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Wir und Iran

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24. November 2009 09:38

Das Jahr 2009 war ein dramatisches Jahr für den Iran: Es gab eine umstrittene Präsidentenwahl, aus der ein noch viel umstrittenerer Präsident als vermeintlicher Sieger hervorging. Zahlreich waren die Demonstrationen gegen den vermuteten Wahlbetrug. Die modernde Technik machte es möglich, dass die Rauchzeichen der Freiheit auch in der übrigen Welt wahrgenommen werden konnten. Handyaufnahmen, Facebook, Twitter sowie eine ambitionierte Jugend, die sich der neuen Technologien zu bedienen weiß, ließen die Außenwelt am Freiheitswillen des iranischen Volkes teilhaben. Trotz der schändlichen Strafjustiz des totalitären Staates ist dieses Feuer nicht erloschen, wie gelegentlich durchdringende Berichte nach wie vor bezeugen. Der Iran gibt Anlass für ein paar prinzipielle Überlegungen:

Kein Volk ist für Diktatur geschaffen. In allen Menschen lebt der Freiheitswille – einmal mehr, einmal weniger. Niemals ist er für immer auszulöschen. Selbst das einst so kriegerische Volks Japans wandte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit erstaunlicher Geschwindigkeit der Demokratie zu.

Manche, die der Demokratiemüdigkeit anheim gefallen sind, mögen hier einwenden, dass China ein Beispiel dafür sei, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit selbst mit einer kommunistischen Herrschaft vereinbar sei und dass die Chinesen durchaus imstande seien, erfolgreich ohne Demokratie auszukommen. Einspruch! Gerade China, nämlich das Freie China, also Taiwan, beweist seit Jahrzehnten, dass auch die Chinesen mit der Freiheit etwas anzufangen wissen und auch die Chinesen Demokratie leben können- mit einem Vielfachen an wirtschaftlicher Stärke!

Die Einstellung, es gäbe Völker, die für die Demokratie ungeeignet seien, ist schlicht ein Zeichen von Arroganz. In Wirklichkeit hat kaum ein Volk den reibungslosen Übergang zur Demokratie ohne größere Schwierigkeiten geschafft: Von den großen USA bis zum kleinen Österreich bedurfte es eines Bürgerkrieges, bevor die Demokratie allseits akzeptiert wurde.

Auch wenn das Prinzip des gleichen Wahlrechts in seiner sofortigen Einführung kein Allheilmittel ist und es oft schmerzhafter Erfahrungen bedarf, dürfen wir nicht von einer Demokratieunfähigkeit eines ganzen Volkes ausgehen. Erinnern wir uns an das Jahr 1938, als Österreich, von der Welt verlassen, als demokratieunfähig angesehen wurde. Gemäß der seinerzeitigen Nazi-Propaganda erschienen selbst in der Londoner Times vermeintliche Jubelbilder der Okkupatoren, die die Lächerlichkeit jedes Widerstandes suggerieren sollte. Selbst heute gibt es bekanntlich noch Leute, die den Goebbelschen Parolen von der überwiegend nationalsozialistischen Einstellung der Österreicher Glauben schenken. Dass Hitler deshalb im März 1938 in Österreich einmarschierte, weil er die von Schuschnigg angesetzte Volksabstimmung für ein freies Österreich wie der Teufel das Weihwasser fürchtete, wird manchmal vergessen. Aus dieser Erfahrung lernend sollten wir alles zu vermeiden suchen, was demoralisierend auf die Kräfte der Freiheit wirken könnte. Peinliche diplomatische Gesten anlässlich der Amtseinführung des Diktators sind das falsche Signal. Wer an die Demokratie glaubt, ist gefordert, der iranischen Opposition den Rücken zu stärken und alles zu tun, damit dieses schöne, vielfältige und historisch gewachsene Land den Weg zur Freiheit findet.





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