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Wochenkommentar: Hohe Nachfrage nach „sicheren Häfen“

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26. Juli 2012 10:49

Der Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft ist im Juni um 0,3% M/M (Mai: +0,4%) gesunken. Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia für das Verarbeitende Gewerbe der entsprechenden Region, der als ein bedeutender Indikator für die landesweite Entwicklung gilt, hat sich im Juli zwar auf minus 12,9 Punkte (Juni: -16,6 Punkte) verbessert. Mit einem neuerlichen Wert unter null hat sich jedoch die Kontraktion den dritten Monat in Folge fortgesetzt. In den gesamten USA ist das Wachstum des Produzierenden Gewerbes im Juli auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2010 gesunken. Der vom Markit-Institut berechneten Einkaufsmanagerindex verringerte sich im entsprechenden Monat gemäss einer ersten Schätzung auf 51,8 Punkte (Juni: 52,5 Punkte). Die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone blieben auch im Juli unter der Marke von 50 Punkten, der Schwelle zwischen Wachstum und Kontraktion. Der Index für das Produzierende Gewerbe verschlechterte sich auf 44,1 Punkte (Juni: 45,1 Punkte), der Index für den Dienstleistungssektor konnte auf 47,6 Punkte (Juni: 47,1 Punkte) zulegen. Bei den deutschen Unternehmen hat sich die Stimmung im Juli weiter eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft sank auf 103,3 Punkte (Juni: 105,2 Punkte). Dabei beurteilten die Unternehmensvertreter sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen pessimistischer als im Vormonat.

Die Ankündigungen der spanischen Provinzen Murcia und Valencia, die Zentralregierung um Finanzhilfe zu bitten, hat in den letzten Tagen die Renditen der spanischen Staatsanleihen weiter nach oben getrieben. Auch neuerliche Diskussionen um einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands und damit die Sorge vor einer Verschärfung der Schuldenkrise waren für diese Entwicklung mitverantwortlich. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg in diesem Umfeld bis auf 7,74%. Die Rendite fünfjähriger Staatsanleihen erreichte sogar 7,79%. Die deutschen und US-Staatsanleihen wurden als „sichere Häfen“ wieder stark nachgefragt. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sank zwischenzeitlich auf 1,13%. In weiterer Folge sorge jedoch die Senkung des Ausblicks für die Kreditwürdigkeit Deutschlands von „stabil“ auf „negativ“ durch die Ratingagentur Moody’s - begründet wurde der Schritt mit möglichen weiteren Kosten für das Land resultierend aus einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone und einer möglichen Ausweitung der Finanzhilfe auf Länder wie Spanien und Italien - für eine Gegenbewegung. Auch Diskussionen um eine Banklizenz für den Rettungsfonds ESM waren für den Renditeanstieg bei den deutschen Bundesanleihen verantwortlich. Ausgelöst wurden diese durch Aussagen des EZB-Ratsmitglieds und Gouverneurs der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, der erklärte, es gebe Argumente für diese Option. Jedoch stehe der diesbezügliche Gedankenaustausch noch am Anfang. Mit einer Banklizenz könnte sich der ESM direkt bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren. In den nächsten Tagen erwarten wir bei den Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen eine Seitwärtsentwicklung.

Nächste Woche tagt der geldpolitische Rat der EZB. Eine Änderung des Zinssatzes für Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der im Rahmen der letzten Zinsentscheidung auf 0,75% gesenkt wurde, erwarten wir nicht. Auch mit der Ankündigung eines neuerlichen langlaufenden Refinanzierungsgeschäfts für Banken rechnen wir vorerst nicht. Interessant dürften jedoch etwaige Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi zur jüngst von Ewald Nowotny entfachten Diskussion um eine Banklizenz für den ESM werden. Nächste Woche findet ausserdem die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank statt. Im Rahmen seiner halbjährlichen Anhörung vor beiden Kammern des US-Kongresses hat der US-Notenbankchef Ben Bernanke zuletzt betont, dass die Fed bereit sei zu handeln, sollte dies nötig sein.







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