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Schuldenkrise Japan – QE goes Global

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5. April 2012 12:37

aus dem BE
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Hiobsbotschaft aus den PIIGS-Staaten zu vernehmen ist. Allerdings sollte der erfolgreiche Anleger nicht zu sehr seinen Fokus auf die Nachrichten von gestern richten, sondern lieber versuchen, zukünftige makropolitische Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren und in sein Weltbild bzw. seine Anlagestrategie zu integrieren.

Eines der grossen Makrothemen in den nächsten Jahren, welches derzeit medial praktisch noch kaum aufgegriffen wurde, ist die desaströse Verschuldungssituation des japanischen Staates. Wie prekär mittlerweile die Lage ist und welche Dynamik die Verschuldungssituation angenommen hat, sollen folgende Eckdaten kurz umreissen.

Die, trotz der niedrigen Zinsen, rapide ansteigende Gesamtverschuldung des Staates entspricht mehr als dem Zwanzigfachen der Steuereinnahmen. Der Schuldendienst frisst mittlerweile 52% der Steuereinnahmen auf. Aber auch schon alleine für den Zinsanteil müssen, trotz eines Zinsniveaus von ca. 1%, mittlerweile rund ein Viertel der Steuereinnahmen aufgewendet werden. Hinzu kommt, dass der Staat sehr kurzfristig finanziert ist und in den nächsten fünf Jahren mehr als die Hälfte aller ausstehenden Staatsanleihen am Markt refinanzieren muss. Den aufgrund der explodierenden Sozialausgaben ständig steigenden Staatsausgaben stehen seit mehr als einem Jahrzehnt beständig fallende Steuereinnahmen entgegen. Um das besorgniserregend hohe Verhältnis von Staatsschulden zum BIP (ca. 220% des BIP) konstant zu halten, würde es einer Ausgabensenkung in der Grössenordnung von etwa 12-13% des BIP bedürfen. Mittlerweile ist ein wesentlicher Teil der staatlichem Ausgaben (gemessen am „Bond Dependency Ratio“; 55,8% in 2011) nur mehr durch neue Verschuldung möglich. Letzteres wurde zwar sicherlich durch den Sonderausgabeneffekt der Erdbebenkrise etwas verzerrt, sollte aber auch in 2012 auf unglaubliche 49% kommen, und die Tendenz ist weiter steigend.

Nun wird diese desaströse Verschuldungssituation von vielen Marktteilnehmern derzeit noch mit Achselzucken hingenommen und geantwortet, dass ja die Schuldentitel zum Grossteil (ca. 95%) von den Japanern selbst gekauft werden und dieses „System“ schon seit Jahren gut funktioniert. Warum sollte nun der Endpunkt erreicht sein?

Folgende Argumente sprechen dafür, dass spätestens in zwei bis drei Jahren massive Probleme auf den japanischen Staat zukommen dürften:

1) Die Sparquote der Japaner liegt derzeit bei etwa 0% und könnte 2013 sogar negativ werden.

2) Die Aufnahmekapazität für stetig wachsende Staatsanleiheemissionen, abzulesen am Verhältnis Staatsverschuldung zu Finanzvermögen privater Haushalte, dürfte ziemlich ausgeschöpft sein. Lag es in den USA gerade mal bei 41,2%, erreichte Japan bereits 2009 ein Verhältnis von 91,1% (aktuellere OECD Daten sind nicht verfügbar).

3) Die demographische Entwicklung in Japan hat einen Punkt erreicht, an dem immer mehr Rentner auf ihre angesparten Finanzreserven zurückgreifen müssen, was aber den Verkauf von Staatsanleihen impliziert.

4) Aufgrund des hohen Refinanzierungsbedarfs in den kommenden Jahren hätte auch nur ein minimaler Zinsanstieg sofort drastische Konsequenzen. Ein Zinsanstieg von 0,5% wäre selbst mittelfristig praktisch nicht mehr finanzierbar.

5) Das japanische BIP ist im vergangenen Quartal 2011 wieder geschrumpft und läuft auch 2012, aufgrund der sich weltweit abkühlenden Konjunktur, Gefahr, weiter zu schrumpfen.

Fazit: Die japanische Notenbank wird als „ultima ratio“ die Nachfragelücke bei den neu zu begebenden Staatsanleihen füllen müssen, da selbst ein geringer Zinsanstieg katastrophale budgetäre Konsequenzen hätte. Diese Kaufprogramme werden wohl unter dem Deckmantel der Deflationsbekämpfung euphemistisch als „monetäre Lockerung“ bezeichnet werden. Damit stellt sich die BoJ nahtlos in die Reihe der Notenbanken (FED, EZB, BoE…), die „alternativlos“ mit gedrucktem Geld die Staatenfinanzierung vorantreiben. Dass dies mittelfristig nicht gerade das Vertrauen in den Wert des Japanischen Yen stärken dürfte, liegt auf der Hand.

Allerdings befinden sich derzeit bereits alle grossen Währungsblöcke in einem Abwertungswettlauf und die wenigen verbliebenen Hartwährungsnotenbanken sind, wie jüngst die Schweizer Notenbank, ebenfalls gezwungen Geld zu drucken, um eine den Export abwürgende Aufwertung zu vermeiden. Am Ende dieses Prozesses werden sich nur wenige Volkswirtschaften eine Hartwährungspolitik leisten können und immer mehr Investoren werden gezwungen sein, zum Zwecke des reinen Kapitalerhalts, in Sachwerte zu diversifizieren.





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