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20. September 2012 11:21
Während wir uns hier in Deutschland mit dem Armuts- und Reichtumsbericht beschäftigen und man das Gefühl hat, dass sich hierzulande einer dafür schämen muss, dass er härter gearbeitet hat als andere, womöglich intelligenter war und mehr unternehmerisches Risiko eingegangen ist und dies dann zum Erfolg führte, haben andere Regionen dieser Welt damit kein Problem. Im Gegenteil. Nach dem Motto „Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich erarbeiten“ machen sie denjenigen, die aufholen und nach vorne wollen und mit den Füßen scharren, die Tore weit auf. In jeder Hinsicht.
So gibt es inzwischen mit satten 3,37 Mio. Menschen in der asiatisch-pazifischen Region die meisten High Networth Individuals (HNI) mit einem Einkommen über 1 Mio. Dollar. Damit hat diese Region erstmals mehr HNI als die USA (3,35 Mio.) und deutlich mehr als Europa (3,17 Mio.) und kommt auf ein HNI-Vermögen von ca. 11 Billionen US-Dollar. Das kann man einer Studie von Capgemini und RBC Wealth Management entnehmen. 54% der 3,37 Mio. HNI in Asien entfallen dabei auf Japan, 17% auf China und 5% auf Australien.
Interessant ist auch die Veränderung. So stehen in der Zunahme Thailand mit +9,3% und Indonesien mit +5,3% ganz vorn. Hong Kong ist mit -20,1% der große Verlierer vor Indien mit -18%. Leicht wachsend waren Japan mit +2,3% und China mit +1,8%. Weil das Wachstum in der asiatisch-pazifischen Region laut Asiatischer Entwicklungsbank mit ca. 6,5% angegeben wird und die Studienersteller diese Region bis auf weiteres als die wachstumsstärkste Region sehen, wird sich die Zahl der HNI in dieser Gegend weiter erhöhen.
Schaut man sich nun die neue Forbes Liste der Reichsten weltweit an, dann dominieren diese – wie nicht anders zu erwarten - die in die Jahre gekommenen Entrepreneure der Vergangenheit. Mit 69 Mrd. Dollar ist der Mexikaner Carlos Slim Helu der reichste Mensch überhaupt. Schon auf Platz 2 ist Microsoft Gründer Bill Gates mit 61 Mrd. Dollar, der sich vorbildlich über die Melinda Gates Stiftung für die Weltgesundheit in den ärmeren Regionen dieser Welt einsetzt. Der Value Investor Warren Buffett mit seinem scheinbar untrüglichen Gespür für die Trends und die richtige Aktienauswahl, welche ihm den Spitznamen des Orakel aus Omaha einbrachte, ist mit 33 Mrd. Dollar bereits abgeschlagen auf Platz 3.
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Da soll mir noch einmal einer sagen, dass man es mit Aktien nicht weit bringen könnte. Kleiner Seitenhieb auf die Kollegen der auf Anlegermessen und Börsentagen boomenden Trendfolger. Mit dieser Methode übrigens auch mit Derivaten und Zertifikaten hat es noch keiner unter die Reichsten der Reichsten geschafft.
In Europa ist übrigens der mit 46,5% größte Aktionär des Luxusgüterherstellers LVMH Moet Hennessy – Louis Vuitton und Vorstand Bernard Arnault der reichste Mensch. In Deutschland stehen seit einigen Jahren die Aldi Brüder ganz vorn. Karl Albrecht zählt 25,4 Mrd. Dollar sein eigen und der verstorbene Theo 17,8 Mrd. Dollar. Es folgen Michael Otto aus Hamburg mit 17,6 Mrd. Euro, Susanne Klatten, die zuletzt mit ihrem Engagement über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion bei SGL Carbon AG auffiel, wo sie 26,9% hält, mit 13 Mrd. Dollar und Johanna Quandt, deren Familie zu der auch Susanne gehört, stark bei BMW mitmischt, mit knapp 10 Mrd. Dollar.
Da wir von Globalyze es gewohnt sind über den alten Tellerrand hinauszuschauen, finden wir die Veränderungen in den Listen viel spannender als die Reihenfolge an sich. So ist es schon beeindruckend, dass noch im letzten Jahr 7 von 18 Newcomern unter den 400 Reichsten oder 39% dem Bereich Soziale Netzwerke zuzuordnen waren. In diesem Jahr ist es nur noch 1 von 20 oder 5%. Ob der, jedenfalls für die Neu-Aktionäre in die Hose gegangene, Facebook Börsengang Zeitpunkt einer zu Ende gehenden Epoche markiert? Egal. Noch spannender finde ich, dass von den Top20 Newcomern 16 das über den Aufbau eines eigenen Unternehmen oder wie die Amis es sagen „from the scratch“ geschafft haben.
Ob mit Twitter oder dem Kartenleser für das iPhone wie Jack Dorsey es mit seiner Square Inc. auf 1,1 Mrd. Dollar gebracht hat. Oder Kevin Planck, der es mit Funktionskleidung unter der Marke Armour auf 1,35 Mrd. Dollar geschafft hat. Dass es sich lohnt aus 2 Texas Restaurants eine 56 Läden umfassende Marke aufzubauen und dabei noch 421 lokale Casinos ins Land zu stellen, bewies Tilmann Fertitta. Es bescherte ihm immerhin 1,6 Mrd. Dollar. Auch Immigranten wie der Japaner Andrew Cherng schaffen es über die Idee des Schnellservice Panda Express auf immerhin über 1.500 Restaurants. Elon Musk, der den Stromautoanbieter Tesla Motors und sein ersten Model S ins Leben gerufen hat, kassierte dafür 2,4 Mrd. Dollar. Interessant ist dabei auch die Tatsache, dass unter den Newcomern nur 4 unter den 400 Reichsten sind, die ihr Vermögen geerbt haben. Allen voran ist das die Witwe von Apple Gründer Steve Jobs Laurell, die 11 Mrd. Dollar schwer ist. Die wahrscheinlich gern auf ihre Erwähnung in der Forbes Liste verzichten würde, wenn sie ihren Mann noch hätte. Schließlich hat das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen. Wobei gerade Steve Jobs zeigt, dass es ihm weniger ums Geld ging, als um die Umsetzung seiner teils genialen Ideen. Das vielleicht auch einmal als Hinweis an die Linke in unserem Land.
Warum ich diese Kolumne und Liste bewusst kontrapunktuell und damit provozierend vor dem Hintergrund der Neiddebatte in unserem Lande und dem soeben vorgelegten Armut- und Reichtumsbericht ausbreite?
Weil ich die Botschaft in das allzu oft kleinkarierte Deutschland senden will, dass es findige Unternehmer sind, die es damit zu den reichsten Menschen der Welt geschafft haben, indem sie viel Arbeit, Kopfschmalz, hohes unternehmerisches Risiko einsetzten und vielleicht auch ein wenig Glück hatten. Von Nichts kommt bekanntlich Nichts.. Die übrigens nicht wenig an das Land bzw. die Welt zurückgeben, wie man an der von Warren initiierten Initiative „The Giving Pledge“ eindrucksvoll zur Kenntnis nehmen kann. Und zwar ohne Neiddiskussion und Reichensteuer und Sozialistengeheul, sondern ganz freiwillig. Auch das sollte man bei uns einfach einmal zur Kenntnis nehmen. Auch, wenn es im heutigen Deutschland inopportun ist, so etwas zu sagen und ich mir damit bestimmt wieder einige Protestmails einhandeln werde.
Ich jedenfalls gönne jedem, der das Wagnis des Unternehmertums und dem Festkrallen an einer noch so verrückten Idee, angesichts des möglichen Scheiterns mit dem anschließenden Fallen ins Nichts, gegen den Widerstand der Ewiggestrigen, alles Besserwisser und Bürokraten, auf sich nimmt jeden Wohlstand und Reichtum. Sie werden keinen Funken Neid in meinen Augen erkennen können. Insofern halte ich diese immer wieder aufkeimende negativ geführte Diskussion für total überflüssig und abwegig.
Wie wäre es, wenn die Kanzlerkandidaten der SPD und Frau Merkel und deren ihren Vorsingern inzwischen sklavisch folgenden Parteien und Parteienmitgliedern mit ihrem im Bundestag automatisch und reflexhaft nach oben schmeißenden Arm sich einfach einmal fragen würden, wie wir noch mehr Menschen ganz nach vorn in der Forbes Liste bekommen und was wir unseren jungen und auch alten Innovatoren zur Verfügung stellen müssten, dass sie es leichter „from the scratch“ schaffen? Statt denjenigen, die eh schon überdurchschnittlich hart arbeiten, Arbeitsplätze schaffen und noch dafür haften, was sie tun, mit ihrer Bürokratie- und verfehlten Reguierungslust und dem Puschen von Versagern und Versagerbranchen wie den Banken, diese Erntrepreneure und damit uns, um ihre Zukunft bringen? Dann würde sich manch anderes Problem von ganz alleine lösen.
Denn von Reichmachern und Reichen kann eine Gesellschaft nie genug haben. Jedenfalls in einer Gesellschaft, die sich noch etwas Freiheit im Denken und Handeln bewahrt hat.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke
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