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14. September 2012 12:49
Die vergangenen zwei Wochen wirken, im Rückblick betrachtet, für die Anleger wie Weihnachten – und das schon im Spätsommer.
Notenbanker, Richter und Politiker verteilten mit beiden Händen Geschenke an die Investoren in Form von Rettungsschirmen und Anleihekaufprogrammen.
Groß war die Erleichterung nachdem Mario Draghi in der vorangegangenen Woche unbegrenzte Anleihekäufe der EZB zur Stützung von Krisenländern in der Euro-Zone ankündigte. Die erste Verteidigungslinie des Euro gegen seinen Zerfall war gezogen. Doch damit nicht genug. Etwa eine Woche später erlaubt das Bundesverfassungsgericht die Ratifizierung des ESM mit der Einschränkung, dass die Haftung Deutschlands auf 190 Mrd. € beschränkt bleibt, wenn das Parlament darüber hinaus gehenden Hilfen nicht zustimmt. Aber auch die Karlsruher Richter sehen die Möglichkeit, dass der europäische Stabilitätsmechanismus nicht ausreichen könnte, weshalb das Volumen des ESM bei Bedarf erhöht werden kann. Damit hat der Euro jetzt zwei Verteidigungslinien, die bei einem eventuellen Hilfsantrag aus Spanien oder Italien sofort einsatzbereit sind.
Angesichts dieser Übermacht der Verteidiger mussten sich die Bären aus dem Markt zurückziehen oder das Lager wechseln. Viele Investoren sehen jetzt gute Chancen für eine langfristige Stabilisierung des Euro, wenn die Krisenstaaten die gekaufte Zeit nutzen, um sich zu reformieren. Trotz der Auffangmaßnahmen bleibt der Druck weiterhin aufrechterhalten, sei es durch die Märkte, wenn ein Land es bevorzugt sich außerhalb der Hilfsmaßnahmen zu sanieren, oder durch die Sparauflagen, die untrennbar mit den Notkrediten und Anleihekäufen in Verbindung stehen.
Gestern wurde Ben Bernanke dann zum verfrühten Weihnachtsmann und öffnete ein drittes Mal die Geldschleusen zum „Quantitative Easing“. $40 Mrd. an Mortgage Backed Securities will er pro Monat kaufen, um der amerikanischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Darüber hinaus hält er den Leitzins bis 2015 nahe bei 0%. Er ist wild entschlossen die Arbeitslosenquote, die mittlerweile 43 Monate in Folge über der Marke von 8% liegt, zu senken. Deshalb ist auch das Volumen der Ankäufe nicht gedeckelt, sondern die Federal Reserve will so lange weitermachen, bis sie ihr Ziel erreicht hat.
Der Euro, der ohnehin bereits von den Hilfsmaßnahmen in seiner Heimat profitiert hat, kam gegenüber dem US-Dollar auf über $1,30, weil QE3 den Wert des Dollars im Ausland senkt. Die Marke hat zwar vor allem psychologische Bedeutung, aber dennoch spiegelt sie das gestiegene Vertrauen in den Euro wieder.
Doch das Spätsommer-Weihnachten muss noch nicht vorbei sein. Ein bis zwei Geschenke können Anleger noch erhoffen. Da wäre zunächst ein Antrag Spaniens auf Hilfsgelder aus dem ESM. Damit würden ebenfalls Anleihekäufe der EZB ausgelöst, was frisches Geld in den Markt bringen würde. Die Investoren wollen Spanien jetzt unter den Rettungsschirmen sehen und angesichts der wirtschaftlich schlechten Lage wird es nicht mehr allzu lange dauern bis zum Hilferuf aus Madrid. Wenn das Hilfegesuch nicht kommt, um so besser. Bedeutet es doch, dass Spanien es schafft sich aus eigener Kraft am Markt zu halten. Man darf auf das Ergebnis des Treffens der EU-Finanzminister heute und morgen gespannt sein.
Das zweite Geschenk ist etwas besser versteckt. Wirkt die Abwertung des Dollar doch gegen alle seine großen Handelspartner, wie zum Beispiel den Yen. Dieses Währungspaar ist unter der Marke von 78 Yen pro Dollar gefallen und macht es der exportorientierten japanischen Wirtschaft immer schwerer Waren bei ihrem wichtigsten Handelspartner, den USA, abzusetzen. Schon in den vergangenen Wochen gab es immer wieder Spekulationen auf ein Eingreifen der Bank of Japan zur Schwächung des Yen.
Man darf gespannt sein, was die kommenden Wochen bringen. Die Unterstützung der weltweiten Notenbanken ist ein preistreibender Faktor, der die Märkte mittelfristig begleiten wird.
Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.
Verfasser: Nikolas Mauder
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