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17. September 2012 15:15
Fast zehn Prozent hat der Japanische Yen gegenüber dem Euro in den vergangenen zwei Monaten verloren und damit meine Erwartungen zumindest in diesem Punkt erfüllt. Aber das ist nur der eine Teil der Wahrheit. Schaut man sich den Yen im Verhältnis zum US-Dollar an, erkennt man, dass die Gründe bei EUR/JPY im sich wieder rasant erholenden Euro liegen und nicht tatsächlich eine Yen-Schwäche darstellen. Zum US-Dollar hat Nippons Währung in der vergangenen Woche mit 77,13 USD/JPY sogar ein neues Jahreshoch markiert. US-Notenbankchef Ben Bernanke öffnet die Geldschleusen, schickt damit den Dollar auf Talfahrt, und der Wettlauf um die schwächste Währung geht in die nächste Phase.
Nun ist am Mittwoch die japanische Notenbank an der Reihe, sich gegenüber den Finanzmärkten zu erklären, wohin die geldpolitische Reise geht. Mit den Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB, mit weiteren milliardenschweren Anleihekäufen die Wirtschaft stimulieren zu wollen, hat sich der Druck auf die japanischen Kollegen um einiges erhöht. Hinzu kommt der Druck aus dem eigenen Land. Der japanische Finanzminister Jun Azumi erwartet von der Bank of Japan (BoJ) „angemessene Schritte zu richtigen Zeit.“ Schaut man sich die Zahlen zur aktuellen Verfassung der japanischen Wirtschaft an, so spricht vieles dafür, dass schon der kommende Mittwoch der richtige Zeitpunkt ist, die geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern.
Das japanische Modell, die wirtschaftlichen Schwächephasen hervorgerufen durch eine einbrechende Inlandsnachfrage mit steigenden Exporten auf der anderen Seite zu kompensieren, funktioniert schon lange nicht mehr. Seit Anfang 2011 ist die Handelsbilanz überwiegend negativ. Im Juli fiel das Defizit in der Handelsbilanz mit 517 Milliarden Yen (ca. 5 Milliarden Euro) doppelt so hoch aus wie von den Experten erwartet. Die Exporte brachen um 7,4 Prozent ein, in das krisengeplagte Europa exportierte Japan ein Viertel weniger als noch ein Jahr zuvor. In der Vergangenheit kehrte Japan immer relativ schnell wieder zu den gewohnt hohen Überschüssen zurück. Dies wird sich meiner Meinung nach in der aktuellen Situation allerdings so leicht nicht wiederholen.
Vom einstigen Innovationsführer vor allem im Elektronikbereich ist nicht mehr viel übrig geblieben. In den vergangenen 20 Jahren hat sich Japans Anteil am Welthandel laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos in etwa halbiert. Nur ein Beispiel: Bei Computern sackte dieser Anteil von 23 auf nur noch zwei Prozent ab. So wird es für Japan sehr schwer, zeitnah wieder zu einer positiven Handelsbilanz zurück zu kehren. Diese braucht das Land aber, um sich einen Schuldenberg von aktuell 230 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und höher auf Dauer leisten zu können. Das funktioniert bislang nur, da der Großteil der Gläubiger aus dem eigenen Land kommt und sich der Staat momentan für unter einem Prozent Zinsen Geld leihen kann. Das könnte dann vorbei sein, wenn die Japaner den Glauben an ihre Wirtschaft und damit an ihr Land verlieren sollten. Zumindest politisch ist Japan der Pleite schon sehr nah. Weil die Opposition der Ausgabe neuer Staatsanleihen nicht zustimmt, droht Nippon im November die Zahlungsunfähigkeit. Damit ist zwar nicht zu rechnen, zeigt aber, wie prekär die Situation aktuell ist.
Es ist also wieder einmal höchste Zeit für die Geldpolitik, aktiv zu werden. Vor diesem Hintergrund glaube ich nicht, dass sich der Präsident der BoJ, Masaaki Shirakawa, mit seinen Befürchtungen, weitere Anleihekäufe könnten eine Form der Staatsfinanzierung darstellen, gegen die Befürworter solcher Maßnahmen durchsetzen kann. Ihm und seinem Land nützt die Glaubwürdigkeit seines Instituts in einem Umfeld von gefühlt rund um die Uhr arbeitenden Notenpressen nur wenig. Im Gegenteil, ein weiter steigender Yen würde eventuelle Hoffnungen auf ein sich wieder zum Positiven wendenden Blatt gleich wieder im Keim ersticken. Deshalb erwarte ich für das Treffen am Mittwoch eine weitere Aufstockung des im internationalen Vergleich mit aktuell 70 Billionen Yen (ca. 700 Mrd. Euro) eher bescheidenen Anleihekaufprogramms. Und zwar diesmal nicht nur halbherzig, sondern ohne Kompensation durch andere Maßnahmen wie noch im April dieses Jahres. Damals hatte die BoJ beschlossen, für 10 Billionen Yen mehr Staatsanleihen aufzukaufen, während aber die Mittel an anderer Stelle gekürzt wurden.
Vor diesem Hintergrund bleibe ich bei meiner schon oft an dieser Stelle geäußerten Erwartung eines mittel- bis langfristig eher schwächeren Yen. Der Abwärtstrend gegenüber dem Euro könnte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten bis auf 115 EUR/JPY weitergehen. Für den US-Dollar erwarte ich in diesem Zeitraum wieder Kurse von 85 Yen. Neben einem Engagement in den klassischen Währungspaaren kann man auch den Yen gegenüber dem Australischen Dollar (AUD) verkaufen. Als positiver Nebenaspekt schlagen hier neben möglichen Kursgewinnen auch regelmäßige Zinszahlungen zu Buche. Aktuell kostet ein Aussie rund 82,60 Yen, in den nächsten zwölf Monaten sehe ich das Potenzial bei 90, langfristig kann ich mir hier auch die 100 Yen vorstellen.
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Die japanische Handelsbilanz ist seit Anfang 2011 negativ. Nippons Wirtschaftsmodell wackelt.

In der vergangenen Woche markierte der US-Dollar gegenüber dem Yen ein neues Jahrestief. Eine Bärenfalle?
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