unabhängig davon ist es schon von besonderer Dreistigkeit, was wir uns von dieser Regierung – nicht nur auf dem Feld der Energiepolitik - inzwischen bieten lassen müssen. Diese von Bundeskanzlerin Merkel geführte Regierung und Herr Schäuble waren es, die den satzungswidrigen Kurs der Bad Notenbank EZB mit ihrem Kauf von Staatsanleihen aktiv unterstützt haben und weiter unterstützen. Die damit ausgeweitete Geldmenge, der eben keine reale Produktionsleistung gegenüberstand oder steht, musste und muss zwangsläufig zu einer höheren Inflation führen. Das weiß inzwischen jedes Kind. Da brauche ich gar nicht meinen Diplom-Volkswirt heraushängen lassen. Denn der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation mit Zeitverzögerung ist eineindeutig und in der Fachwelt unumstritten. Egal wessen Geistes Kind man da ist.
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Fakt ist doch vielmehr, dass Schäuble und die anderen wissen, dass man insbesondere eine nicht an der Preisniveaustabilität und Produktivität orientierte Geldpolitik dazu nutzen kann, das Wachstum anzukurbeln. Wobei das voraussetzt, dass man die Wirtschaftssubjekte, also uns alle, belügt und uns Glauben macht, dass das Wachstum selbsttragend ist. Die Geldtheorie besagt also, dass man kurzfristig die Menschen hinter die Fichte führen kann, die Wirtschaftssubjekte aber irgendwann die Wahrheit erkennen, während inzwischen die Preise die Lücke zwischen nicht vorhandener Produktion und dafür bereits herausgegebene Geldmenge schließen.
Das Ganze hat aber nebenbei noch eine recht unschöne Nebenwirkung. Da wir alle schließlich nicht blöd sind und wir uns selten zweimal hinter eine noch so schöne Fichte führen lassen, sind wir beim nächsten Mal weitaus vorsichtiger. Frei nach viel zu früh verstorbenenen Bob Marley in seinem Song „Get up, stand up“:
“You can fool some people sometimes, but you can’t fool all the people all the time...“
Was einen Konjunkturaufschwung zumindest verzögern, wenn nicht gefährden kann. Viel schlimmer aber ist, dass wir die Glaubwürdigkeit der Notenbank verspielen. So ist für mich die Bad Notenbank EZB unter Herrn Draghi sowieso gestorben. Ich traue denen nicht mehr über den Weg. Weiß ich denn, was die gerade kaufen? Sind da möglicherweise griechische Staatsanleihen darunter, die wir Bürger indirekt bezahlen werden? Halten die sich denn überhaupt noch an irgendeine Regel? Schließlich hauen die sich in Frankfurt nach dem Motto, wir haben den Größeren, gerade einen vollkommen aus den Kosten gelaufenen Prachtbau hin, wo der Rest in Europa darbt. Auch ein Signal, oder? Dabei mögen – Gott bewahre uns davor - noch Zeiten kommen, in denen wir die Glaubwürdigkeit der Notenbank mehr denn je brauchen werden.
War mir aber besonders auf den Zeiger geht, ist dass die Regierung in Abständen von Wochen, ja inzwischen Tagen, das eine und gleich danach das exakte Gegenteil vertritt. Da wundert es einen nicht, dass die Kanzlerin so hohe Sympathiewerte hat. Offensichtlich glauben viele, dass die Kanzlerin immer auf der richtigen Seite steht, was nicht schwer ist, wenn ich dauernd die Seite wechsle. Weiter bringen tut uns das aber nicht wirklich. Das wird die Bevölkerung schon noch erkennen. Auch das derzeitige wie ein Bauchladen vor sich hergetragene noch halbwegs gute deutsche Wachstum ist doch – bei Lichte betrachtet - mit einer Zusatzverschuldung von weit über 300 Mrd. Euro schlicht erkauft worden.
Interessant ist derzeit auch, dass die Deutschen Bürger das insgeheim ahnen und entsprechend reagieren. Die Sparquote ist zugunsten des Konsums rückläufig, was bei den angebotenen realkapitalvernichtenden Minizinsen der Banken nicht wundert. Lieber raushauen, als es dem Staat in den Rachen werfen, lautet die Devise. Ein Positives hat das Ganze aber auch sonst noch. Die Deutschen kaufen zunehmend Aktien. Was in Wahrheit und bei der richtigen Aktienauswahl die einzige sinnvolle Möglichkeit ist, der Inflation - auch auf Dauer - zu entgehen. Weil Unternehmen mit Preissetzungsmacht die höheren Preise beim Einkauf von Rohstoffen oder Energie in Form von höheren Verkaufspreisen der Produkte weitergeben können. D.h. dass sich mit steigender Inflation bei soliden Unternehmen nicht viel ändert. Das Schlimme dabei ist nur, dass diejenigen, die sich Aktien nicht leisten können, also die Bezieher von kleineren Einkommen dieser Inflation schutzlos ausgeliefert sind und deshalb die Schere zwischen Armut und Reichtum weiter aufgeht. Wobei daran ganz sicher nicht die Reichen schuld sind, sondern die Politiker selbst, indem sie eine im ureigensten Sinne des Wortes „asoziale“, weil „armutserweiternde“ (Geld-) Politik verfolgen.
Derweil ist nun klar, dass uns die Abwicklung der skandalträchtigen Landesbank WestLB über 18 Mrd. Euro an Steuergeldern gekostet hat. Wobei ich auch an die angefallenen Kosten bei den anderen Landesbanken wie der HSH Nordbank, der der IKB und auch der KfW erinnere. Dass Asmussen, der bei beiden letzten auch in den Aufsichtsgremien war, nun bei der Bad Notenbank EZB herumturnt und seine Weisheiten von sich gibt, lässt nichts Gutes erwarten. Dabei will ich gar nicht wissen, was derzeit bei der Soffin gerade so passiert. Da ist es derzeit auch merkwürdig still. Ob man sich auch da auf die nächste Verlustmeldung gefasst machen sollte? Dass Spaniens Banken, denen wir gerade über 60 Mrd. Euro zugesagt haben, von Standard & Poor’s herabgestuft werden und die Rückzahlung schon heute absehbar in weiteste Ferne rückt und nun auch einzelne Regionen wie die Katalonien in Spanien oder die Flamen in Belgien die Unabhängigkeit fordern, sei nur am Rande erwähnt. Das alles lässt nur einen Schluss zu. Europa ist zu einem Pulverfass geworden. Und stellt das Schreckgespenst Inflation noch in den Schatten.
Nur dass Sie es wissen. Ich und auch die anderen Kritiker dieser Europapolitik können nichts dafür. Wir waren stets in der Minderheit und wurden ob unserer Kritik schön handlungsunfähig in die Ecke geschoben. Das waren diejenigen, die am Ruder sind. Ob die das wohl wirklich noch in der Hand haben?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke
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