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08. Februar 2010 11:31
Von 05.02.2010 | 08:59
Wenn ich mir das Gemetzel an den Börsen anschaue dann muss ich
zu dem Schluss kommen, dass wir das letzte mal so gute
Quartalszahlen gesehen haben.
Doch die Unternehmenslenker sprechen eine andere Sprache:
Ciscos CEO John Chambers, den ich seit den 90ger Jahren
kontinuierlich beobachte und der sich für mich als
verlässlicher Indikator für die Verfassung der
Technologiebranche bewährt hat, konnte gestern ein
herausragendes Quartalsergebnis für sein Unternehmen
präsentieren.
Ach so, falls Sie Cisco nicht kennen: Gemeinsam mit Microsoft
und Intel hat Cisco in den 90ger Jahren die Computer ins
weltweite Netz gebracht. Im März 2000 war Cisco kurzzeitig
einmal das nach Börsenkapitalisierung wertvollste Unternehmen
der Welt! Und doch sind dessen Produkte so schwer greifbar.
Stellen Sie sich am besten einfach vor, die Kästchen, die für
den Datenaustausch Ihres PCs mit dem Internet verantwortlich
sind (Router), kommen meistens von Cisco.
Im Ende Januar abgelaufenen Quartal verdiente Cisco 40 Cents je
Aktie. Das sind 23% mehr als vor einem Jahr und liegt um 14%
über dem was die Analysten erwarteten. Der Umsatz ist nunmehr
nach der Finanzkrise zum dritten mal in Folge angestiegen,
gegenüber dem Vorjahresquartal um 8% auf 9,8 Mrd. USD (erwartet
wurden 9,4 Mrd. USD). Gute Umsatzzahlen kamen aus allen
Regionen (USA, Asien sowie Europa!) und auch von allen
Produkten (Router, Switches und andere Netzwerkkomponenten).
Das besonders attraktive an Ciscos Produkten:
Netzwerktechnologie ist so komplex und stellt einen kritischen
Kommunikationsfaktor dar, dass für funktionierende Lösungen um
den Preis kaum gefeilscht werden kann. Die Gewinnmarge beträgt
65,5% (brutto) und Cisco konnte seinen Bargeldhaufen um 2,5
Mrd. USD auf 40 Mrd. USD erhöhen. John Chambers sprach nicht
von einem einmalig guten Ergebnis, sondern sieht das
Unternehmen erst am Anfang eines anlaufenden
Investitionszyklus, in dem Cisco weiterhin Marktanteile hinzu
gewinnen werde. Und als vorsichtiger Kaufmann, wie ich Chambers
kenne, muss er sich schon sehr sicher sein, wenn er seinem
Unternehmen nach der Finanzkrise nun schon wieder eine
Aufstockung der Mitarbeiter um 2-3.000 gestattet. Einstellungen
nimmt Chambers nur dann vor, wenn er viele künftige Quartale
ein anziehendes Geschäft erwartet.
Die kurzfristigen Prognosen für Cisco hat Chambers angehoben:
im laufenden Quartal will er 10,3-10,4 Mrd. USD umsetzen,
erwartet wurden bislang nur 9,5 Mrd. USD Umsatz. Und der
zusätzliche Umsatz wird die Gewinnmarge von 65% seiner
Erwartung nach nicht gefährden, so dass der Gewinn um 23-26%
ansteigen dürfte. Verizon in d AT&T in den USA haben die
Zeichen der Zeit erkannt und investieren in den Ausbau des
mobilen Internets. So werden auch hierzulande T-Mobile und
Vodafone meiner Einschätzung nach den Trend zu Smartphones mit
Investitionen in Mobilfunknetz beantworten müssen,
Investitionen, die zu einem guten Teil bei Cisco landen werden.
Letzte Woche gab es Verwirrung über das Quartalsergebnis von
Mister Softee (Microsoft). Steve Ballmer, CEO von Microsoft,
gab bekannt, dass sein Unternehmen noch keine anziehende
Nachfrage von Unternehmensinvestitionen für den Ausbau der
technologischen Infrastruktur feststellen könne. John Chambers
hingegen behauptet das Gegenteil, Cisco stelle steigende
Investitionen von Unternehmen fest. Ich kann diesen Widerspruch
nur so auslegen, dass die Hardwarekosten für
Netzwerkkomponenten den Softwarekosten vorgelagert sind. Auch
kann ich derzeit kaum eine fehlende Funktionalität bei
Anwendungssoftware feststellen, für das Videostreaming sind
unsere Netze hingegen noch lange nicht ausgerichtet. So deute
ich Ciscos Geschäft als einen Frühindikator anziehender
Unternehmensinvestitionen.
Mit dem aktuellen Ergebnis notiert die Aktie auf einem KGV von
17. Bei Wachstumsraten beim Gewinn von rund 25% und als
Weltmarktführer in einem Markt mit hohen Zugangsbeschränkungen
(Know-how) verdient Cisco in meinen Augen ein wesentlich
höheres Bewertungsniveau. Wenn wir dann noch berücksichtigen,
dass Cisco sowohl Marktanteile hinzugewinnt, als auch am Beginn
eines Aufschwungs der eigenen Branche steht, denke ich , dass
der Kurs schon bald kräftig anziehen wird. Sollte dies nicht
geschehen so steht Chambers bereit, mit einem
Aktienrückkaufprogramm bis zu 10% der ausstehenden Aktien
einzusammeln. Dies dürfte den Kurs nach unten absichern.
Fazit: Nach der Finanzkrise (Investitionsstau) und vor dem
Siegeszug der Smartphones (mobiles Internet) gibt es großen
Investitionsbedarf in Netzwerktechnologie. Das Geschäft von
Cisco steht am Anfang eines nachhaltigen Aufschwungs, der
Aktienkurs spiegelt dies mit einem KGV von 17 noch lange nicht
wider.
AIXTRON: SELBST ÜBERZOGENE ERWARTUNGEN WERDEN ERFÜLLT
Von 03.02.2010 | 15:31
Es gibt nur eine ganz kleine Anzahl an Unternehmen, die über
eine ausreichende Marktkapitalisierung (über 1 Mrd. €) verfügen
und Wachstumsraten ausweisen, die einem die Freudentränen in
die Augen jagen. Aixtron gehört zu diesen Unternehmen.
Denn es gibt Hedgefonds und institutionelle Anleger, der gerade
solche Wachstumsunternehmen für ihr Portfolio suchen. Dabei
werden die folgenden vier Kriterien beobachtet:
Umsatzwachstum
Mindestens 20% Umsatzwachstum benötigen Unternehmen, um als
heiße Wachstumsunternehmen zu gelten. Ab 30% Umsatzwachstum
wird gejubelt. Nach dem schwachen Start im Jahr 2009 konnte
Aixtron im vierten Quartal den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um
42% steigern. Für das Gesamtjahr beträgt das Umsatzwachstum
„nur“ 10%, aber die Tendenz zeigt nach oben, wie das vierte
Quartal zeigt.
Gewinnmarge
Wachstum darf nicht zu Lasten der Gewinnmarge erfolgen, denn
sonst würde dies darauf hinweisen, dass das Unternehmen nur
durch eine Preisschlacht Anteile von Wettbewerbern zugewinnen
würde. Was Hedgefonds jedoch bei Wachstumsunternehmen sehen
wollen ist die Eroberung neuer Märkte, wo die Nachfrage so groß
ist, dass die Gewinnmarge ansteigen kann, weil es keinen
Preisdruck gibt. Die operative Gewinnmarge bei Aixtron ist im
vierten Quartal von 9% auf 28% geschossen! Für das gesamte Jahr
2009 ist die Marge von 12 auf 20% angestiegen.
Auftragseingänge
Ganz und gar euphorisch werden Hedgefonds, wenn das Unternehmen
zusätzlich noch vermeldet, nicht alle Aufträge bedient zu
haben. Wenn also die Auftragseingänge gegenüber dem
Vorjahresquartal angestiegen sind und auf ein weiter
anhaltendes Wachstum hinweisen. In der von Aixtron heute
veröffentlichten Meldung über die vorläufigen Ergebnisse ist
jedoch keine Information über die Auftragseingänge zu finden.
Wir werden bis zur Veröffentlichung der endgültigen Zahlen am
11. März warten müssen.
Prognoseanhebung
Und als vierte Kurs treibende Komponente schauen Hedgefonds
stets auf die Prognose des Unternehmens. Am liebsten hätte man,
dass das Management jedes mal, wenn es zum Mikrofon greift, die
eigene Prognose über den erwarteten Umsatz und Gewinn des
Unternehmens weiter anhebt. Auch darüber hat Aixtron in seiner
heutigen Meldung nichts verlauten lassen sondern verweist auf
den 11. März.
Das KGV 2009e (e = estimated, also von Analysten erwartet)
steht bei 62. Das EBIT fällt jedoch gemäß der heutigen Meldung
um 20% über den Erwartungen aus. Wir können von der EBIT-
Steigerung nicht entsprechend auf den Gewinn je Aktie
schließen, doch einen Anhaltspunkt geben uns die vorläufigen
Zahlen schon. So dürfte das KGV 09e statt bei 62 letztlich etwa
bei ca. 50 landen.
Noch im Oktober notierte das für 2009 geschätzte KGV über 80
und die sah unglaublich teuer aus. Wenn Sie jetzt jedoch auf
Basis der neuen Zahlen eine entsprechende Anhebung der
Prognosen für das laufende Jahr berücksichtigen, dann würde ein
KGV 2010e von 25 (eigene Schätzung) gar nicht mehr so teuer
aussehen.
Und genau das ist die Entwicklung auf die Hedgefonds bei diesen
Wachstumsaktien setzen: Wachstumsaktien wachsen so schnell in
ihre hohe Bewertung hinein, dass ein immer höheres KGV
gerechtfertigt werden kann. Und diese Aufwärtsspirale dreht
sich so lange, bis Aixtron einmal einen der vier oben genannten
Punkte nicht erfüllen kann. Da reicht es schon aus, wenn am 11.
März die Jahresprognose nicht signifikant angehoben würde oder
wenn im April die hohe Gewinnmarge von 28% ein wenig zurück
geht.
Solange Aixtron die überzogenen Erwartungen von Hedgefonds
erfüllt steigt der Kurs weiter in den Himmel. Doch wehe, wenn
diese Aufwärtsspirale einmal durchbrochen wird. Dann wird
verkauft ohne Rücksicht auf Bewertungsniveaus und fundamentaler
Entwicklung, dann wird der Kurs heftiger einbrechen als der
Markt. Wenn Sie also bei Aixtron investieren sollten Sie sich
dieses Risikos bewusst sein.
VISA ALS BEWEIS FÜR WELTWEIT ANZIEHENDEN KONSUM
Von 04.02.2010 | 20:33 Uhr |
Ich habe mir soeben das Quartalsergebnis von Visa angeschaut.
Mit 65% Weltmarktanteil am Kreditkartenmarkt ist Visa in meinen
Augen ein guter Indikator für die Konsumfreude der Menschen
weltweit. Insbesondere in den USA ist die Zahlungsmethode mit
Kredit- oder Guthabenkarte weit verbreitet, da dort das
Lastschrift- und Überweisungsverfahren kaum entwickelt ist. Die
Alternative ist das Versenden von Schecks per Briefpost.
So berichtet das Unternehmen von einem anhaltenden Trend hin zu
Plastikgeld. Sowohl die Anzahl der Transaktionen, als auch die
gezahlten Beträge lagen über den Erwartungen der Analysten. Da
Visa kaum Fixkosten hat und am Zahlungsvolumen einen festen
Prozentsatz verdient profitiert das Unternehmen von der
anziehenden Konsumfreude der Karteninhaber. Im abgelaufenen
Quartal verdiente das Unternehmen 99 Cents je Aktie (erwartet
wurden 91 Cents je Aktie). Der Umsatz stieg um 13% auf 1,96
Mrd. USD an (erwartet wurden 1,91 Mrd. USD). Die operative
Gewinnmarge lag mit 59,9% ebenfalls über den erwarteten 57%.
Bei einem Umsatzwachstum von 11-15% im laufenden Jahr möchte
das Unternehmen mindestens 20% mehr verdienen als im Vorjahr.
Dieser Trend solle, so CEO Joseph Saunders, auch im Jahr 2011
anhalten.
Können Sie sich noch an die Kreditkartenkrise erinnern, die im
Jahr 2009 mehrfach heraufbeschworen wurde? Ich habe Ihnen
damals das Volumen der ausstehenden Kreditkartenkredite ins
Verhältnis gerückt und konnte Sie hoffentlich davon überzeugen,
diese vermeintliche Gefahr als Ente zu sehen. Und so wird es
Sie nicht überraschen wenn Sie nun hören, dass die
Kreditausfälle rückläufig sind und das Kreditvolumen wieder zu
steigen beginnt.
Während wir auf politischer Ebene derzeit ein Chaos erleben,
packen sich die Unternehmen liquide Mittel auf die Seite, Visa
sitzt auf 6 Mrd. USD liquiden Mitteln. Klar, die Unternehmen
sind nun schlank aufgestellt, nachdem sie die jüngste Krise für
Restrukturierungen nutzten, und scheuen sich dennoch von großen
Investitionen, denn Obama könnte Sondersteuern einführen, der
Euro könnte kollabieren, China könnte sich vom Rest der Welt
abnabeln und der Himmel könnte uns auf den Kopf fallen. Wenn
all diese Befürchtungen im Verlauf der nächsten Wochen von den
Titelseiten der Medien verschwinden, dann werden Investitionen
getätigt, Unternehmensbewertungen angepasst (bei Visa nach
oben!) und entsprechend die Aktienkurse steigen.
Mit einem aktuellen KGV von 29 sieht die Bewertung für Visa
zwar optisch hoch aus. Doch wenn ich mir die 20% Gewinnwachstum
auf zwei Jahre anschaue und berücksichtige, dass Visa aus einer
Finanzkrise kommt, in der hohe Abschreibungen und niedrige
Gewinne erzielt wurden, dann kann ich mir gut vorstellen, dass
nach diesem herausragenden Quartalsergebnis die Prognosen für
das laufende Jahr angehoben werden. Und wenn statt der
erwarteten 3,60 USD im laufenden Jahr eben 4,40 USD verdient
werden, dann ist das von mir erwartete KGV 2010e von 19 schon
wesentlich attraktiver.
Fazit: Die in den Schlagzeilen diskutierten Probleme können den
Kursanstieg einiger Unternehmen mit herausragenden
Quartalsergebnissen zwar verzögern, nicht jedoch verhindern.
Visa wird meines Erachtens kräftig ansteigen, wenn die
Analysten in den nächsten Wochen ihre Erwartungen an die
verbesserten Aussichten anpassen.





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