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Aktienbetrug: Justiz erklärt den Abzockern den Krieg

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25. September 2010 14:05



Newsletter vom 24.9.2010


Liebe Schlussgong-Leser,

so schnell geht es an den Aktienmärkten: Gestern war die Stimmung an der Börse noch eingetrübt, heute wird schon wieder eine Party gefeiert. Der DAX verabschiedete sich mit einem Tagesgewinn von fast 2% ins Wochenende und ist damit nicht mehr weit vom Jahreshoch entfernt.

Für die Aktionäre des deutschen Pharmakonzerns Merck gab es heute statt Schampus nur Selters. Die Aktie ist um fast 10% eingebrochen. Die europäische Gesundheitsbehörde hat ein neues Medikament von Merck negativ beurteilt. Damit setzt sich die Serie der Misserfolge bei Merck fort.

Ähnlich geschockt waren in dieser Woche die Aktionäre des amerikanischen Software-Herstellers Adobe. Das Unternehmen lieferte prächtige Quartalszahlen, aber dazu einen leicht gedämpften Ausblick. Das reichte, um den Aktienkurs innerhalb von Minuten um 20% nach unten zu schicken.

Tagesverluste von 10 oder 20% kennen auch die Aktionäre, die auf Anlagebetrüger reingefallen sind. Anders als bei Merck und Adobe gibt es hier jedoch keine Hoffnung auf eine Kurserholung. Im Gegenteil: Der Totalverlust droht. Doch jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die deutsche Justiz hat endlich den Kampf gegen die Betrüger aufgenommen.

48 Durchsuchungen, 31 Verdächtige und 20 wertlose Schrott-Unternehmen

Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Staatsanwaltschaft München erklärt den Börsen-Abzockern den Krieg. Die nackten Zahlen: 48 Büro- und Privaträume wurden durchsucht, 31 Verdächtige stehen im Fokus der Justiz und 3 Beschuldigte sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Und darum geht es: Die Verdächtigen haben im Ausland - oft in den USA und in Kanada - für ein paar Dollar wertlose, börsennotierte Pleite-Unternehmen gekauft. Diese Unternehmen haben dann einen neuen Namen erhalten, sind offiziell in einer Boombranche tätig (oft Rohstoff-Werte) und wurden anschliessend in kostenlosen Internet-Börsendiensten als die neuen Stars am Aktienhimmel verkauft. Wenn dann genug Privatanleger eingestiegen sind, haben die Betrüger die an sich wertlosen Schrott-Aktien nach und nach teuer über die Börse verkauft.

Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Betrugs-Masche bei mindestens 20 Unternehmen eingesetzt wurde. Am Ende stand ein Totalverlust für die Privatanleger, die diese Aktien am Ende der Kette im Depot hatten.

So schützen Sie sich gegen wertlose Schrott-Aktien

Börsengeschäfte sind immer spekulativ. Ein gewisses Restrisiko wird man nie ausschliessen können. Aber: Mit einigen wenigen Sicherheits-Tricks verhindern Sie, dass Sie auf Schrott-Unternehmen reinfallen, mit denen Sie nur verlieren können.

Ganz wichtig: Kaufen Sie nie „blind“ eine Aktie. Wenn Ihnen eine Aktie empfohlen wird, die Sie nicht kennen, sollten Sie stets eine Kontrolle vor dem Kauf durchführen. Die Mindestanforderung: Überprüfen Sie im Internet den Geschäftsbericht des Vorjahres und den aktuellen Quartalsbericht.

Diese kleine Massnahme reicht schon, um 80 oder 90% der Schrott-Unternehmen zu enttarnen. Denn nur sehr selten machen sich die Betrüger die Mühe, einen Geschäftsbericht mit 100 Seiten zu fälschen. Im Regelfall besitzen die Schrott-Unternehmen nur eine einfache Internetseite mit wenigen reisserischen Pressemeldungen. Fehlt auf der Internetseite ein Archiv mit Geschäfts- und Quartalsberichten: Finger weg von der Aktie!

Werden Sie misstrauisch, wenn Limit-Angaben fehlen

Speziell bei Nebenwerten, die nicht so oft an der Börse gehandelt werden, geben seriöse Börsendienste bei einer Kauf-Empfehlung immer ein maximales Kauf-Limit an, das relativ dicht am aktuellen Kurs liegt. Fehlt diese Angabe, besteht der Verdacht, dass der Tipp-Geber bewusst eine Order ohne Limit provozieren will.

Ein Kauf-Auftrag ohne Limit ist der Traum für jeden Betrüger: Die Betrüger können dann ihre Aktien, die sie vorher für winzige Cent-Beträge gekauft haben, so teuer wie theoretisch möglich an den leichtsinnigen Privatanleger verkaufen.

Neuer Name und wenige Umsätze in der Vergangenheit

Stutzig sollten Sie werden, wenn Sie eine Aktien-Empfehlung erhalten und Sie den Namen noch nie gehört haben. Oft reicht es schon, wenn Sie den Namen bei Google eingeben. Gibt es nur Treffer aus dem laufenden Jahr, deutet das darauf hin, dass das Unternehmen den Namen erst kürzlich gewechselt hat. Ein solcher Vorgang muss sehr kritisch hinterfragt werden. Gibt es stichhaltige Gründe dafür?

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Börsen-Umsätze. Wenn Sie sehen, dass eine Aktie, die nur wenige Cent kostet (auch „Pennystock“ genannt), über viele Monate an der Börse praktisch „tot“ war und kaum gehandelt wurde und plötzlich die Umsätze förmlich explodieren, ist das ein Hinweis darauf, dass ein Betrüger eine an sich wertlose Aktie nach oben pushen will.

Wenn der Betrüger einige 100.000 E-Mails mit dringenden Kauf-Empfehlungen verschickt und auch nur einer von 100 Empfängern „anbeisst“, werden Umsätze und Kurse rasant steigen. Ein steigender Aktienkurs lockt dann die nächsten Opfer an. Daher Vorsicht: Ein steigender Kurs kann eine Falle sein. Oft treiben die Betrüger den Kurs auch durch eigene Käufe nach oben, um etwas Schwung in die Sache zu bringen. Seien Sie daher misstrauisch, wenn Umsätze und Kurse überraschend - ohne Meldungen - steigen.

Fazit: Mit diesen wenigen Sicherheitsvorkehrungen schützen Sie sich vor Verlusten mit Schrott-Aktien. Mehr als 30 Minuten brauchen Sie für diesen Sicherheits-Check nicht - das sollte Ihnen Ihr Geld wert sein.






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