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17. Oktober 2009 08:27
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Dieser Tage ist viel von der Krise des Qualitätsjournalismus die Rede. Er sei immer schwerer zu finanzieren, heißt es, nicht nur, aber besonders in der Wirtschaftskrise. Wie wenig die Krise des Qualitätsjournalismus mit der Wirtschaftskrise zu tun hat und wie viel mit miesem Charakter, weiß ich inzwischen aus eigener Erfahrung.
Vor knapp zwei Wochen schrieb ich in der "Presse am Sonntag" über die Absurdität der Ergebnisse der Media-Analyse (MA), von der längst klar ist, dass sie nicht Printreichweiten misst, sondern Markenreichweiten (Print, Online, Werbung etc.). Das wirkt sich vor allem beim STANDARD durch einen Mitlesefaktor (Leser pro verbreitetem Exemplar) von 4,3 aus, ein Wert, der auch im internationalen Vergleich (der Schnitt von NZZ, FAZ oder SZ liegt deutlich unter 3) äußerst ungewöhnlich, um nicht zu sagen absurd hoch ist.
Ich schrieb also, dass die MA eine weitgehend sinnfreie Methode zur Ermittlung von Zeitungsreichweiten sei, weil sie ja Markenreichweiten ermittelt (was mich zu der Schlussfolgerung führte, dass die Behauptung, die MA gebe Auskunft darüber, wie viele Menschen ein Print-Inserat sehen, Betrug sei). Schließlich fragte ich - und das muss man wirklich nicht für eine schreiberische Großtat halten -, welchen Drogencocktail man sich eigentlich ins Hirn gestellt haben müsse, um solche Ergebnisse für realistisch zu halten.
Die MA-Community war erwartungsgemäß erbost. Ich bekam etliche Anfragen von Journalistenkollegen, mich doch näher zu erklären, alle mit dem Hinweis darauf, dass sie mir inhaltlich Recht gäben. Gelesen habe ich das interessanterweise nirgends. Nur der Chefredakteur des "Horizont" hat mich öffentlich belehrt, ich möge mich nicht so aufpudeln. Ich mag ihn sehr, aber die Gründe, die er nannte, als Argumente zu bezeichnen, lässt meine Liebe für die Begriffe nicht zu.
Gestern, Donnerstag, tagte der MA-Vorstand. "Presse"-Geschäftsführer Gmeinbauer entschuldigte sich dort, wie ich höre, für meine Wortwahl, erklärte aber, dass er meine inhaltlichen Kritikpunkte teile. Der STANDARD machte daraus eine Meldung mit dem Titel "Presse entschuldigt sich für Chefredakteur" und erklärte, "Sitzungsteilnehmer wollen gehört haben, Fleischhacker gebe nicht die Meinung des Verlags wieder." Er zitierte dann aber immerhin den Presse-GF, der das dementierte.
Meine oben erwähnten polemischen Spitzen von vor zwei Wochen wurden ausführlich und ausschließlich zitiert, die inhaltlichen Argumente, die sowohl in meinem Text als auch in der MA-Sitzung vom Presse-Geschäftsführer gebracht wurden, waren im STANDARD selbstverständlich noch nie zu lesen.
Gezeichnet war der kurze Text mit "red", was nur zwei Schlüsse zulässt: Dass STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, der bei der Sitzung anwesend war (er und einige seiner Klone waren wohl auch die Sitzungsteilnehmer, die gehört haben wollen...), den Text selbst verfasst hat, oder dass es den STANDARD-Journalisten dann doch zu peinlich war, so etwas mit dem eigenen Kürzel zu zeichnen.
Eine entsprechende Anfrage an Harald Fidler blieb bis dato unbeantwortet. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Mehr unter http://diepresse.com/blog/polit...






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