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Wall Street und Frankfurt durchwachsen; Erholung in Tokyo; Oracle hält sich gut; unglaubwürdige Troika-Farce geht weiter; China verspeist USA; Kamele statt Kängurus; Toyota verdoppelt Hypriden
21. September 2012 08:23
Globalyze Marktbericht
An der Wall Street standen gestern schwache chinesische Konjunkturdaten und höher als erwartete Neuarbeitslosenzahlen gegen einen sich positiv entwickelnden FED Bank of Philadelphia Geschäftsklimaindex und eine gelungene spanische Anleiheauktion. Während der Dow mit +0,14% (13.569) zulegte, gaben Nasdaq (-0,21%; 3.175) und S&P 500 (-0,05; 1.460) nach. Im Dow schafften es Kraft Foods (+2,52%) und Microsoft (+1,74%) aufs Siegertreppchen. Alcoa und Hewlett Packard gehörten mit -1,93% bzw. -1,12% zu den größten Verlierern. Ein schwächer als erwartetes Ergebnis drückt Bed, Bath & Beyond um -9,75% nach unten. Die Entlassung von über 16.000 Mitarbeitern bis Ende des Jahres half dem Kurs der Bank of America (-1,08%) nicht. Conagra, die ein besser als erwartetes Quartalsergebnis zeigten und den Ausblick anhoben, wurden dafür vom Markt mit +6,20% belohnt. Rohöl fiel um -0,1% auf 91,87 Dollar je Barrel. Gold verlor -0,1% auf 1.767,10 Dollar je Unze. Der Zins für 10-jährige Staatsanleihen fiel auf 1,778%. Der Dollar wertete gegenüber dem Euro auf, fiel aber gegenüber dem Yen.
In Frankfurt trat der Handel weitestgehend auf der Stelle. der Dax gab mit -0,02% (7.389) leicht nach, während Tec Dax und C Dax mit +0,33% (815,28) und +0,01% (649,01) zulegten. Dabei belasteten vor allem die momentane Chinaschwäche und der Einkaufsmanagerindex für Europa, der so tief lag wie seit 2009 nicht mehr. Hingegen stieg der Einkaufsmanagerindex in Deutschland, blieb aber mit 49,7 Zählern unter der magischen 50 Punkte Marke, die Aufschwung signalisiert. Im Dax lagen Henkel (+2,52%) und Metro (+2,07%) vorn. Commerzbank, BMW und Daimler lagen mit -4,44%, -3,16% und -2,42% auf den hintersten Plätzen. Die zuletzt nachgebenden Zulassungszahlen zeigen also ihre Wirkung. So hält Daimler einen Gewinnrückgang in der Pkw-Sparte für möglich. Dann war da noch die Deutsche Lufthansa, die wegen der Meldung über die Schaffung einer Billigfluglinie an Höhe gewann (+0,91%). Ob dieser Abstecher in den Billigflugbereich wirklich die Lösung für die Probleme der Deutschen Lufthansa ist? Ich habe da meine Zweifel. Im Tec Dax sah man mit der SMA Solar (+2,80%) wieder einmal einen Solarwert scheinen. Euromicron folgte mit +2,77%. Nordex lag mit -3,80% erneut hinten, wie auch Cancom mit -2,72%. Der Zins für 10-jährige Staatsanleihen sank auf 1,535%.
In Tokyo stieg der Nikkei um +0,65% auf 9.146 Punkte. Nach dem gestrigen Einbruch waren heute wieder vor allem inländische Käufe zu verzeichnen. Dabei waren vor allem auch Autowerte gesucht. Toyota, die noch dazu eine Verdoppelung des Outputs der Hybridfahrzeuge auf 1,2 Mio Einheiten ankündigten, legten um +1,2% zu. Mobilcarrier wie Softbank und KDDI profitierten u.a. vom iPhone5 Hype. Größte Branchengewinner waren Versorger, Lebensmittelhersteller und Landtransport. Größte Verlierer waren Stahl, Broker und Verschiedenes. Die schwachen chinesischen Konjunkturdaten setzten vor allem auch Komatsu zu, die um -3% nachgaben und damit seit März über -36% verloren haben. Auch die Halbleiter- bzw. Chipwerte gaben weiter nach. Ob Dainippon Screen, Tokyo Electron oder Sumco. Fast alle gaben über -4% nach. Hingegen konnte sich UKC Holdings, die Elektronikteile für Smartphones und Digitalkameras herstellen mit einem Kurssprung von satten +13% deutlich distanzieren. Die Spielehersteller Gree und DeNa gaben trotz der momentan laufenden Tokyo Game Show 2012 um -4,1% bzw. -4,5% nach.
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Oracle steigert Gewinn. Der sich in dem -2%-igen Umsatzrückgang auf 8,2 Mrd. Dollar ankündigende Rückgang bei den Technologieausgaben im Markt änderte nichts daran, dass die Softwarefirma den Quartalsgewinn um +11% auf 2,03 Mrd. Dollar steigerte.
Standpunkt: Oracle leidet derzeit vor allem unter Europa. Während die Umsätze in den Amerikas um +2,3% auf +4,3 Mrd. Dollar und in Asien um +2,1% auf 1,5 Mrd. Dollar stiegen, war in Europa ein Rückgang um -12% auf 2,4 Mrd. Dollar zu verzeichnen. Dass Oracle trotz des Umsatzrückgangs einen Gewinn ausweist, spricht für das Kostenmanagement des Unternehmens. Das bestätigt auch der eindrucksvolle Kurstrend, der seit 2005 aufwärtsgerichtet ist. Eine schlechte Aktie ist das jedenfalls nicht.
Troika unglaubwürdig und zahnlos. Obwohl sich eine größerer Finanzierungslücke als erwartet abzeichnet und Erträge aus Privatisierungen lächerlich niedrig sind, soll es angeblich Nachverhandlungen mit Griechenland geben.
Standpunkt: Der Bericht der Troika wird wie befürchtet ausfallen. Das offizielle Griechenland will einfach nicht. Seit über 2 Jahren erleben wir nun das gleiche Spiel. Großen Ankündigungen folgen Luftnummern. Griechenland kalkuliert offensichtlich ganz offen damit, dass die Troika Ihnen das Geld nicht verwehren wird. Man könnte das auch Erpressung nennen. Vielleicht gibt es ja schon erste Zusagen im Hintergrund, auch von unserer Regierung? Während man noch gegenüber dem "doofen" Bürger auf Einhaltung pocht. Wenn Griechenland jetzt noch eine Frist gewährt wird, die 31 Mrd. Euro ausbezahlt werden und Griechenland im Euro verbleibt, macht sich die Troika unglaubwürdig und lächerlich. Wieso soll sich dann Spanien oder Portugal an Auflagen halten? Es ist ein Riesenskandal, dass sich Europa von einem der kleinsten und unbedeutendsten Eurostaaten auf der Nase herumtanzen lässt. Und damit der Schwanz mit dem Hund wedelt. Wenn Europa mit Griechenland nicht endlich ein Exempel statuiert, wird die Vorgehensweise Griechenlands seine Nachfolger finden. Europa ist jedenfalls so auf dem absteigenden Ast. Ein solch verlogenes und vertrauensunwürdiges Europa kann am Ende keiner wollen.
Toyota verdoppelt Hybridausstoß. Der weltweite Marktführer hat angekündigt, dass er - nicht zuletzt wegen der asiatischen Nachfrage nach Hybriden - diese gegenüber dem Vorjahr auf 1,2 Mio. Fahrzeuge verdoppelt wird.
Standpunkt: Toyota produziert also allein so viel Hybriden wie BMW insgesamt an Fahrzeugen absetzt. Das zeigt den großen Vorsprung, den Toyota und auch die anderen Japaner bei Hybridfahrzeugen haben. Dabei rechnet Toyota aufgrund der Massenfertigung zukünftig mit niedrigeren Kosten bei Batterien und Brennstoffzellen. Übrigens setzt Toyota ca. 75% seiner Hybriden in Japan bzw. den USA ab. Wer noch die negativen Schlagzeilen von Handelsblatt und Financial Times von vor eineinhalb Jahren in Erinnerung hat, muss sich verwundert die Augen reiben. Lassen Sie sich als Anleger also von effektheischenden Headlines nicht verunsichern. Das sind einfache Journalisten und keine Analysten. Und nicht alles, was in der Zeitung steht, ist auch wahr.
China verspeist USA. Laut Welthandelsorganisation hat China zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr Agrarprodukte importiert als die USA. In 2011 stieg der Agrarimport um +34% auf 144,7 Mrd. Dollar.
Standpunkt: Ob Reis, Sojabohnen oder Weizen, China muss, da es selbst nicht genug produzieren kann, immer größere Mengen importieren. Das kommt den Landwirtschaften weltweit zugute. Und nur diesen. Da die Agrarrohstoffe unverarbeitet nach China kommen und dort verarbeitet werden. Jetzt versteht man die Rohstofflegende Jim Rogers, wenn er etwas plakativ fordert, Landwirt zu werden.
Kamele statt Kängurus. Der von Qantas-CEO Joyce mit den in Dubai sitzenden Emirates unterzeichneten Vertrag, der einen Aufsplitt vorsieht, wird nach Ansicht der Aussie Gewerkschaft TWU das Ende von Quantas besiegelt.
Standpunkt: Die Transport Workers Union hofft nun darauf, dass die von der Australien Competition und Consumer Commission in der ihr zur Verfügung stehenden maximalen Zeit von 6 Monaten anberaumte Prüfung eine Verweigerung ergibt. Aus nationalen Interesse heraus. Wobei das relativ unwahrscheinlich ist. Eines aber zeigt dieser Deal und auch die von der Deutsche Lufthansa angekündigte Billigfluglinie deutlich. Die Fluglinien leiden weltweit unter massiven Turbulenzen. Als Anleger ist man gut beraten, abzuwarten und zu beobachten, wer oben bleibt und wer an Höhe verliert bzw. abstürzt. Das Risiko in diesem Segment ist derzeit einfach zu groß.
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