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02. Oktober 2012 11:01
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Menschen sind Herdentiere. Gerne laufen Sie zusammen in die gleiche Richtung. Das gibt ihnen Halt und Sicherheit. Nach dem Motto: Wenn alle in dieselbe Richtung laufen, kann das nicht verkehrt sein. Entwicklungsgeschichtlich ist diese Verhalten übrigens in der überwiegenden Zahl der Fälle sogar sehr sinnvoll. Wenn ich der Masse ohne zu Denken einfach hinterherfolge, habe ich die Ressourcen, die ich dafür benötigen würde, den Weg zu hinterfragen, für andere Dinge frei. Problematisch wird es aber immer dann, wenn die Herde die falsche Abzweigung nimmt und in die verkehrte Richtung läuft. Was meistens immer dann passiert, wenn etwas Unvorhergesehenes die Umstände bzw. die Umwelt deutlich verändert hat. Es also eine Art Systembruch gibt. Dann verkehrt sich das, was zunächst sehr sinnvoll war, ins genaue Gegenteil. Erkennen tut das – wie sollte es auch anders sein – zunächst nur eine kleine Minderheit. Die natürlich ob ihrer Mickrigkeit erst einmal belächelt und in die Ecke gestellt wird.
Dieser Hang zum Nachlaufen oder Mitmachen ist immer dann besonders groß, wenn die Komplexität der Lebensumstände recht hoch ist bzw. im Zunehmen begriffen ist. Die uns alle direkt oder indirekt betreffende Globalisierung ist z.B. eine solche komplexe Frage. Auch die Finanzkrise, die in der europäischen Schuldenkrise mündete. Wer versteht noch all das was da passiert? Wer besitzt noch dazu ein solch stabiles Wertefundament, dass er bereit ist, sich dafür auch übergangsweise ins Abseits zu stellen? Und wer kann schon behaupten, dass er den Verlockungen nicht einfach nachzugeben, nicht auch ausgesetzt wäre? Ich kann es keinem verdenken, der da abschaltet, damit schlicht nichts mehr zu tun haben will und sich auf seine eigene kleine Welt besinnt. Auf neudeutsch nennen wir das Cocooning. Der Rückzug ins Private. Man macht es sich zuhause gemütlich und versucht sich das Leben für sich und seine Lieben so angenehm wie möglich zu machen. Nach dem Motto: Was geht es mich an, wenn die Welt mal wieder untergeht?
Darin steckt natürlich eine große Gefahr. Immer dann, wenn genug Menschen wegschauen, passieren Dinge, die wir so hinterher nicht haben wollten. Wenn man diese Erkenntnis dann gewonnen hat, ist es allerdings meistens zu spät. Insofern muss man rechtzeitig auf Missstände aufmerksam machen und sich einmischen. Wie und wo auch immer. Leben bedeutet Einmischung. Leben bedeutet Kampf. Leben ist Bewegung und Veränderung. Man muss für das an was man glaubt kämpfen. Sonst gibt man das Ruder aus der Hand und wird gelebt. Auch, wenn man das möglicherweise gar nicht so richtig merkt. Was aber gibt es Größeres, als wenn man das, was in einem an Talenten oder Individualität steckt, hervorzuholen und es zu leben? Da wird Geld und Einkommen zwar nicht nebensächlich –das ist es nie – aber doch zweitrangig.
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Ich empfinde es z.B. als einen großen Luxus tagtäglich die weltweiten Informationen zur Kenntnis zu nehmen, sie über mein Wertefundament zu filtern und sie über meine Fachkompetenz in ein überschaubares System einzuordnen. Etwas was auch unser TopValue Tool mit höchster Expertise tut. Es ist ein Genuss den Dingen auf den Grund zu gehen, die Verbindungen und Wechselwirkungen zu erkennen und das Handeln von Akteuren nachzuvollziehen zu können. Auch, wenn man mitunter darunter leidet wie ein geschlagener Hund. Da tut Zuspruch gut, wie man ihn dann aber auch immer wieder dankenswerterweise empfängt. Wie z.B. gestern, als mir ein Leser schrieb, dass er sich mit mir ärgere. Und mir ein schönes Bild übermittelte, dass ich Ihnen nicht vorenthalten will und derzeit leider nur allzu häufig zutrifft: „
„Es gibt einfach zu viele Menschen, die den Kakao auch noch trinken, durch den man sie zieht...“
Wie sehr auch er der Verzweiflung nahe ist, zeigt die Frage danach, ab wann Art. 20 Abs. 4 des Grundgesetzes angewendet werden kann? Hier Artikel 3 und 4.
„(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“
Dass man damit sehr sorgsam umgehen muss, versteht sich von selbst. Dass aber die Fragen inzwischen gestellt werden, zeigt auf welch irrigem Pfad wir uns derzeit wohl befinden müssen. Und dass viel zu viele in der Vergangenheit versagt und geschwiegen haben und es auch in der Gegenwart noch tun, wo sie hätten reden sollen. Unter diesem Aspekt finde ich es großartig und mutig zugleich, dass der hessische FDP Europaminister Jörg-Uwe Hahn die rechtliche Klärung der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur gegen die EZB-Statuten, sondern auch gegen das Grundgesetz verstoßenden Staatsanleihenkäufe der EZB fordert. Er ruft die Deutsche Bundesbank und Herrn Weidmann dazu auf, die Aufkäufe einfach zu boykottieren und sich von der EZB verklagen zu lassen. Was einer Klärung der Angelegenheit gleich käme. Was wird Draghi in einer solchen Lage tun? Und erst die Bundeskanzlerin?
Dass keine der Regierungs- oder Oppositionsparteien dieses Thema ernsthaft aufgreift, ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Da muss man sich große Sorge um die Selbstheilungskräfte unsere Demokratie machen.
Interessanterweise sind diese Selbstheilungskräfte derzeit ausgerechnet in einem Segment tätig, in dem man es eigentlich nicht erwartet hätte. So bekommen es ausgerechnet die Hochfrequenzhändler mittlerweile selbst mit der Angst zu tun und kalte Füße. Das Wall Street Journal titelt heute „Rapid Fire Traders’ Big Fear: Themselves.”
Seit der Beinahe Katastrophe bei der Knight Capital Group vor ein paar Wochen gibt es in der Branche erste zarte Ansätze für ein Umdenken. Wegen eines Softwarefehlers in 40 Minuten 400 Mio. Dollar zu verlieren, ist schließlich kein Spaß mehr. Das geht an die Existenz. Was wenn das uns passieren würde („Everyone’s sitting there saying: „This could happen to me.“)? Diese Frage steht also plötzlich im Raum der High Frequency Trader. So stellt selbst Frau Shapiro von der US-Börsenaufsichtsbehörde ein „Umdenken“ bei der betroffenen Klientel fest. Man soll also die Hoffnung nie aufgeben, wenngleich ich nicht verkenne, dass weniger die Einsicht als vielmehr die Angst vor Verlusten der Treiber ist. Also weg damit. Diese Lektion sollten wir gelernt haben.
War das schon ein kleiner Lichtschein, der aufgrund der tiefen Dunkelheit in der Finanzwelt umso stärker strahlte und Wirkung zeigte, so habe ich mit ebenso großer Genugtuung den Ansatz eines Wandels bei den Risikokapitalgebern, jedenfalls in den USA, zur Kenntnis genommen. Der misslungene Facebook-Börsengang war auch dort ein Auslöser dafür, das eigene dumpfe Herdenverhalten bzw. die eigene, oft nur allzu bescheuerte Vorgehensweise zu hinterfragen. Statt das tausendste von blutjungen Web-Typen gehypte Social Network zu finanzieren, schaut man nun offensichtlich verstärkt auf die Geschäftsmodelle und auch die Erfahrungen der dahinter stehenden Menschen.
So bekommen nun endlich zunehmend diejenigen Aufmerksamkeit, die eben nicht nur Trends hinterherrennen und abkupfern, dass einem schwindlig wird, sondern jene, die über Jahre beharrlich ihre unique Idee verfolgen und einfach ihren Weg gehen. Komme, was da wolle oder auch nicht. Nicht weil sie trendy eine Welle absurfen und Kohle abzocken wollen, sondern weil sie von ihrem eigenen Tun überzeugt sind, von ihrer Idee getrieben werden und sich auch nicht von Mißerfolgen korrumpieren lassen. Wenn Sie mich fragen, sind das die wahren Helden. Jene, die sich - fest an eine Idee glaubend – Tag für Tag durch das Dickicht der Widrigkeiten und mangelnder Anerkennung schlagen, ja belächelt werden und damit unsere Zukunft verbessern helfen. Denen rufe ich von hier aus zu: Haltet durch. Wir brauchen Euch dringender denn je.
Dabei kommt mir der Spruch von Gandhi in den Sinn, denn ich – angesichts der Einheitsbrei-Tristesse in unserem Land gar nicht oft genug wiederholen kann:
„Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Zukunft sehen wollen.“
Also machen wir uns auf den Weg. Jeder an seiner Stelle. Was müssten wir also an uns ändern, dass wir so leben könnten, wie wir es gut finden würden?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke
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