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11. März 2010 07:43
Dieser an sich positiv besetzte Begriff wird gerne von Politikern, Journalisten und Managern in Gesprächen, Diskussionen und Reden verwendet. Alles soll transparent - eben durchsichtig - sein, um Korruption zu vermeiden, Gehaltsexzesse einzudämmen, Ungerechtigkeiten und Unfairness zu bekämpfen, Missbrauch von öffentlichen Geldern zu vermeide. Die Medien leben davon, bringen Ranglisten und erzeugen damit Bewunderung beim Leser oder schüren auch nur die Empörung und den Neid des breiten Publikums. Nur allzu oft kommt es zu verzerrten Darstellungen, weil aus dem Zusammenhang gerissen, Einzelinformationen unkritisch wiedergegeben werden Beispiel gefällig: Bezüge von Politikern und Managern werden einmal netto nach Abzügen, das andere Mal brutto dargestellt, mit oder ohne Sonderzahlungen, mit oder ohne lohnwerte Vorteile wie PKW-Nutzung oder Dienstwohnung wiedergegeben. Die "Apostel" der Transparenz sind die Medien und ihre Redakteure. Für sie gelten die Forderungen nicht: die Zeitungen und Zeitschriften berichten mit Intensität - oft aus einem subjektiven Winkel - über Unternehmenszahlen, aber die eigenen Zahlen werden strikt geheim gehalten und auch geben die Spitzenverdiener nicht bekannt, wieviel sie verdienen und von wem bzw. aus welchen Aktivitäten sie in welcher Höhe Nebeneinkünfte beziehen.
Mit der nun kreierten Transparenzdatenbank werden neue Wege beschritten. Konsequent weitergedacht ist damit ein zusätzliches Argument für die Abschaffung des Bankgeheimnisses gegeben. Es wird spannend, wie diese Diskussion ausgehen wird. Die Interessen des "kleinen Mannes", dessen finanzielle Situation der Öffentlichkeit eigentlich egal ist, wird vorgeschoben - siehe dazu den Schweizer Populisten Christoph Blocher, der "das Bankgeheimnis für einen Wert an sich hält" - um Einkünfte steuerschonend bis -vermeidend sicher verstecken zu können. Durch eine rigorose Abgeltungssteuer bzw. Kapitalertragssteuer ohne Ausnahmen und Schlupflöchern auf internationaler Ebene könnte diese Diskussion stark entkrampft, Vermutungen und Verdächtigungen der Boden entzogen werden und der Handel mit gestohlenen Daten an Attraktivität verlieren.
Transparenz darf nicht selektiv für die einen gelten, für andere nicht. Die Transparenz darf nicht zu einem Machtinstrument für diejenigen verkommen, für die diese Regeln oft gesetzlich abgesichert nicht gelten dürfen. Es muss auch die Frage beantwortet werden, wo sind die Grenzen der Transparenz, wo geht es nur um die primitive Befriedigung von Voyeurismus und wo entsteht ein Nutzen für die Gesellschaft, indem Fehlentwicklungen aufgedeckt werden bzw. es gar nicht entstehen können.
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