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Die Cisco-Formel: 1 Prozentpunkt zu wenig kostet 10 Milliarden USD

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13. August 2010 10:09



Newsletter vom 12.8.2010


Liebe Schlussgong-Leser,

 

an den internationalen Aktienmärkten geht die Talfahrt weiter. Um es direkt zu sagen: Viele Verkaufsgründe, die heute von den Marktbeobachtern genannt werden, überzeugen mich nicht. Die "Wahrheit" ist aus meiner Sicht viel einfacher: Die großen Indizes sind erneut am Jahreshoch gescheitert und jetzt ziehen sich die Investoren, die zu früh auf eine Kursrally gesetzt, vom Markt zurück.

Da die Kurse fallen, suchen sich die Medien in den Börsenberichten die Nachrichten heraus, die zu den fallenden Kursen passen. Kurzfristig machen die Kurse die Nachrichten, nicht umgekehrt.

Cisco: Knapp daneben ist auch vorbei

Ein Schlachtfest erlebt heute die Cisco-Aktie, die fast 10% an Wert verliert. Das bedeutet für das Unternehmen und die Cisco-Aktionäre: Rund 10 Mrd. Euro Börsenwert lösen sich innerhalb weniger Stunden in Luft auf. Das ist bemerkenswert, da die Aktie ohnehin schon günstig bewertet ist und nur knapp über dem Jahrestief notiert.

Werfen wir daher gemeinsam einen Blick auf die Horrorzahlen, die Cisco gestern nachbörslich veröffentlicht hat: Im vergangenen Quartal hat der IT-Konzern den Umsatz um 27% auf 10,8 Mrd. USD gesteigert. Das klingt nicht so schlecht. Der Gewinn legte sogar überproportional zu und sprang um 79% auf 1,9 Mrd. USD nach oben. Das sieht auch nicht so schlecht aus. Realistisch betrachtet sind die Zahlen sogar sehr gut.

Daher muss der Ausblick für den Kurssturz verantwortlich sein. Und in der Tat. Hier ist die Hammermeldung, die für eine Verkaufs-Panik gesorgt hat: Cisco kann das Umsatzwachstum von zuletzt 27% nicht halten und erwartet nur noch 18 bis 20% Wachstum. Die Analystenzunft hatte zwar im Vorfeld mit einer Abschwächung gerechnet, aber die Durchschnittsprognose lag bei 21%. Das Cisco-Management ist also minimal pessimistischer als die Analysten. Das wurde bitterlich bestraft. Die kleine Abweichung hat 10 Mrd. USD gekostet...

Cisco als Indikator für die Weltwirtschaft

Natürlich ist nicht nur die winzige Prognose-Abweichung für den Kurssturz verantwortlich. Die Investoren sind einfach nervös. Und Cisco gilt als ein Indikator für die gesamte Weltwirtschaft - zumindest im Technologiebereich.

Der US-Konzern ist der weltweit größte Netzwerkausrüster. Im Internet geht nichts ohne Cisco-Produkte. Wenn Cisco schwächelt, schwächelt die globale Technologiebranche (einen vergleichbaren Status besitzt nur der Chip-Hersteller Intel).

Die knapp 20% Umsatzwachstum für das laufende Quartal waren schon eine Enttäuschung für einige Investoren. Hinzu kamen aber noch die kritischen Aussagen des Cisco-Managements. Der Cisco-Boss John Chambers sprach von "ungewöhnlicher Unsicherheit". In einigen Medien wurde daraus fast schon eine verkappte Gewinnwarnung und eine Schreckensnachricht für die Weltwirtschaft.

Einseitige Berichterstattung: Auch positive Aspekte

Viele Analysten und Medien haben sich ausschließlich auf die negativen Cisco-Aussagen konzentriert (wie oben geschrieben: wenn die Kurse fallen, werden "passende" Nachrichten gesucht). Wenn man aber alle Kommentare des Cisco-Managements liest, kommt man zu dem Ergebnis: Es gibt Licht und Schatten.

In der Tat sprechen die Cisco-Manager von Unsicherheiten im 2. Halbjahr 2010. Das war vor 6 Monaten aber nicht elementar anders. Ende 2009 hat das Cisco-Management auch keinen Ausblick gewagt: Die wirtschaftliche Lage sei zu unsicher. Das Ergebnis kennen Sie: Umsatz und Gewinn sind im 1. Halbjahr explosionsartig gestiegen.

Unsicherheit bei Cisco bedeutet: Es kann Abweichungen nach oben und unten geben. Eine Wertung kann ich in den Aussagen nicht finden. Es wird im Quartalsbericht immer wieder von "gemischten Signalen" gesprochen. Einige Branchen ordern als Kunden schon wieder sehr gut, andere Branchen stehen noch auf der Investitionsbremse. Ähnlich fällt die Bewertung der Märkte aus: Einige Regionen bestellen sehr eifrig, andere kämpfen noch mit der Konjunkturschwäche.

Analysten sehen Kurs-Potenzial bis 30 USD

"Gemischte Signale" sind nicht einseitig negativ zu werten. Den Ausdruck "schlechte" oder "negative" Signale konnte ich im Cisco-Bericht nicht finden. Woher die Medien diese Begriffe haben, ist mir ein Rätsel. Daher das Fazit: Die Cisco-Zahlen wurden künstlich aufgebauscht. Cisco wächst weiter, aber nicht mehr so schnell.

Die Quittung für das langsamere Wachstum: Die Analysten stutzen serienweise die Kursziele für die Cisco-Aktie auf 27 bis 30 USD. Die UBS-Analysten sind noch kritischer und vergeben nur das Urteil "neutral" mit Kursziel 25 USD. Der Trend ist also negativ. Abstufungen belasten den Aktienkurs heute zusätzlich.

Allerdings lohnt sich auch hier ein zweiter Blick: Selbst das niedrige Kursziel der UBS-Analysten liegt deutlich über dem aktuellen Kurs von 21,50 USD. Vom Durchschnitts-Kursziel im Bereich 27 bis 30 USD ist die Aktie sogar meilenweit entfernt.

Daher fällt mir zum Abschluss der alte Börsenspruch ein: Kaufen, wenn die Kanonen donnern!






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