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21. September 2012 09:41
Heute möchte ich Ihnen und vor allem jenen, die mit dem Aktienkauf bzw. der Aktienauswahl noch nicht so versiert sind bzw. Erstkäufern in einem Rundumschlag Hinweise darauf geben, wie man am Aktienmarkt mittelfristig Gewinne erzielt. Dabei geben wir eine aktuelle Einschätzung zur aktuellen Marktsituation ab. Viel Spaß beim Lesen!
Realwirtschaft
Was die Realwirtschaft und das Weltwirtschaftswachstum angeht, so sind wir aufgrund des immensen Nachholbedarfs der Schwellenländer (China, Indien, Brasilien, Asien) mittel- bis langfristig weiter sehr zuversichtlich. Kurzfristig, also für den Rest des Jahres, sind wir eher negativ gestimmt. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass sich die Wirtschaft Chinas und damit deren Exporte abschwächten. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Exporte nach Europa, die zuletzt um -12% rückläufig waren. Auch wenn China-Premier Wen Jiabao zuletzt das Wachstumsziel Chinas von 7,5% bestätigt und zur Erreichung entsprechende Infrastrukturprogramme und die weitere Öffnung des chinesischen Finanzmarkts angekündigt hat, werden die Folgen frühestens Anfang/Mitte des nächsten Jahres erkennbar sein.
Die Abkühlung der chinesischen Konjunktur zeigt sich derzeit auch in einer schwächeren Stahlnachfrage, was wiederum über eine schwächere Eisenerznachfrage auf die Minen in Australien zurückwirkt. Die Minenbetreiber haben ihre Pläne für eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten erst einmal auf Eis gelegt und entlassen nun aus Kostengründen Mitarbeiter. Das wirkt natürlich auch auf die Hersteller von Schwermaschinen und auch den Konsum zurück. In den USA ist die Konjunktur zuletzt zurückgegangen und verharrt auf niedrigem Niveau.
Auf dem amerikanischen Eigenheimmarkt gibt es erste Erholungstendenzen. Die Dürre dieses Sommers sorgt über die USA hinaus für steigende Agrarrohstoffpreise, welche die Nahrungsmittelhersteller aufgrund eines heiß umkämpften Marktes nur zum Teil weitergeben können. In Europa überwiegen aufgrund der rückläufigen Staatsausgaben im Zuge der Schuldenkrise bis auf weiteres rezessive Tendenzen. Strukturelle Anpassungen und Sparmaßnahmen in Ländern wie Spanien und Portugal aber auch Italien setzen der Konjunktur weiter zu. Griechenland ist aufgrund der Versäumnisse in der Vergangenheit im Euro beinahe ein hoffnungsloser Fall. Für den ein eigener Wechselkurs mit der Möglichkeit abzuwerten und aufzuholen ein Segen wäre.
Finanzmärkte
Die Finanzmärkte haben sich vor allem durch expansive Geldpolitik der FED (Quantitativ Easing 3) und der EZB (unbegrenzter Aufkauf von Staatsanleihen) von der Realwirtschaft wieder einmal abgekoppelt. De facto versucht die Politik über Niedrigzinsen und eine Ausweitung der Geldmenge die heimischen Wirtschaften anzukurbeln und in Europa zusätzlich die Staaten zu finanzieren. Was sich mittelfristig über eine steigende Inflation und Blasenbildungen rächen wird. Schließlich ist der Zusammenhang zwischen steigender Geldmenge und steigenden Aktienkursen mit einer gewissen Zeitverzögerung statistisch genauso evident wie der zwischen steigender Geldmenge und steigender Inflation. Kurz gesagt: es ist genug Liquidität im Markt. Das ist Segen und Fluch zugleich.
Zunächst aber wird es seine segensreiche Wirkung auf die Realwirtschaft nicht verfehlen. Wobei die den Braten riecht, sich eher zurückhält und deshalb die Liquidität sich anderweitig ihre Anlage suchen muss. Was nicht in Staatsanleihen geht, drängt in den Immobiliensektor bzw. in Aktien sowie Rohstoffe. Der zwischenzeitlich wieder über 100 Dollar je Barrel steigende, durch fundamentale Kriterien nicht unterlegte Rohölpreis, der momentan wieder eher rückläufig ist, zeigte das recht deutlich. Wie auch die stark steigenden Getreidepreise, die aber zum Teil fundamental (Dürre) begründet sind.
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Geldanlage im Allgemeinen
Die Zinsen werden aufgrund der expansiven Geldpolitiken zunächst auf dem historisch niedrigen Niveau verharren. Für die Geldanlage heißt das bei einer Inflation von derzeit ca. 2% in den meisten Fällen und bis auf Weiteres realvermögensvernichtende Zinsen für Sicht-, Termin- und Spareinlagen und Bundesanleihen. Insofern bieten diese sich nur dann als Geldanlage an, wenn man absehbare Anschaffungen und Ausgaben hat, die man kurzfristig finanzieren muss. Als mittelfristig Geldanlage sind sie derzeit völlig ungeeignet.
Da die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen eines eher fernen Tages steigen werden und dann die Anleihekurse sinken, fallen für mich auch die Anleihen als probate Geldanlage aus. Wobei die steigende Inflation zusätzlich zuschlagen wird. Das gilt auch für Lebensversicherungen, wenn sie vorwiegend als Geldanlage und weniger als Absicherung gegen den Todesfall genutzt werden soll. Wenn schon Anleihen, dann Wandelanleihen von soliden Unternehmen, die man im Ernstfall in Aktien wandeln kann. Denn auch wenn die Inflation derzeit aufgrund rezessiver Tendenzen noch relativ niedrig ist, wird ab Mitte nächsten Jahres durchaus realistischer weltweiter Konjunkturaufschwung, die Preise nach und nach mächtig anheizen. Es bleiben dann nur noch Sachwerte wie Immobilien, Gold, Diamanten und andere Rohstoffe sowie Aktien.
Was die Immobilien betrifft, sehen wir aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der abnehmenden Demografie die Gefahr einer Blasenbildung. Gold ist im historischen Kontext schon sehr hoch bewertet. Im Ernstfall wird der Wert nicht zu realisieren sein. Diamanten und andere Rohstoffe setzen eine hohe Grundkenntnis voraus. Insofern ist da eher abzuraten. Derivate und sonstige Optionen sind reine Versprechen, die noch dazu zeitlich begrenzt sind oder von der Bonität des Herausgebers abhängen und deshalb ein hohes Risiko beinhalten. Hier verweise ich auf die reale Ausfallgefahr europäischer Zombie-Banken. Für denjenigen, der mittelfristig, also für einen Zeitraum von fünf und mehr Jahren anlegen will, bleibt also nur die Aktie. Sie ist um mit Merkel zu sprechen „alternativlos“.
Aktienanlage ist sinnvoll
Wer Aktien kaufen will, muss nicht in einen Fonds investieren. Wie bei vielen andern Produkten auch (z.B. auch Riester) fressen hohe Provisionen und/oder Verwaltungs- und/oder Absicherungskosten die Rendite weitestgehend auf. Dagegen steht eine seit 1960 nachweisliche Aktienrendite von jährlich 12,21% (Mittelwert) bzw. 11,77% (Median), wenn man nur die 30 Aktien des Dax direkt gekauft und gehalten hätte (Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.). Natürlich mit Schwankungen von einem maximalen jährlichen Kursgewinn von +78,05% und einem maximalen jährlichen Kursverlust von -42,85%. Diese Fakten zeigen recht deutlich, dass man sich eine hohe Rendite mit guten Nerven ersitzt.
Die richtigen Aktien zu kaufen und zu halten wie Kostolany es einst vorschlug und Warren Buffett es noch immer praktiziert, ist aktueller denn je zuvor. Dass Finanzmarktakteure daran keine Freude haben und dazu nicht raten, versteht sich von selbst. Gebühren fallen, da Depotgebühren bei Direktbrokern kein Thema mehr sind, nur noch beim Kauf und Verkauf an. Davon können die in ihren jetzigen Strukturen nicht leben.
Selbstgekaufte Aktien sind also nicht nur wegen des Wertzuwachses zu empfehlen, sondern auch wegen der inzwischen niedrigen Kosten/Gebühren für Kauf und Verkauf. Allerdings muss man beim Aktienkauf ein paar grundsätzliche Dinge beachten, wie z.B. dass Kurse den Gewinnen folgen. Dann sollte man aber auch Unternehmen auswählen, die Gewinne machen und in der Vergangenheit gemacht haben. Also ein wenig sollte man sich das Unternehmen, das man kaufen will schon ansehen. Eine hohe Eigenkapitalquote, eine geringe Verschuldung, wachsende Umsätze und steigende Gewinne sind nie verkehrt. Es gibt inzwischen Internetanbieter wie uns, die Ihnen diese Arbeit abnehmen. Dann sollte man Aktien nur mit Geld kaufen, das man über hat (kein Aktienkauf auf Kredit!!!) und auf das man mindestens 5 Jahre lang verzichten kann. Man sollte wissen und niederschreiben, welches (Kurs-) Ziel man mit Aktien erreichen will. So meidet man Angst und Gier, welche die größten Feinde eines jeden Anlegers sind.
Eine Hilfe dafür, dass man investiert und nicht spekuliert, ist die selbstgestellte Frage vor dem Kauf, ob man das Unternehmen auch kaufen würde, wenn man es auch zu 100% kaufen könnte. Keinesfalls sollte man in Krisen und bei Kursrückgängen verkaufen. Unsere Analysen zeigen, dass solide Unternehmen wie z.B. BMW oder Aurubis spätestens drei Jahre nach der Finanzkrise Kursverluste aufholen und ihre Vorkrisenkurse wieder überschreiten. So wie man seinen Partner in den ersten Krisen hoffentlich auch nicht im Stich lässt, sollte man es auch mit Aktien halten. Krisen kommen und gehen. Wer glaubt sie rechtzeitig erkennen zu können, unterliegt einem von den Finanzakteuren wohlgenährten Trugschluss. Gäbe es denn dann Krisen? Die Zutaten für hohe Aktienrenditen sind also Demut, Geduld und starke Nerven.
Vorgehen bei der Aktienauswahl
Als Grundregel bei Aktien gilt, dass man sich immer die einzelne Aktie und nicht die Branche oder das Land anschaut. Wie bei Menschen auch spielen andere Umstände mittelfristig keine Rolle, wenn der mir gegenübersteht charakterlich in Ordnung ist. Es gibt aber immer Branchen bzw. Länder oder Kontinente die ein höheres Risiko als andere haben. So ist es z.B. dem Infrastrukturwert Flugplatz egal, welche Fluglinie auf ihm landet bzw. welche in Turbulenzen gerät. Tendenziell kann man wohl auch sagen, dass Investitionen im asiatischen-pazifischen Raum oder in Unternehmen, die mit dieser Region einen hohen Umsatzanteil machen, vorzuziehen sind.
Da der europäische Interbankenmarkt weiter auf der Intensivstation liegt, das Misstrauen der europäischen Banken untereinander groß ist, die Kerngeschäfte schlecht laufen, strukturelle Einschnitte wie Basel III bevorstehen und sie die Zukunftsmärkte derzeit verschlafen, empfehlen wir, die Finger von europäischen Banken zu lassen. Ebenso von europäischen (Lebens-) Versicherungen, die unter den Niedrigzinsen leiden. Auch, wenn beide kurzfristig spekulativ hoch gepuscht werden. Wegen Überkapazitäten und Verdrängungskämpfen sollte man Branchen wie Stahl, Fluglinien und Lebensmitteleinzelhandel im In- und Ausland meiden. Ebenso sind Märkte mit steigenden Anzahlen und sinkenden Durchschnittspreisen, wie z.B. Halbleitermärkte sehr riskant. Versorger in Japan sind wegen der Unsicherheit ob die Reaktoren wieder angefahren werden, auch nicht gerade zu empfehlen, weil hochspekulativ.
Interessant hingegen sind Konsumwerte in den bevölkerungsreichen Schwellenländern. Mancher Nahrungsmittelproduzent wird davon profitieren. Aufholende Schwellenländer benötigen aber auch (Schwer-) Maschinen und Rohstoffe aus Minen sowie Energie. Auch müssen die im- und exportierten Waren in die entlegenen Gegenden dieser Welt transportiert werden. Dabei war es noch nie verkehrt auf die möglicherweise etwas höher bewerteten Marktführer zu schauen. Luxusgüter werden von den zunehmenden Mittelschichten in den Schwellenländern ebenfalls gern gekauft, was die Hersteller für einen Aktionär ebenfalls interessant macht. Bei alledem sollte man immer den gesunden Menschenverstand einschalten. Vor allem aber sollte man vermeintliche heiße Tippgeber sowie scheinbar „kostenlose Analysen“ meiden. Sie kosten nämlich häufig ein ganzes Vermögen.
Unterbewertete Aktien
Zu der Unterbewertung von Aktien fällt mir immer der Spruch von Warren Buffett ein, dass er sich fragt, was er falsch gemacht habe, wenn er eine Aktie kauft und diese sofort steigt. Warum ist das so, wo sich doch jeder über steigende Aktien freut und auch Warren nur dann auch verdient? Weil unterbewertete Aktien sich dadurch auszeichnen, dass der Markt die Unterbewertung nicht erkennt und sie deshalb meidet. Die Nachfrage ist bei feststehendem Angebot laut Angebots-/Nachfragemodell gering bzw. sinkend. Der Preis bzw. Kurs muss also logischerweise fallen. Diese unterbewerteten Aktien sind also auf den ersten Blick scheinbar langweilig und rückläufig. Jedenfalls nicht sonderlich attraktiv. Am Finanzmarkt ist es aber ähnlich wie in der Sandkiste mit kleinen Kindern. Eine Schaufel kann lange in der Ecke liegen ohne dass sie einer möchte, bis einer sie schließlich entdeckt. Dann will sie plötzlich jeder haben. D.h. wenn die Unterbewertung entdeckt wird, nähert sich die Aktie ihrem inneren Wert bzw. Gleichgewichtspreis. Und dass dann meist relativ schnell.
Dazu passt vielleicht auch, dass ich inzwischen der Meinung bin, dass bei Aktien nicht hohes Risiko zu hoher Rendite führt, sondern im Gegenteil ein niedriges Risiko. Meist sind die Aktien mit drastischen Kurssteigerungen gut geführte Mittelständler mit scheinbar langweiligen Produkten aus der zweiten Reihe wie z.B. Fuchs Petrolub (579040) mit ihren Ölspezialitäten oder Rational AG (WKN 701080) mit ihren Combi-Dämpfern.
Und zuletzt: Weil die Börse und die Börsenkurse in einem irrationalen Prozess zustande kommen, der häufig nichts mit den fundamentalen Situation von Unternehmen zu tun hat, sind diejenigen mittelfristig die Gewinner, die streng rational und fundamental vorgehen. Auch wenn sie häufig in der kurzen Frist die Verlierer zu sein scheinen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke
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