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Gold doppelt unterstützt

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18. Juli 2012 11:07

Als im vergangenen Sommer die Eurokrise die Finanzmärkte in ihrem Bann hielt, da drehte sich alles ums Gold. Die Titelblätter zum Thema Gold in den Anlage- und Wirtschaftsmagazinen häuften sich nur so. Gold seien der beste Schutz und Versicherung gegen die Währungskrise, lautete zusammengefasst die einhellige Botschaft.

Heute, rund ein Jahr später, hat die Eurokrise die Märkte wieder voll im Griff und die Situation ist keineswegs weniger brisant als im vergangenen Jahr. Im Grunde ist sie brisanter, weil mit Spanien und Italien nun die den neben Deutschland und Frankreich größten Volkswirtschaften das Schicksal droht sich nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren zu können.

Doch von Gold ist auf den Titelblättern weit und breit nichts zu lesen. Warum eigentlich? Ganz einfach, Gold steigt derzeit nicht, und ist deshalb kein Thema, denn das Publikum lässt sich für Anlagen immer nur dann begeistern, wenn sie bereits stark gestiegen sind. Es zeigt sich aber auch wieder einmal, dass die fundamentalen Erwägungen, die stets als Grund für Kursbewegungen herangezogen werden, mit diesen meistens herzlich wenig zu tun haben.

So mussten die Anleger, die im vergangenen Sommer bei Kursen von 1.800 bis 1.900 US-Dollar ins gelbe Edelmetall geflüchtet sind, erleben, wie der vermeintlich sichere Hafen zunächst einmal Kursverluste von zehn bis 20 Prozent einbrachte und seitdem seitwärts tendiert. Genau hiervor hatte ich im Stimmungsbarometer in der Focus Money Ausgabe 41/2011 gewarnt, mit der klaren Ankündigung, dass vor dem zweiten Halbjahr 2012 nicht mit neuen Höchstkursen zu rechnen sei. Die Titelblätter und 82 Prozent optimistische US-Anlageberater nach Lesart von Consensus, deuteten auf eine spekulative Blase hin, die zunächst platzen muss, bevor der Markt bereinigt ist. Und nur wenn ein Markt auch über einen längeren Zeitraum auf vermindertem Niveau seitwärts gelaufen ist, haben die Bestände in feste Hände gewechselt, die auch bei fallenden Kursen nicht mehr verkaufen und somit das Angebot abebben lassen. Erst dann kann ein neuer Anstieg beginnen.

Aus Sicht des in Euroland lebenden Goldanlegers stellen sich die Kursverluste im Gold aber mittlerweile ohnehin nicht mehr so dramatisch dar. Nur rund fünf Prozent notiert Gold in Euro gerechnet unter seinen Höchstständen. Die Feinunze wertete zuletzt im Grunde nur um das ab, was auch der Euro gegenüber dem Dollar verloren hat. Da wir uns nun in der saisonal guten Zeit fürs Gold befinden – Stichwort Hochzeitssaison in Indien, das gemeinsam mit China noch immer der wichtigste Goldabnehmer ist – könnte ein größeres Investment langsam interessant sein.

Liest man derzeit etwas über das Gold, wird eher die Frage gestellt, ob jetzt die Goldblase platzen werde. Nur noch 53 Prozent Consensus Optimisten im Gold und sogar minus 2,3 Prozent im Hulbert Gold Newsletter Sentiment Index deuten ebenfalls daraufhin, dass die Konsolidierung annähernd abgeschlossen sein sollte.

Siehe Grafik 1

Vor allem aber aus Sicht des Euro-Anlegers erscheint mir das Chance/Risiko-Verhältnis im Gold derzeit gut. Denn selbst wenn die Gemeinschaftswährung weiter fiele, sollte Gold kaum stärker abwerten, so dass sich die Verluste im Gold durch Währungsgewinne ausgleichen.

Vieles spricht derzeit aus technischen Gründen aber auch für eine jetzt irgendwann einsetzende Erholung des Euros. Seit Monaten ist die Stimmung hier sehr negativ und die Welt ist mittlerweile stark short im Euro.

Siehe Grafik 2

Zeichnet sich eine zumindest zwischenzeitliche Lösung der Krise ab, kann die Gemeinschaftswährung auch schnell wieder um zehn Cent zulegen. Gold dürfte dann überproportional steigen und damit auch den Euroanlegern Gewinne bescheren.

Mehr von und über Stefan Riße erfahren Sie unter www.rissesblog.de

Stefan Riße, ist Fondsmanager des Investmentfonds „Riße Inflation Opportunities UI“ bei der HPM Hanseatischen Portfoliomanagement in Hamburg. Bekannt ist er durch seine jahrelange Tätigkeit als Börsenkorrespondent für den Nachrichtensender N-TV. Sein aktuelles Buch „Die Inflation kommt“, belegte 2010 erste und zweite Plätze auf den bekannten Wirtschaftsbuch-Bestsellerlisten.







Quelle: Finanzwoche
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