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So tickt die Börse: Institutionelle haben Unrecht

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08. Februar 2010 11:24

„Die Börse hat immer Recht“ ist einer der Lieblingssprüche
meiner Leser, wenn ich mit einer Einschätzung falsch lag und
dennoch versuche, meine Überzeugung inhaltlich zu
rechtfertigen. Ich kann diesen Spruch nicht leiden. Denn die
Börse ist alles andere als effizient, die Börse unterliegt
Mechanismen, die effiziente Reaktionen verhindern.

Griechenland ist ein Problem für ... ja, für wen eigentlich?
Nun, meiner Ansicht nach ist Griechenland ein Problem für
Griechenland. Mit 2,5% des EU-BSPs haben die Probleme
Griechenlands kaum einen Einfluss auf die Wirtschaft in der EU,
geschweige denn der Welt. Aber dennoch wurde gestern weltweit
alles verkauft, was nicht niet und nagelfest war. Aktien von
Unternehmen, die in Griechenland Geschäfte haben. Aktien von
Unternehmen, die von den Problemen der Unternehmen, die in
Griechenland Geschäfte machen, profitieren. Entsprechende
Aktien von Unternehmen, die von Portugal, von Spanien oder
vielleicht sogar von Japan abhängig sind. Denn auch diese
Länder haben exorbitant hohe Verschuldungsquoten.

Und so haben wir nun die Probleme, die für den notwendigen
Ausverkauf sorgen, bevor die Börsen wieder steigen können. Doch
denken Sie nicht, dass Hedgefonds, Fondsmanager und andere
institutionelle Anleger intelligenter sind als Sie. Dort laufen
nicht selten 25 jährige Hochschulabgänger herum, die noch nicht
einmal Abitur hatten, als die Börse nach der Jahrtausendwende
in eine lange Baisse überging. Der Internetboom war etwas, das
es ihnen ermöglichte, Hausaufgaben im Internet zu klauen.

Diese Jungs wurden in den letzten Semestern auf die
Finanzmathematik getrimmt und sie wissen genau, wie ein
diversifiziertes Portfolio aussieht, das ein bestimmtes Beta,
einen bestimmten Markt oder eine bestimmte Branche abbildet.
Sie suchen die Aktien für ihr Portfolio aus Excel-Tabellen mit
unzähligen Kennzahlen heraus.

Und wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, dann wird das
Portfolio an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst. Dieser
Anpassungsvorgang, wenn auch inhaltlich richtig, geschieht dann
so schnell und so pauschal, dass ganze Märkte in die Knie
gezwungen werden.

Wenn also China statt mit 11% nur noch mit 8% wachsen wird,
dann können chinesische Aktien in einem Wachstumsfonds nicht
mehr s stark gewichtet sein wie zuvor und in Folge dessen
werden chinesische Aktien, egal welche, verkauft.

Wenn Griechenland, ein Mitglied der hoch angesehenen EU, in
Zahlungsschwierigkeiten gerät, dann müssen auch die als weniger
solide geltenden Schwellenländer als gefährdet angesehen
werden, so die falsche Annahme vieler Marktteilnehmer in diesen
Tagen. Und so wird das Engagement in Schwellenländeraktien
zurück gefahren, ohne Rücksicht auf Bewertungsniveau oder
Geschäftsaussicht der einzelnen Unternehmen. Hauptsache die
angepasste Gewichtung kann schon morgen dem Chef präsentiert
werden.

Und so liefern Ausverkäufe wie der gestrige für uns besonnene
und insbesondere unabhängige Privatanleger hervorragende
Kaufchancen in ausgewählten Einzelaktien. Heute Vormittag habe
ich Kaufempfehlungen zu fast unserer kompletten
Beobachtungsliste an die Heibel-Ticker PLUS Kunden
herausgeschickt, die entsprechende E-Mail Benachrichtigungen
haben wollen.

Es ist falsch, dass der Goldpreis gestern um 4% eingebrochen
ist. Ich würde doch meinen, dass der Goldpreis steigt, wenn die
Welt unterzugehen droht, oder etwa nicht? Aber der gestrige
Ausverkauf hat die Volatilität an den Märkten nach oben
schnellen lassen. Und bei einer gestiegenen Volatilität
bevorzugen viele Marktteilnehmer eine höhere Cash-Quote. Und
somit haben institutionelle Anleger ihre Cash-Quote erhöht und
eben alles, auch Gold und entsprechende Goldderivate, verkauft,
was den Goldpreis hat einbrechen lassen.

Erst in ein paar Tagen oder Wochen werden diese Gelder wieder
neue Anlagemöglichkeiten suchen und wenn bis dahin die
Unsicherheit auf den Weltfinanzmärkten nicht dramatisch
verringert wurde, dann wird ein größerer Anteil dieser Gelder
wieder in das Gold zurück fließen. Doch zunächst wurde erst
einmal die Cash-Quote erhöht, also auch Gold verkauft.

Doch bevor ich mich weiter über den Unsinn auslasse, den Sie
gestern und heute an der Börse sehen, schauen wir uns einmal
die Probleme Griechenlands und deren Auswirkung auf die EU
genauer an.

Die Schulden Griechenlands belaufen sich inzwischen auf rund
130% des griechischen Bruttosozialprodukts. Innerhalb der EU
sind gerade einmal 60% zugelassen, doch das erfüllt kaum ein
Land. Deutschland steht als Musterknabe bei 79%. Japan übrigens
bei über 200%. Nur weil ein Land nun 130% des BSPs an Schulden
hat hört die Welt nicht morgen auf sich zu drehen.

Das Geschrei ist groß, dass Griechenland jedoch eine
Kettenreaktion auslösen könnte: Als nächstes fällt Portugal und
danach wird schon Spanien genannt. Nun okay, da kommen wir
schon langsam an eine Wirtschaftsnation, deren Probleme auch
bei uns Wellen schlagen könnten. Portugals Verschuldungsgrad
könnte in den nächsten zwei Jahren auf 91% ansteigen, und der
von Spanien auf 74%. Wieso wird Spanien kritischer gesehen aus
Deutschland? Kritiker betrachten derzeit nur die
Neuverschuldung, und die ist dort zugegebenermaßen recht hoch.
Aber von einem Staatsbankrott sind wir noch weit entfernt.

Die Angst geht umher, dass die EU Griechenland in irgendeiner
Form helfen könnte. Doch ich halte das für falsch und
unwahrscheinlich. Falsch, weil damit eben die befürchtete
Kettenreaktion losgetreten werden könnte. Und unwahrscheinlich
weil ich nicht denke, dass unsere Politiker uns vermitteln
können, das wir für den Verschwendungswahn anderer Nationen
aufkommen müssen. Die EU ist eine Währungsgemeinschaft, keine
Solidargemeinschaft. Und das Einspringen anderer EU-Mitglieder
ist im EU-Vertrag nicht vorgesehen, vielmehr müssen die
Mitglieder sich selbst am Riemen reißen.

Es wird nun in meinen Augen nicht mehr lange dauern bis
Griechenland damit droht, aus der EU auszutreten. Das würde den
Euro in seiner Glaubwürdigkeit schwächen und würde auch enge
wirtschaftliche Verflechtungen in Frage stellen. Doch die
Auswirkungen für die EU wären relativ gering, für Griechenland
hingegen wäre es eine Katastrophe. Man müsste sich um eine neue
Währung kümmern und glauben Sie nicht, dass anschließend
irgendjemand aus der internationalen Finanzgemeinde Interesse
an griechischen Staatsanleihen haben könnte. Ganz abgesehen von
den in Euro geschriebenen Verträgen, die umgeschrieben werden
müssten.

Ich kann mir also nicht vorstellen, dass Griechenland aus der
EU austreten wird. Ebenso wenig kann ich mir vorstellen, dass
die EU helfend zur Seite eilen wird. Vielmehr wird Griechenland
mehr oder weniger alleine durch ein Tal der Tränen gehen
müssen, bis es den eigenen Haushalt wieder EU-konform gestaltet
hat. Und das wird Gehälter, Jobs, Infrastruktur und Wohlstand
kosten.

Die Auswirkungen dieses Prozesses für uns in Deutschland? Nicht
merkbar. Die Auswirkungen für die Schwellenländer, für die USA,
für die Weltfinanzmärkte, für Gold, ...?

Nutzen Sie den Ausverkauf, um Ihre Lieblingsaktien günstig
einzusammeln. In diese Panik hinein sollten Sie nicht
verkaufen, denn das ist stets die schlechteste Reaktion. Wenn
die Erklärungen, die ich Ihnen hier soeben über Griechenland
aufgezeigt habe, durch die Medien geistern, werden die Börsen
schon wieder um 5% höher stehen. Und wenn sich meine
Erklärungen dann als falsch herausstellen sollten (was ich
nicht glaube), dann haben Sie sodann noch immer Zeit, alles zu
verkaufen und in Gold anzulegen. Niemals aber sollten Sie in
eine Verkaufspanik hinein verkaufen, denn diese ist zumeist von
finanzmathematisch orientierten Jungspunden oder entsprechend
programmierten Computern ausgelöst.

Schauen wir uns einmal die Wochenperformance der wichtigsten
Indizes an:


INDIZES 4.2.10
Dow Jones 10.002 -1,2%
DAX 5.533 -0,1%
Nikkei 10.057 -3,4%
Euro/US-Dollar 1,367 -2,2%
Euro/Yen 122,26 -2,7%
10-Jahre-US-Anleihe 3,61% -0,1
Umlaufrendite Dt 2,89% 0,0
Feinunze Gold USD $1.053,37 -3,0%
Fass Crude Öl USD $72,94 -1,7%
Baltic Dry Shipping I 2.685 -13,9%

Der DAX hat nur deswegen am besten abgeschnitten, weil er den
gestern Abend startenden Ausverkauf im Dow Jones noch nicht
mitgemacht hat. Allein gestern Abend brach der Dow Jones um
über 2% ein. Der Nikkei hatte in Folge dessen heute Nacht
seinen schlechtesten Tag seit Monaten (-2,89%).

Natürlich werden bei der vermeintlich unsicheren Lage in Europa
auch große Summen aus Euro-Anlagen abgezogen und so ist der
Euro-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar (-2,2%) sowie dem Yen
(-2,7%) kräftig eingebrochen. Eigentlich müssten unsere
exportorientierten, international ausgerichteten Unternehmen
wie Daimler oder Siemens vom schwachen Euro profitieren denn
die im Ausland erzielten Erlöse gewinnen an Wert. Doch sowohl
Daimler (-1,5%) als auch Siemens (-1,6%) notieren kräftig im
Minus. Die Rasenmäher-Methode eben.

Schauen wir uns einmal die Stimmung unter den Anlegern an:

SENTIMENTDATEN

ANALYSTEN:
Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

Kaufen / Verkaufen
15.-22. Jan (394): 75% / 25%
22.-29. Jan (342): 56% / 44%
29.1.-5.2. (318): 83% / 17%

ANALYSTEN KAUF
Volkswagen, Vinci S.A., Hannover Rück,

ANALYSTEN VERKAUF
Q-Cells, Solon, Renewable Energy

PRIVATANLEGER:
3. KW 2010: 69% Bullen (82 Stimmen)
4. KW 2010: 47% Bullen (78 Stimmen)
5. KW 2010: 57% Bullen (70 Stimmen)
Durchschnittlich erwarteter DAX-Endstand für heute: 5.648

PRIVATANLEGER KAUF
Washington Mutual, Infineon, Wacker Chemie

PRIVATANLEGER VERKAUF
SMA Solar, Peugeot

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise
erstellt: http://www.sharewise.com?heibel

Hui, insbesondere die Analysten sind in dieser Woche bullischer
denn je. So viele Kaufempfehlungen hat es schon ewig nicht mehr
gegeben. Das macht mich allerdings nachdenklich.

Mit 57% Bullen sind die Privatanleger relativ ausgewogen
gestimmt. Die schlechte Stimmung hält sich die Waage mit den
Chancen, die durch den Ausverkauf entstehen.

Weiter unten habe ich die Quartalsergebnisse von Cisco und Visa
aufgeschlüsselt. Hier in Deutschland hat die Deutsche Bank
gestern ein hervorragendes Ergebnis veröffentlicht. Doch alles,
was Sie in der Presse darüber lesen ist: „Die Spitze ist
erreicht, besser kann es nicht mehr werden.“

Ich sehe das anders. Auch wenn einzelne Branchen und Märkte im
Jahr 2010 gemieden werden sollten, so gibt es doch eine ganze
Reihe von Wachstumstrends, die für Anleger überproportionale
Erträge ermöglichen sollten. Wie zum Jahreswechsel angekündigt:
Nachdem im Jahr 2009 alle Aktien stiegen wird es nunmehr
wichtig, auf die richtigen Einzelaktien zu setzen. Cisco und
Visa gehören in meinen Augen ebenfalls zu denen, die in diesem
Marktumfeld profitieren werden. Die weiteren Empfehlungen
finden Sie im Kapitel 06.

Ja, und sogar Aktien von Unternehmen, die mit alledem nichts zu
tun haben wurden verkauft. Doch damit nicht genug, auch das Öl
wurde ausverkauft und wo geht all dieses Geld hin? Ins Gold?
Nein, auch der Goldpreis fiel gestern um 4%. Es wurde alles
verkauft.

Hat die Börse Recht? Müssen wir wirklich alles verkaufen?
Können wir in die Zeitung schauen, auf den Computerbildschirm,
auf unseren Depotauszug, und können wir von dem, was wir dort
sehen unsere Schlussfolgerungen ziehen? Geben die Ereignisse an
den Weltfinanzmärkten Aufschluss über das, was in der realen
Welt passiert? Wenn ich den Fernseher anschalte, dann könnte
ich zu diesem Schluss kommen. Doch das ist falsch.

Nur einige Aktien und einige wenige Anlagebereiche werden
derzeit in meinen Augen zu Recht ausverkauft. Die anderen
wurden mitgefangen und werden nun „mitgehangen“. An den
Finanzmärkten wird das Badewasser mit dem Kind ausgeschüttet.
Halten Sie sich also bitte fest, damit Sie an Bord bleiben.

Nein, ich habe Anfang Januar, als ich mehrmals zu
Gewinnmitnahmen und Verkäufen riet, nicht gewusst, dass
Griechenland solche Probleme bekommen würde. Und ich wusste
auch nicht, dass Obama plötzlich wild wird. Und noch weniger
konnte ich damals vorhersehen, dass China so schnell schon zu
einer restriktiven Geldpolitik zurückkehren würde. Aber Anfang
Januar lief alles so gut, dass es kaum noch positive
Überraschungen geben konnte ... vielmehr war die Gefahr von
negativen Überraschungen viel größer geworden. Nach einer
Börsenrallye von 60% wäre es waghalsig gewesen, mit dem selben
Betrag auf weiter steigende Kurse zu setzen wie im März bei
einem DAX-Stand von 3.600 Punkten.




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