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Euro/Dollar auf dem Weg zu 1,30 – Schauplätze Karlsruhe und Washington

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10. September 2012 17:39

Lange schon nicht mehr war die Erwartungshaltung der Experten so eindeutig wie vor dem vieles, wenn nicht gar alles, entscheidenden Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) zur Rechtmäßigkeit des dauerhaften Rettungsschirmes ESM an diesem Mittwoch. Die Nachrichtenagentur Reuters hat zu diesem Thema 20 Verfassungsrechtler befragt. Alle gehen davon aus, dass Karlsruhe grünes Licht für den ESM und den Fiskalpakt geben wird.

Eine Umfrage unter den Investoren erledigt sich mit dem Blick auf die Entwicklungen an den Aktienmärkten und beim Euro. Der DAX hält sich auch heute Morgen noch sehr stabil auf seinem Freitag neu erreichten Jahreshoch und der Euro hat sich von seinem Tief im Juli bei knapp über 1,20 US-Dollar schon wieder mehr als weit entfernt, tendiert aktuell bei gut 1,28 US-Dollar. Für die Finanzmärkte ist es scheinbar nur eine reine Formsache, dass der oberste Richter am BVG, Andreas Voßkuhle, am Mittwoch um 10 Uhr die grundsätzliche Rechtmäßigkeit verkündet, dies allerdings mit Auflagen an die Politik. Diese könnten hauptsächlich in einer Haftungsbegrenzung Deutschlands auf den aktuellen Betrag von 190 Milliarden Euro bestehen, für jeden weiteren Euro müsse dann erneut das Parlament befragt werden.

In diesem Zusammenhang bin ich gespannt, welche Rolle das von der EZB angekündigte Programm zum unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen von Schuldenländern bei der Entscheidung spielt oder gespielt hat. Bis Mittwoch müssen sich die Verfassungsrichter zumindest noch einmal ausführlich mit diesem Thema beschäftigen. Denn kann Karlsruhe nicht bis zur Verkündung über den erneut eingereichten Eilantrag des CSU-Abgeordneten Peter Gauweiler entscheiden, könnte die Urteilsverkündung in letzter Minute auch noch verschoben werden.

Nicht verschoben wird dagegen die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Fed) am Donnerstag. Ob die Fed da allerdings schon den Startschuss für ein anderes Rettungspaket, eine weitere geldpolitische Lockerung namens QE3, geben wird, bleibt weiter fraglich. Nur gut 32 Stunden nach der Entscheidung des BVG in Sachen Euro-Rettung steht mit der Ergebnisverkündung um 18.30 Uhr der zweite wichtige Termin dieser Handelswoche im Kalender. Auch wenn die Arbeitsmarktzahlen am Freitag (Non-Farm-Payrolls (NFPs) lagen bei 96.000 gegenüber erwarteten 125.000) eher enttäuschten, einen Lichtblick gab es immerhin bei der Arbeitslosenquote, welche von 8,3 auf 8,1 Prozent gefallen ist. Ich gehe weiterhin nicht davon aus, dass die Pläne für QE3 auf diesem Treffen aus der Schublade geholt werden. Damit rechne ich erst gegen Ende dieses Jahres. Bis dahin könnte Bernanke die Märkte mit einer Festlegung der Zinsen nahe Null bis in das Jahr 2015 hinein bei Laune halten. Aktuell gilt dieses Versprechen bis Ende 2014.

Diese Geldpolitik setzt keine Anreize für einen steigenden Dollar, weshalb ich davon ausgehe, dass der Greenback weiter unter Druck bleiben dürfte. Gleiches gilt zwar auf den ersten Blick auch für den Euro, der mit dem neuen Anleihekaufproramm der EZB (OMT) genauso an Attraktivität verlieren könnte. Nur hier kommt der verstärkende Effekt dazu, dass die Eurozone durch das angekündigte Programm in meinen Augen an Stabilität gewonnen hat. Während ich die Wirkung eines neuen QE3 in den USA als eher mäßig einschätzen würde, bin ich für die Rettungsmaßnahmen der EZB doch sehr optimistisch, was die zukünftige Renditeentwicklung der Krisenländer angeht. Sinken diese Zinsen und damit die Belastungen für Länder wie Spanien und Italien signifikant, sinkt damit auch die Gefahr eines Dominoeffekts nach einem eventuellen Austritt Griechenlands aus der Eurozone in den nächsten Monaten. Mit einem solchen Schritt rechne ich allerdings nicht vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr, das wird Bundeskanzlerin Merkel schon zu verhindern wissen.

Von dieser Seite droht also eher wenig Gegenwind für den Euro. Hinzu kommt die Stimmungslage am Devisenmarkt. Nach dem aktuellen Speculative Sentiment Indikator (SSI) von FXCM sind von allen weltweit im EUR/USD-Währungspaar engagierten Kunden immer noch 71 Prozent short positioniert, gehen also von einem fallenden Euro gegenüber dem US-Dollar aus. Daraus folgt für mich, aktuell sind es nicht diejenigen, die an einen steigenden Euro glauben, die die Währung treiben. Vielmehr kaufen die, die an seinen Untergang geglaubt haben, jetzt aus dem Zwang heraus, die Verluste eingrenzen zu müssen.

Den Termin am Mittwoch in Karlsruhe als erledigt anzusehen, halte ich vor diesem Hintergrund für einen Fehler. Auch wenn alle Beteiligten unisono nicht von einer negativen Überraschung ausgehen, eine gewisse Brisanz hat der Termin für mich schon. Ein Anstieg der Nervosität und damit auch Volatilität sowohl kurz vor als auch nach diesem Termin an den Devisenmärkten, allen voran beim Euro/US-Dollar würde mich deshalb nicht wundern. Die Ausführungen des BVG zu den mehr oder wenigen harten Auflagen und Nachbesserungen können von den an einem fallenden Euro interessierten Investoren auch schnell mal dazu genutzt werden, die Gemeinschaftswährung in eine Korrektur zu schicken. Der Weg zu den 1,30 EUR/USD ist zwar nicht mehr weit, aber auch noch lange nicht in trockenen Tüchern.

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