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Automatisierter Börsenhandel – quo vadis?

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07. September 2012 16:41

Der «Flash Crash» vor zwei Jahren und der Verlust von Knight Capital vor einigen Wochen haben den automatisierten Börsenhandel in Verruf gebracht. Dabei bringen automatisierte Handelssysteme aufgrund der rationalen Orderausführung und Erhöhung der Liquidität einen Nutzen für den Aktienhandel. Von einer besseren Liquidität profitiert beispielsweise auch der Privatanleger. Wenn aber die Software außer Kontrolle gerät, können große Verluste und hohe Schwankungen entstehen.

Arten von automatisiertem Börsenhandel

Rund 50 % des gehandelten Aktienvolumens werden von automatisierten Handelssystemen ausgelöst. Die Gründe für diese Aufträge können der Eigen- und Hochfrequenzhandel, die Ausführung von größeren Kundenaufträgen oder das Market-Making sein. Der Eigenhandel wird vor allem von Hedgefonds, aber auch von Finanzinstituten und Privatpersonen betrieben. Dabei wird eine Software entwickelt (oder fertig eingekauft), welche aufgrund von definierten Kriterien vollautomatisch Börsenaufträge ausführt.

Beim Hochfrequenzhandel geht es darum, Geschwindigkeitsvorteile bei der Übermittlung von Aufträgen auszunützen. Die Haltefrist ist häufig sehr kurz und der Gewinn pro Aktie sehr klein, weshalb das Volumen relativ hoch ist. Bei der automatisierten Auftragsausführung wird mittels Algorithmen versucht, den Ausführungspreis zu optimieren. Der Market-Maker sorgt für eine ausreichende Marktliquidität durch kontinuierliches Stellen von Geld- und Briefkursen und gleicht damit temporäre Ungleichgewichte aus. Aufgrund der großen Anzahl von Aktien ist dies nur mit Unterstützung von Computerprogrammen möglich.

Teure Zwischenfälle

In den letzten Jahren gab es verschiedene Zwischenfälle, bei denen computergestützte Programme für größere Verluste gesorgt haben. Der bekannteste dürfte der «Flash Crash» vom Mai 2010 sein. Der S&P 500 Index hat bei diesem Crash in wenigen Minuten knapp 6 % und der Dow Jones mehr als 9 % verloren. Einige Aktien verloren kurzfristig über 90 % an Wert. Zudem wurde dabei das Sechsfache des durchschnittlichen Volumens gehandelt.

Die Aktienmärkte konnten sich zwar danach wieder erholen, der Schock bei den Marktteilnehmern saß allerdings tief.

Auch gut zwei Jahre später ist der Grund für diese Schwankung nicht vollständig geklärt. Es deutet jedoch viel darauf hin, dass eine kurzfristige Liquiditätskrise, ausgelöst durch größere Absicherungsgeschäfte, den Markt nach unten gezogen hat. Diese Bewegung wurde dann durch computergesteuerte Handelsprogramme, welche Aktien verkaufen die unter bestimmte Limiten fallen, verstärkt. Die Handelssysteme der Market-Maker, welche dem Markt eigentlich Liquidität zuführen müssten, haben aufgrund der hohen Schwankungen den Handel ausgesetzt und damit dem Markt wichtige Liquidität entzogen.

Vor wenigen Wochen hat es auch den Market-Maker Knight Capital getroffen. Nach einem Update der eigenen Software wurden bei über 100 verschiedenen Aktien irrtümlich innerhalb von 45 Minuten unzählige Kauf- und Verkaufsaufträge in Sekundenbruchteilen veranlasst. Dadurch wurden größere Schwankungen sowie ein sechsmal höheres Volumen als im Durchschnitt herbeigeführt. Knight Capital verlor dabei USD 440 Mio. und entging nur knapp der Pleite.

Gibt es einen Schutz?

Die Börsenaufsicht kann allfällige Einschränkungen für den Börsenhandel erlassen. Nach dem «Flash Crash» wurde beispielsweise beschlossen, dass Aktien des S&P 500 Index für fünf Minuten vom Handel ausgesetzt werden, wenn sie zuvor innerhalb von fünf Minuten mehr als 10 % verloren haben.

Bei der Schweizer Börse hat sich der Handelsunterbruch (Stop Trading) schon seit längerer Zeit bewährt. Weicht ein Kurs um mehr als 1.5 % (Blue Chips) bzw. 2 % (übrige Aktien) vom letzten bezahlten Preis ab, kommt das Geschäft zunächst nicht zustande. Der Handel in diesen Aktien wird zuerst für 5 (Blue Chips) bzw. 15 Minuten (übrige Aktien) ausgesetzt.

Weitere Maßnahmen könnten unter anderem die Einschränkung des automatisierten Handels sein oder die Festsetzung von minimalen Geld-Brief- Spannen, um den Handel zu verlangsamen und damit einige kurzfristige Strategien unprofitabel zu machen.

Bei allen Einschränkungen stellt sich immer die Frage, ob die Liquidität mit diesen Maßnahmen verringert wird. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Bereitstellung von genügend Liquidität durch computergestützte Programme vor allem bei hohen Schwankungen nicht gewährleistet ist. Um Verluste zu vermeiden, schalten viele Programme in solchen Stresssituationen häufig ab und beschleunigen dabei, wie beim «Flash Crash», die Bewegung.

Außerbörslicher Handel ist keine Lösung

Aktien können auch außerhalb der offiziellen Börsen gehandelt werden. Eine Möglichkeit ist der Handel von CFDs (Contracts for Difference). Gehandelt werden können neben Aktienindizes auch Rohstoffe, Währungen, Zinsen und Einzelaktien. Diese Produkte werden außerbörslich direkt über einen Broker gehandelt, welcher bei den Transaktionen immer die Gegenpartei ist.

Anleger können auf das Steigen oder das Fallen eines Basiswertes spekulieren. Beim Kauf von CFDs muss der Anleger nicht den Kaufpreis bezahlen, sondern eine Sicherheitseinlage hinterlegen, welche jedoch nur einem Bruchteil des effektiv gehandelten Wertes entspricht.

Mit einem kleinen Kapitaleinsatz können somit hohe Volumina bewegt werden (Hebeleffekt). Die Chancen und Risiken sind demzufolge deutlich höher als bei einem normalen Aktienkauf. Es gilt zu beachten, dass das Verlustrisiko nicht auf die hinterlegte Sicherheitseinlage beschränkt ist.

Aufgrund des Hebeleffekts können bei starken Kursschwankungen größere Verluste entstehen. Da die Kurse der Basiswerte vom Broker bereitgestellt werden, kann es zu Abweichungen von den offiziellen Kursen kommen. Diese können zusammen mit einer geringen Liquidität oder einer zu großen Geld-Brief-Spanne, vor allem in Zeiten hoher Schwankungen, zu Verlusten führen. Zudem besteht für die Sicherheitseinlage ein beträchtliches Emittentenrisiko.

Fazit

Der automatisierte Börsenhandel ist in der heutigen Zeit kaum wegzudenken. Die dadurch erhöhte Liquidität, zumindest in normalen Börsenzeiten, sorgt für eine kostengünstige und rasche Auftragsausführung auch bei höheren Volumen.

Problematisch ist allerdings, dass viele Handelssysteme in turbulenten Marktphasen den Handel einstellen und so den Markt zusätzlich belasten. Die Regulatoren tun aber gut daran, die Aktivitäten von Marktteilnehmern, welche computerunterstützte Programme einsetzen, genau zu beobachten.

Der Handel mit CFDs eignet sich höchstens für Spekulationsgeschäfte mit kleineren Beträgen. Wir erachten die offiziellen Börsen trotz der erwähnten Zwischenfälle weiterhin als viel besser geeignet. Die transparente Kursstellung sowie die neutrale Regulierung und Marktüberwachung sind entscheidende Vorteile gegenüber dem Handel ausserhalb der offiziellen Börsen.





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