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Besser die Wahrheit

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21. Dezember 2011 10:43

Wissen Sie warum bei Auflage meines Buches „Rendite ist kein Zufall“ keine großen Zeitungsanzeigen erschienen sind? Ganz einfach. Ich habe das Buch selbst geschrieben (kein Ghostwriter), im Selbstverlag herausgegeben (Globalyze Edition) und es mit eigenen bescheidenen Mitteln auch selbst vertrieben. Leider, leider hat bei mir keiner einfach so die Werbekampagne aus dem Hemd geschüttelt und bezahlt. Noch dazu, ohne dass ich es bemerkt hätte. Das unterscheidet mich persönlich von unserem Bundespräsidenten Christian Wulff. Ich bin eben Unternehmer und kein Politiker.

 

 

Und was den Titel betrifft, so bin ich mit Begriffen wie „Wahrheit“ eher vorsichtig. Nicht etwa, weil ich sie nicht schätzen würde. Aber vor solch eindrucksvollen und mächtigen Begriffen habe ich weiter einen großen Respekt. Mir genügt es schon, wenn man mir abnimmt, dass ich wirklich der Meinung bin, dass „Rendite kein Zufall“ ist. Und so glaube ich, dass ich diesbezüglich recht authentisch bin, was das betrifft. Ob das Herr Wulff auch von sich behaupten kann?

 

Wenn ich in diesem Zusammenhang die Meldung bringe, dass die WestLB nun zerschlagen wird, werden viele von Ihnen keinen Zusammenhang sehen. Wobei die Zerschlagung dieser Bank angesichts ihrer Historie das Beste ist, was ihr passieren konnte. Da werden wohl auch viele, möglicherweise auch noch der ein oder andere aktive Politiker nachträglich und vorsichtig aufatmen und hoffen, dass diese Historie mit ihr geräuschlos untergeht. Wer nämlich da „Besser die Wahrheit“ haben wollte, der würde sich angesichts dessen, was er da zu Gesicht bekäme, wahrscheinlich kräftig schütteln. Wenn er sie den ertragen könnte.

 

So überließ mir vor kurzem der ehemalige Preussag-Vorstand und jetziger Cleanstate e.V. Vorstand Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Selenz seinen Kommentar vom 4. August 2008 mit der Überschrift „Wulff: von Schröder lernen“. Cleanstate ist übrigens ein Verein, der sich die Rechtstreue in Politik, Staat und Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat und aufgrund der derzeitigen Rechtsbrüche auf europäischer Ebene, aber auch hier in Deutschland aktueller denn je sein dürfte. Hier ein Auszug aus „Über uns“:

 

„Wirtschaftskriminalität, Missbrauch fremden Vermögens sowie große Defizite im Verhalten von Führungspersonen in Politik, Staat und Wirtschaft sind in unserem Lande weit verbreitet. Zunehmend sind es so genannte „Führungspersonen“, die nur noch zu Ihrem eigenen Vorteil wirtschaften und handeln - zulasten der Arbeitnehmer, der Unternehmen und der Bevölkerung. CLEANSTATE arbeitet für die Änderung dieser Zustände, weil sie hohe direkte Schäden verursachen, Millionen redlicher Bürger, Steuerzahler und Arbeitnehmer demotivieren und sich zunehmend als starker Belastungsfaktor für die Zukunft unseres Landes erweisen.“

 

Jedenfalls geht es in dem Kommentar um die Salzgitter AG, die NordLB und auch die WestLB. Herr Selenz, damals noch Vorstand der Preussag AG (heute: TUI AG) schreibt da (Zitat):

 

„Ich war in Verdacht geraten, weil ich mit Schröder im Januar 98 einen beispiellosen Polit-Wirtschafts-Coup gelandet hatte. Am 7. Januar hatte ich als Preussag-Vorstand eine Sonderprüfung der Bilanz gefordert. Schriftlich. Die Preussag hatte Staats-Immobilien verkauft, um einen Gewinn vorzutäuschen. Am 8. Januar wurde die Stahltochter Preussag Stahl AG an die Voest Alpine nach Österreich verkauft. Mit dem Verkauf der Stahlwerke ins Ausland wollten die Intimfreunde Rau und WestLB-Chef Neuber Parteifreund Schröder die Landtagswahl vermasseln. Doch keine 24 Stunden später schlug Schröder zurück. Er kaufte die Stahlwerke mit der NordLB. Mein Schreiben brach jeden Widerstand. Die Preussag-Bilanzlöcher betrugen 2,5 Mrd. DM. Um einer Prüfung der gefälschten Zahlen zu entgehen, stimmte Neuber dem Brutal-Deal zu. Schröder hielt so mit 1,06 Mrd. DM nicht nur die Zentrale des hochprofitablen Unternehmens in Niedersachsen. Er tat sich auch selbst einen großen Gefallen. Siehe: „Wildwest auf der Chefetage“ ISBN 3-86520-140-7.

 

Und weiter:

 

„Da kann Wulff einiges lernen. Nachdem Schröder im Herbst 98 tatsächlich Kanzler wurde, waren für den gelernten Juristen die kriminellen Preussag-Bilanzen alsbald Historie. „Parteifreund“ Rau wurde gar Bundespräsident... Nach Schröders Weggang war die NordLB an explizit kriminellen Betrugsvorgängen am Neuen Markt beteiligt. Der Börsengang der Metabox war Organisierte Kriminalität pur. Die Göttinger-Gruppe verzockte eine Milliarde Anlegergelder. Auch hier schauen die Staatsanwälte bis dato nur zu.“

 

Auch hier ist die Frage, ob man mit „Besser die Wahrheit“ nicht noch heute nachträglich ein mittelschweres Beben auslösen könnte. Wer wusste was und wer nutzte es für seine Karrierezwecke wie? Und wer hielt in den Staatsanwaltschaften wohl so alles die Füße ruhig? Aber darüber geht das Buch von Herr Wulff wohl nicht. Zudem sind das olle Kamellen von gestern. So was gibt es doch heute gar nicht mehr, oder? Eines wird aber sehr schnell klar. Landesbanken, die nichts weiter als Steigbügel für Politiker sind bzw. sich nachträglich als solche herausstellen, brauchen wir in diesem Lande nun wirklich nicht. Der WestLB weine ich jedenfalls keine Träne nach.

 

Und während unsere Banken statt endlich Kapitalerhöhungen (es wäre nur eine Frage des Preises) vorzunehmen auf die Soffin und billiges Steuergeld warten, geht die USA nach zuvor UK endlich auch das „too big to fail“ Problem der systemrelevanten Banken an. Auf 173 Seiten führt die US-Notenbank FED systemische Veränderungsvorschläge auf. U.a. soll das Netto-Kreditvolumen der 6 größten Banken untereinander und damit auch die Verflechtungen auf maximal 10% des Kapitals reduziert werden. Es trifft vor allem die Großbanken J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Citygroup, Wells Fargo und Morgan Stanley und ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Während bei uns in Berlin und Brüssel weiter tote Hose herrscht. Wie die Finanztransaktionssteuer das „too-big-to-fail Problem“ lösen wird, soll mir einer mal erklären. Ich glaube, dass ich einfach zu blöd bin, das zu begreifen. Vielleicht aber liegt es auch gar nicht an mir, sondern an der Steuer? Wie dem auch sei.

 

Gegen die FED-Vorschläge erhebt sich schon jetzt massiver Widerstand. Was nicht wundert. Schließlich geht es um viel, viel Geld. Insofern dar man gespannt sein, was davon schließlich im Gesetzestext landet.

 

War noch was? Ach ja. Unsere Banken werden weiter von der Bad Notenbank EZB mehr als gut versorgt. Zudem titelt heute das Handelsblatt: „Die Angst vor dem Absturz der Finanz-Riesen wächst“. Wenn Sie meine Meinung dazu wissen wollen, dann ist mir das inzwischen egal. Soll es von mir aus einmal einen richtigen Knall tun. Dann haben wir das wenigstens einmal hinter uns, diese Banken sind weg, neues kann auf diesem Mist gedeihen und wir können uns endlich wesentlich Wichtigerem zuwenden. Diese Katastrophen- und Droh-Szenarien wie auch der Vergleich mit den 1930er von Frau Lagarde vom IWF werden doch nur künstlich gesetzt und aufgeputscht, um ohne Widerstand an den Geldbeutel der Steuerzahler in den europäischen Ländern zu gelangen. Wer kann schon was gegen Vermeidung von Katastrophen haben?

 

Für mich ist das nichts weiter als schlechtes Gewissen machendes Betteln auf höchstem Niveau.

 

Ich erinnere da angesichts des Weihnachtsfests an die Millenniumsziele, wie z.B. den Hunger in der Welt zu verringern. Was tragen dazu eigentlich die Banken dieser Welt bei? Das wäre einmal eine Frage, der es sich lohnen würde, nachzugehen.

 

Und so bin ich am Ende dieser Zeilen nicht mehr ganz überzeugt, ob „Besser die Wahrheit“ wirklich die Lösung des Problems ist. Die muss man nämlich am Ende auch vertragen können. Da halte ich es dann doch lieber mit „Rendite ist kein Zufall“. Schließlich habe ich noch nie jemand gesehen, der gegen Rendite was hatte. Wobei die meistens erst dann fließt, wenn man der (fundamentalen) Wahrheit etwas näher kommt. Und, wenn man Rendite richtig einsetzt, kann man auch etwas gegen den Hunger in der Welt tun.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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