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Stresstest Leber (2): Margaux nix gutt?

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08. Februar 2010 17:15

Der Captain und sein Erster Offizier haben sich Freitag mittag hingesetzt und zu trinken begonnen. Dabei sind drei Dutzend Flaschen geleert worden. Hier eine Auszug vom zweiten Tag, der Tag im Bordeaux. Der Tag vieler Fragen.

Samstag nachmittag, Zeit das Saufen fortzusetzen. Freitag hat es jamit einigen Schnäpsen und lautstarkem politischen Gebrüll geendet (wiees sich gehört). Mittags gab es Kalbsfilet. Und im Ofen brät eine Haxe.Der Erste Offizier wäscht den Wirsing und fordert ein Glas.

Erster: Ich! Will! Was! Zu! Trinken!

Captain: Hier, ein Glas Chateau Grand Puy Lacoste. Der 99er.

Erster: Aha, gute Nase, elegant, reife Zwetschke, ich rieche auch Nüsse und nasse Erde..

Captain: Aber im Mund ein Nichts. Metall. Dann keine Substanz. Und ein kurzer Abgang. Was ist das denn?

Erster: Wie lange offen?

Captain: Seit gestern Abend. Nur in der Flascheherumgestanden. Keine Karaffe. In der Karaffe ist er erst seit 15Minuten. Das kann es aber doch nicht sein, oder?

Erster: Nee, der wird nichts mehr. Ich verkoche ihn.

Captain: Untersteh dich, ich stell ihn weg. Abwarten.

Erster: Mach was anderes auf!

Captain: Ist schon offen. Chateau Rauzan Gassiesaus dem Wunderjahr Null-Fünf. Kindermord, ich weiß. Aber ich willwissen, wie er schmeckt. Wir haben noch 11 Flaschen an Bord. Also los.

Erster: Im Glas hat er mal eine sehr dunkle Farbe. Fast undurchsichtig. Tiefes Rot, Tinte nahezu...

Captain: Ich rieche Thymian, Cassis, Düngerhaufen, den üblichen Fäkalton. Ich rieche vor allem Cabernet Franc...

Erster: Als wenn man den rausriechen könnte, den Cabernet Franc. Du spinnst ja...

Captain: Ich kann. Du kannst eben nicht.

Erster: Ich kann ihn rausschmecken, den Cabernet Franc. Hier und jetzt. Das Fleischige.

Captain: Sind nur 11% Cabernet Franc drin. MächtigeTannine. Obwohl er schon drei Stunden in der Karaffe ist. Auf jedenFall zu früh getrunken. Ich rieche jetzt Katzenpisse und nassen, frischausgewaschenen Aschenbecher einer Raucherlounge. Dann Leder. DannTinte, viel Tinte...

Erster: Du müsstest dich reden hören. So vermiest du mir den Wein. Katzenpisse!! Ihhh!!!

Captain: Stimmt aber. Katzenklo. Im Anklang. Meine Mutter hatte eine Katze. Das roch auch immer so.

Erster: Wie hieß die Katze?

Captain: Micky.

Erster: Wie die Maus? Deine Mutter nennt ihre Katze, wie eine Maus?

Captain: Die Katze ist längst tot und Dünger. Lassmich in Frieden mit dem Tier. Ich glaube meine Mutter hat irgendwo einMicky-Maus-Heft gesehen und dachte, das ist Tom und Jerry und Micky derName für die Katze. Was weiß ich...

Erster: Der Rauzan Gassies schmeckt nach voll und floral. Ich erkenne mehr dunkle Blumen...

Captain: Die Blumen des Bösen...

Erster: Unterbrich nicht...

Captain: Oder die Blusen der Böhmen...

Erster: So macht das keinen Spaß. Du nimmst nichts ernst.

Captain: Ok. Ich beherrsche mich (kaut ein Baguette)

Erster: Also: Liebstöckl, elegantes Holz, etwas Klebstoff. Und leider ein kurzer Abgang.

Captain: Stimmt. Erstaunlich kurz. Aber das hängtmit dem frühen Verbrauch zusammen. Jetzt ist der einfach noch zu. DerWein ist in zehn Jahren sicher ein guter, perfekt trinkbarer undschöner Bordeaux. Wetten?

Erster: Und die Karaffe da? Was ist da drin?

Captain: Haaaaa!! Das ist der Margaux. Chateau Margaux 1986.

Erster: Her damit!!

Captain: War für mich immer ein schwerer Wein. Ähnlich wie der Gruaud Larose 1986. Ich bevorzuge die 89er. Bei beiden.

Erster: Mein Eindruck: In der Farbe schon etwasdurchsichtig mit der typischen Bräune von Rost und Kastanie. In derNase kräftig. Aber unangenehm säurebetont. Wie in der Dunkelkammer beider Wanne, in der der Fixierer schwamm.

Captain: Damals in der Abwehr bei Canaris?

Erster: Hör auf und komm zur Sache!

Captain: Ok. Er riecht nach Rauch und nasser Erde, nach einem nassen Schuh. Innen. Nach einem nassen Seidenfutter. Dann etwas Tabak...

Erster: Auch nass?

Captain: Schnauze! Also wuchtig. Mineralisch. Sogarschwer eisenhältig. Im Hintergrund ist die Frucht spürbar, die dieseMächtigkeit gefangen hält. Eine Prinzessin, die nicht rausdarf.

Erster: Das Problem der 86er.

Captain: Die Tannine. Wird der noch was?

Erster: Ich weiß nicht. Das ist jetzt schon derzwanzigste 86er Bordeaux in Folge, der kein Vergnügen macht. Ichglaube, wir sollten diesen Jahrgang langsam abhaken. Es ist einJahrgang der unerfüllten Erwartungen. Jetzt werde ich alt und willnicht mehr warten. Eventuell schmeckt er meinen Kindern undKindeskindern.

Captain: Wie viele Flaschen haben wir noch?

Erster: Drei.

Captain: Die lass ich nicht über. Wir warten halt eine Zeitlang. Und saufen inzwischen die 93 leer. Vor allem den Montrose aus der Doppelmagnum. Der war super neulich..

Erster: Und dann der ganz erstaunlich gute Chateau Palmer 1987. Aus einem totalen Mistjahr.

Captain: Haben wir den noch da?

Erster: Ja, eine Magnum.

Captain: Genau die reißen wir jetzt auf....

Fortsetzung folgt...

Chateau Rauzan Gassies 2005 für 41,80 Euro bei Chateau Classic





Beim Captain liegt (steht) einiges im Schiffsbauch rum..
Beim Captain liegt (steht) einiges im Schiffsbauch rum..

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Wir, der Captain und sein Team, befinden uns auf großer Fahrt. Unsere Ziele heißen Information und Qualität. Und damit jeder versteht, was damit gemeint ist, hat uns der Captain in einer windstillen Nacht seine klugen Gedanken auf Pergament diktiert. Die 10 Thesen des Captain Kork: 1. Der Weinkonsument wird oft manipuliert, getäuscht und um den Genuss gebracht. 2. Fünfzig Prozent der Weine schmecken den Konsumenten nicht. 3. Der Konsument wagt keinen Widerspruch, da er glaubt, von Wein nichts zu verstehen. 4. Der Milliardenmarkt Wein wird nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert. 5. Robert Parker ist der mächtige Einsager einer unwidersprochen agierenden Händlergemeinschaft. 6. Viele Weinkellner und Journalisten sind ahnungslose Nachplapperer. 7. Seltene Weine und autochthone Reben gehen verloren. 8. Großartiges bleibt unentdeckt. 9. Die Zeit der großen Modeweine ( z. B. Petrus, Valandraud, viele Supertuscans) ist vorbei. 10. Kleine, fantastische Winzer wollen entdeckt werden.



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